Jack the Ripper
- From Hell -
Coroner Wynne E.Baxter eröffnete am selben Tag die gerichtliche Leichenschau, bei der man folgende Ereignisse in der Mordnacht festgestellte:
Mary Ann Nichols

Das Mordopfer Mary Ann Nichols, 42 Jahre alt, wurde am 31. August gegen 2.30 Uhr zum letzten Mal lebend gesehen. Ihre Freundin Nelly Holland traf sie an der Ecke Osborne Street/Whitechapel Road. Sie sagte aus, Mary Ann Nichols habe erwähnt, dass sie sich noch ein paar Pennys verdienen wolle, damit sie im Logierhaus ein Bett bekäme. Dann verschwand sie in der Dunkelheit.
Laut Dr.Llewellyn hatte der Mörder das Opfer von hinten gepackt, den Mund zugehalten und dann die Kehle mit einem scharfen Messer mit langer Klinge komplett durchgeschnitten. Anschließend schlitzte er ihr den Unterleib auf. Später griff die Presse die gefallenen Begriffe "langes Messer" und den in Tatortnähe liegenden Schlachthof auf, um dem Mörder den Spitznamen "Lederschürze" (engl.: Leather Apron) zu geben.

Coroner Baxter brachte in seiner Abschlussrede vor den Geschworenen der Leichenschau den Mord an Martha Tabram und diesen Mord in Verbindung und bezeichnete beide Taten als Taten von ein und derselben Person. Mary Ann Nichols wurde am 6.September beerdigt. Die Straße Buck's Row, in der der Mord geschah, nannte man ab jetzt Durward Street.
Nun wurde
Sir Charles Warren
die Londoner Presse aufmerksam und kritisierte den amtierenden Polizeichef der Metropolitan Police, Sir Charles Warren, die Police Constables und die Detectives der Kriminalabteilung CID (Central Investigation Department, das erst 1878 gegründet worden war) aufs schärfste. Der ehemalige General und Gouverneur, der keinerlei Erfahrung in der Polizeiarbeit hatte, war unglücklicherweise 1886 von Königin Viktoria zum Polizeichef ernannt worden. Sir Charles, der mehr an schmucke Uniformen als an Taktik und Ermittlungsarbeit interessiert war, zeigte schnell, dass er für die Kriminalabteilung nichts anderes als Verachtung übrighatte. So blieben die Detectives vom Scotland Yard schlecht ausgebildet und ausgerüstet und waren mit dem Mordfall Mary Ann Nichols schnell überfordert. Die Zeitungen wiederum beschrieben alle Tatumstände detailliert und veröffentlichten ganzseitige anatomische Illustrationen, die von den sensationsgierigen Lesern gierig aufgesogen wurden.

Am 8.September machte sich der Lastenträger John Davis, wohnhaft in der Hanbury Street 29, gegen 6 Uhr auf den Weg zum Markt. Auf dem Hinterhof stieß er auf die Leiche der 47-jährigen Annie Chapman, auch "Dark Annie" genannt. Sie lag in der Nische zwischen der Hoftreppe und dem Zaun des Nebenhauses auf dem Rücken,
Tatort Hanbury Street
den linken Arm auf der Brust und die Beine waren hochgezogen. Der Ripper hatte ihr den Unterleib aufgeschlitzt, die Eingeweide entfernt und samt eines Hautlappens des Bauchs neben die linke Schulter gelegt.
Der Tascheninhalt - einige Pennys und zwei billige Messingringe - lagen ordentlich vor den Füßen des Opfers aufgereiht.
Einige Minuten später wimmelte es auf dem Hinterhof nur so von Police Constables und Detectives der Kriminalabteilung in ihren typischen braunen Anzügen und Melonenhüten. Inspector Chandler ließ den Polizeiarzt Dr. George Phillips kommen, der nach kurzer Untersuchung der Leiche den Abtransport in die behelfsmäßige Leichenhalle in der Old Montague Street veranlasste.
Innerhalb kürzester Zeit versammelten sich mehrere hunderte Menschen vor den Haus Nr. 29. Die Anwohner der angrenzenden Häuser nahmen ein paar Pennys Eintritt, damit Neugierige von deren Fenster aus einen Blick auf den Tatort im Hinterhof werfen konnten.

