Am Freitagvormittag, den 9.November 1888, schickte der Kerzenmacher und Mietshausbesitzer John McCathy seinen Gehilfen
Thomas Bowyer gegen 10.45 Uhr zum Miller's Court Nummer 13. Dieser sollte von Mary Jeanette Kelly die rückfällige Miete einkassieren. Als Bowyer vor der
verschlossenen Tür der ärmlichen Absteige stand und niemand öffnete, trat er an das rechte Fenster. Da eine Scheibe zerbrochen war,
griff er vorsichtig hindurch und schob den Vorhang zur Seite. Was er dann erblickte, ließ ihn dermaßen erschrecken, dass er laut schreiend zu seinem
Chef lief, und dieser wiederum dann die Polizei informierte.
Eine halbe Stunde später erschienen der Polizeiarzt Dr. Phillips und der herbeigerufene Inspector
Frederick G. Abberline am Tatort. Abberline telegrafierte seinem Chef Sir Charles Warren, der noch für einige Tage im Amt war, die Frage, ob am Tatort
die berühmten Bluthunde (engl.: Bloodhounds) zum Einsatz kommen sollten. Frederick Abberline
So warteten alle Anwesenden auf die Ankunft der Bluthunde Barnaby und Burgho und folgten Warrens Befehl, dass niemand den Tatort betreten durfte.
Um 13.30 Uhr traf Hauptinspector Arnold ein und widerrief Warrens Anordnung. Zunächst wurde von einem der beiden Fenster aus ein Foto des Tatortes ins
 Tatort Miller's CourtInnere des Zimmers gemacht. Erst dann öffnete
ein Constable mit einer Axt die Tür. Auf dem Bett lag die stark verstümmelte Leiche von Mary Jeanette Kelly. Der Ripper hatte ihr von dem einen Ohr bis
zu dem anderen die Kehle, bis auf die Wirbelsäule, durchtrennt. Die Nase und die Ohren waren abgeschnitten und das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschlitzt.
Die amputierten Brüste und die Leber lagen an der Seite des Betts, die Nieren lagen unter dem Kopf, die Milz lag links und die Gedärme rechts von der Leiche. Auf einem Tisch fand
Inspector Abberline Fleischfetzen des Bauches und der Oberschenkel. Das Herz nahm der Ripper scheinbar mit, da es nicht am Tatort gefunden wurde. Im Kamin lag ein großer
Haufen verbrannter Kleidungsstücke des Opfers. Hierbei handelte es sich um die Schmutzwäsche, die der Mörder verbrannte, um im Schein des Feuers sein blutiges Werk
vollenden zu können. Wie Abberline annahm, müssen die großen Flammen und die starke Hitze so nach außen gewirkt haben, als wenn das ganze Zimmer in Flammen gestanden hätte.
Doch weder die anderen Mieter, noch vorbei hastende Passanten schienen etwas bemerkt zu haben. Nach Schätzungen der Polizei hatte sich der Ripper ungefähr 2 Stunden Zeit für das
Blutbad genommen, bevor er dann eine Kommode vor die Tür schob und durch ein Fenster entkam.
In der Leichenhalle von Shoreditch
bemühten sich 6 erfahrene Gerichtsmediziner 7 Stunden lang die sterblichen Überreste von Mary Kelly wieder so herzustellen, dass der Anblick für die Geschworenen der gerichtlichen
Leichenschau einigermaßen erträglich war. Während die Polizei leugnete, das Körperorgane fehlten, widersprach die Zeitung "Times" energisch. Erwiesen ist, dass Mary Kelly in einem
frühen Stadium schwanger war. Allerdings ist unklar, ob der Fötus fehlte.
Am 11.November fand, unter der Leitung von Dr. Ronald McDonald, die Coroner-Untersuchung statt.
Mary Kelly unterschied sich wesentlich von den bisherigen Ripperopfern. Sie war vor 24 Jahren im irischen Limerick geboren worden, sah aufgrund ihres hübsches
Gesichtes gut aus und hatte eine schlanke Figur. Mary war 1884 aus Cardiff, wo sie bereits als Prostituierte gearbeitet hatte, eingewandert. Auch sie trank gerne Alkohol, was man ihr - aufgrund
ihrer Jugend - noch nicht ansah. Am Donnerstagabend sah die Prostituierte Mary Ann Cox gegen 23.45 Uhr, wie Mary Kelly in Begleitung eines Freiers, der ca. 38 Jahre alt war, ein
aufgedunsenes Gesicht hatte, einen dichten rötlichen Schnurrbart trug und einen Bierkrug in der Hand hielt, Richtung Miller's Court gehen. Beide verschwanden in Marys Zimmer.
Als Ms Cox gegen 1 Uhr zurückkehrte, um sich in ihrem Zimmer im Miller's Court die Hände zu wärmen, hörte sie "Black Mary", wie Mary Kelly auch genannt wurde, bierselig eine irische Ballade singen.
Um 3 Uhr kehrte Mary Ann Cox erneut zurück, um sich schlafen zu legen. In Mary Kellys Zimmer war es dunkel und alles ruhig.
Ein anderer Zeuge, der arbeitslose Nachtwächter
George Hutchinson, sah Mary Kelly noch um 2 Uhr morgens im Gespräch mit einen Mann. Dieser war wahrscheinlich Ausländer, ca. 35 Jahre alt, 1.70 m groß und mit einem pelzbesetzten Mantel, dunklem Filzhut
und Knöpfstiefeln mit Gamaschen bekleidet gewesen. Als beide an Hutchinson vorbeigingen, habe der Fremde den Kopf gesenkt und dann der Kelly einen Arm um die Hüfte gelegt. Beide seien vor dem
Miller's Court stehen geblieben. Die Kelly habe ihr Taschentuch vermisst, worauf der Unbekannte ein rotes Taschentuch hervorzog und damit lachend einen Torero imitierte. Dann seien sie in Marys
Zimmer gegangen. Inspector Abberline versuchte Hutchinson als Wichtigtuer zu entlarven, da er ihn für einen Lügner hielt. Wie konnte der vermeintliche Zeuge, bei dem schwachen Licht der Gaslaternen, das
Aussehen des Fremden und die Farbe des Taschentuchs so genau erkennen? Aber George Hutchinson blieb während der Vernehmung und auch bei der Coroner-Untersuchung bei seiner Aussage.
|