I m Spätsommer 1888 begann eine Serie von äußerst brutalen Morden an Prostituierten im verwahrlosten Londoner Stadtteil East End.
(Stadtplan siehe hier).
Bei den Mordopfern handelte es sich fast immer um in Armut lebende, alkoholabhängige Frauen mittleren Alters. Die Pennys, die sie verdienten,
setzten sie umgehend wieder in Alkohol um oder versuchten zumindest für eine Nacht einen Schlafplatz in einem der Logierhäuser
(engl.: Doss Houses) von Spitalfields zu ergattern. Vorausgesetzt das 4 Pennys übrig waren. Die damalige Bevölkerung im viktorianischen London nannte diese Frauen "Schwestern des Abgrundes".
 Martha TabramIn
den frühen Morgenstunden des 7.August 1888 gegen 3.30 Uhr kehrte Albert Crow zu seiner Wohnung in die George Yard
Buildings zurück. Auf dem Treppenabsatz im ersten Stock sah er jemanden liegen. Der erschöpfte Droschkenkutscher hielt die Person für einen schlafenden Betrunkenen
und legte sich schlafen. Gegen 4.50 Uhr wollte der Dockarbeiter John Reeves das Haus verlassen um zur Arbeit zu gehen. Er rutschte auf einer Treppenstufe aus und
entdeckte im ersten Morgenlicht eine Lache geronnenes Blut und die Leiche Martha Tabrams. Bei der Obduktion in einem als Leichenhalle umfunktionierten Schuppen
stellte der Arzt Dr. Kileen fest, dass ihr Körper mit 39 Stichwunden verstümmelt worden war.
Bei der
gerichtlichen Leichenschau sagte die Prostituierte Mary Ann Connolly genannt "Pearly Poll" aus, dass sie in der Mordnacht zusammen mit Martha Tabram
und 2 Soldaten des Wachbataillons des Towers gezecht habe. Gegen 1.45 Uhr ging Pearly Poll mit einem der Soldaten in eine dunkle Gasse, während Martha Tabram mit dem
Anderen Richtung George Yard Buildings aufbrach. Das war das letzte Mal, dass Martha Tabram lebend gesehen wurde. Dieser Umstand und die Tatsache, das der Mörder seinem
Opfer nicht, wie bei allen anderen Ripperopfern, die Kehle durchschnitt dürfte auch dazu beigetragen haben, dass viele Hobbydetektive und Polizeifachleute davon überzeugt
sind, dass der Mörder ein Soldat sein muss und nicht Jack the Ripper. Bei einer Gegenüberstellung der Soldaten des Gardebataillons, die in der Mordnacht dienstfrei hatten,
erkannte Pearly Poll keinen als den Freier wieder, der mit Martha losgezogen war. So verliefen die ohnehin spärlichen Ermittlungen der Metropolitan Police im Sand.
Am Freitag, den 31.August 1888, 3 Wochen nach dem Mord an Martha Tabram, machte sich der Fuhrmann George Cross auf den Weg zur Arbeit. Als er gegen 3.30 Uhr in die
 Tatort Buck's RowBuck's Row einbog, sah er auf Höhe einer Pferdeschlachterei ein Bündel auf dem Straßenpflaster
liegen, dass er zunächst für eine brauchbare Segeltuchplane hielt. Doch als er sich die vermeintlichen Plane näher anschauen wollte, erkannte er die
Gestalt einer Frau, die er zunächst für eine Betrunkene hielt, die ihren Rausch ausschlief. Cross und ein inzwischen hinzugekommener anderer Fuhrmann namens John Paul untersuchten die Frau,
wobei Cross feststellte, dass das Gesicht der Frau noch warm war. Da es stockdunkel war und die wenigen Gaslaternen kaum Helligkeit spendeten, sahen sie nicht die geringe Menge Blut auf dem Boden.
Sie zogen ihr sittsam den hoch geschobenen Rock runter und suchten dann nach Hilfe. Nicht weit entfernt trafen sie auf den Police Constable Mizen und führten ihn zum Tatort.
Dort war bereits der Constable Neil auf seiner nächtlichen Runde auf das Opfer gestoßen. Der herbeigerufene Arzt Dr. Ralph Llewellyn stellten den Tod fest und ordnete an, die
Leiche in die naheliegende Leichenhalle des Whitechapel Armenhauses zu bringen. So brachten 2 Police Constables das Opfer in einem zweirädrigen Handkarren zur Leichenhalle, da damals in
London noch keine Krankenwagen existierten. Dr.Llewellyn erwähnte noch, er werde später die Obduktion vornehmen und sich nun wieder ins Bett begeben. Ein Junge wurde angewiesen, dass
Blut von der Straße zu wischen.
Gegen 5 Uhr trafen die beiden Polizisten mit der Handkarre an der Leichenhalle ein, vor der bereits Inspector John Spratling ungeduldig wartete.
Spratling zog den Rock und Unterrock der Toten hoch und bemerkte, dass der Unterleib aufgeschlitzt war und die Gedärme heraushingen. 2 Insassen des Armenhauses zerschnitten Teile der Kleidung des
Mordopfers und wuschen die Leiche. Da zu der Zeit keine forensische Medizin existierte, war es sinnlos, die Kleidung auf heutzutage verwertbare Spuren zu untersuchen.
Erst am 1.September führte Dr.Llewellyn die Obduktion der Leiche durch. Vorher wurde das Opfer an die Wand gelehnt, damit es fotografiert werden konnte. Diese Vorgehensweise
war im späten 19. Jahrhundert üblich, da man damals nur über große Fotoapparate in Holzboxen verfügte, die nur waagerecht fotografieren konnten. So wurden Leichen, wenn sie
überhaupt fotografiert wurden, an Wände gelegt oder sogar an Nägeln aufgehängt.
|