Als Dr. Phillips 5 Stunden später in den als Leichenhalle umfunktionierten Schuppen ankam, musste er verärgert feststellen, dass auch dieses Opfer bereits ausgezogen und
Annie Chapman
gewaschen worden war. Er begann die Obduktion und bemerkte, dass der Mörder versucht hatte, den Nackenwirbel zu durchtrennen, was darauf schließen lässt, dass er sein Opfer enthaupten wollte. Scheinbar wurde Annie Chapman bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und verstarb durch den hohen Blutverlust.
Bei der anschließenden Coroner-Untersuchung am 10.September, unter der erneuten Leitung Wynne E.Baxters, sagte der Verwalter des Logierhauses in der Dorset Street, Timothy Donovan aus, dass er Annie Chapman in der Nacht zum 8.September aus der Küche verwiesen habe, da sie nicht über die notwendigen 8 Pennys für ein Doppelbett, dass sie immer für sich beanspruchte, verfüge. Dark Annie verließ gegen 1.45 Uhr das Logierhaus.
Gegen 4.45 Uhr kontrollierte der Lastenträger John Richardsson im Hinterhof der Hanbury Street 29 das Schloss der Kellertür, in der das Geschäft seiner Mutter lag. Ihm fiel nichts außergewöhnliches auf.
40 Minuten später ging der Zimmermann Albert Cadosch, der in der Hanbury Street 25 wohnte, zum Klosett, dass sich auf dem Hinterhof befand. Er hörte hinter dem nur 1,68 Meter hohen Trennzaun, der seinen von dem Hinterhof Nr.29 teilte, ein Handgemenge und die Stimme einer Frau, die das Wort "Nein" ausrief. Dann sei etwas Schweres gegen den Zaun gefallen. Er habe sich allerdings - noch schlaftrunkend - nicht weiter darum gekümmert.
Um 5.30 Uhr war Mrs Elisabeth Long auf dem Weg zum Spitalfield Markt, als sie eine Frau auf Höhe der Hanbury Street 29 bemerkte, die mit einem Mann sprach. Sie hörte, wie die Frau, die sie später als Annie Chapman identifizierte, zu dem Mann sagte: "Willst du ?". Dieser antwortet darauf mit "Ja". Der Mann habe einen Jägerhut getragen, sei um die 40 Jahre alt, eventuell Ausländer, schäbig gekleidet und recht klein gewesen. Allerdings wiedererkennen würde sie ihn wohl nicht.

Baxter stellte fest, dass entweder die Aussage von Albert Cardosch zeitlich nicht stimmen konnte oder Mrs Long sich geirrt habe. Im späten 19. Jahrhundert trugen die wenigsten Menschen Uhren. Sie orientierten sich an der Anzahl der Gongschläge der Kirchenglocken oder dem Stand der Sonne.
Bei der gerichtlichen Leichenschau unterbrach ein Geschworener Dr.Phillips bei seinen Ausführungen und fragte ihn, ob er schon die Augen des Opfers fotografiert habe. Zu der Zeit waren große Teile der Bevölkerung davon überzeugt, dass sich beim Eintritt des Todes, auf der Netzhaut das Bild des Mörders einbrennt. Der wissende Doktor verneinte die Frage.
In den folgenden Tagen ließen die Gerüchte und Berichte nicht nach. Durch die Presse angeheizt, brachen nun für Lederschürzenträger, wie Schumacher, Korkmacher oder Schlachter, schwere Zeiten an. Auch die Polizei ließ sich von der Hysterie anstecken und durchsuchte 200 Logierhäuser. Dabei wurden wahllos verdächtig aussehende Ausländer und Bettler verhaftet. Man schätzt die Zahl der Festgenommenen auf etwas 1000.
Auch die üblichen Spinner fanden jetzt ihre Bühne. Dazu gehörten Betrunkene, Prahler, Verrückte, die Andere bedrohten, Größenwahnsinnige, die sich selbst der Morde bezichtigen, usw.
Andere wiederum waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Wie zum Beispiel ein Deutscher, der auf dem Weg nach Amerika war und einen Zwischenstopp in East End eingelegt hatte. Scheinbar schaute er eine Frau einen Augenblick zu lange und zu intensiv an, so dass die - durch die Geschehnisse - nervös gewordene Frau ihn lauthals als den Ripper identifizierte. Sofort wurde der Deutsche von einer riesigen Menschenmenge umringt und bedrängt. Nur mit größter Mühe gelang es der Polizei den schockierten Deutschen zur nächsten Wache zu bringen, wo sich mit Hilfe eines Dolmetschers alles aufklärte.

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