In den folgenden Tagen musste die Polizei auf den Straßen von East End verstärkt Präsenz zeigen, da es sonst zu mehreren Lynchmorden gekommen wäre. Nur langsam
legte sich die Hysterie in Ostlondon und schließlich, wie auf Kommando, verstummte auch die Presse. So als wenn der Ripper bereits gefasst wäre. In den folgenden Jahren wurden viele ungeklärte Morde und Leichenfunde in London und Umgebung
dem Ripper zugeschrieben. Doch weder Polizei noch Presse schienen dieser Meinung zu sein. 1891 schließlich schloss die Polizei die Ripper-Akten.
Bis zum heutigen Tag wird viel über die Identität
Jack the Rippers spekuliert und diskutiert. Einige Polizisten, die mehr oder weniger an den Ermittlungen der Ripper-Morde beteiligt waren, veröffentlichten Jahre später
Biografien und Memoiren mit ihren Spekulationen und Verdächtigen. Montague J.Druitt Inspector Abberline und einige andere Autoren verdächtigten den Polen und 3-fachen
Giftmörder Severin Klosowski alias George Chapman, der 1903 hingerichtet wurde. Zum großen Kreis der Verdächtigten gehörten u.a. der gescheiterte Londoner Rechtsanwalt Montague John Druitt, der Anfang November 1888 in der Themse Selbstmord
beging, sowie ein polnischer Jude namens Kosminski, der geisteskrank im Mai 1889 in einer psychiatrischen Klinik eingeliefert wurde und der russische, ebenfalls geisteskranke Arzt und Frauenhasser Michael Ostrog. Im Jahre 1939 machte ein
Grafiker seine Vermutung publik, dass der Ripper eine Frau gewesen sei und dachte sich sofort den neuen Alias "Jill the Ripper" aus. Nach einer anderen Theorie aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, soll der Herzog von Clarence
und der Arzt der Queen, Dr. Gull, gemeinsam die Morde begangen haben. Allerdings kann diese Behauptung angezweifelt werden, da Prinz "Eddy", der Sohn des späteren Königs, kränklich und geistig leicht debil war.
Dr. Gull wiederum hatte bereits zum Zeitpunkt der Morde das 71. Lebensjahr überschritten und litt an den Folgen eines Schlaganfalls. Diese Theorie ist als die "königliche Verschwörung" bekannt geworden.
I
m Mai 1991 erhielt ein Liverpooler Arbeiter James Maybrick von einem Freund zum Geburtstag ein altes Tagebuch geschenkt. Hierbei
soll es sich um das Tagebuch des Arsen und Strychnin abhängigen Baumwollhändlers James Maybrick handeln, indem er sich als Jack the Ripper outet. Maybrick verstarb im Mai 1889 an seiner gefährlichen Sucht. Doch
obwohl das Papier und die Tinte des Tagebuches alt sind, fehlt jeglicher Beweis der Echtheit. Woher der Freund des Arbeiters das Buch hatte, wurde seltsamerweise nicht geklärt. Der Freund verstarb im selben Jahr. 2001
veröffentliche die bekannte amerikanische Krimiautorin Patricia Cornwell ihr Buch "Portrait of a Killer: Jack the Ripper: Case closed" (deutsch.: Porträt eines Mörders: Jack the Ripper: Fall abgeschlossen). Mrs Cornwell
hatte sich - um jeden Preis - entschlossen, die wahre Identität Jack the Rippers zu ermitteln. Walter R.Sickert Sie investierte über 4 Millionen
Dollar für Nachforschungen und den Ankauf von Besitztümern ihres Verdächtigen, den deutschstämmigen impressionistischen Maler und Exzentriker Walter Richard Sickert. Sie erwarb, neben 32 Kunstwerken des Malers, seinen
Schreibtisch und die Staffelei. Auch schreckte Mrs Cornwell nicht davor zurück, ein 70 000 Dollar-Bild des Künstlers zu zerschneiden. Doch ihre Hoffnung auf DNA-fähiges Material zu stoßen, war vergeblich. Diese Aktion löste in der
Künstlerszene einen Aufschrei der Empörung aus und brachte ihr den Spitznamen "Patricia, the Ripper" ein. In dem - ausschließlich auf nicht nachweisbaren Vermutungen - bestehenden Buch muss sie zugeben, dass ihr nicht einmal bekannt ist, wo sich
Sickert während der Ripper-Morde aufhielt. Ihre Kritiker behaupten, Sickert war im Herbst 1888 zu Besuch bei Freunden in Frankreich. Der Titel der deutschen Ausgabe des Buches wurde wohl wissentlich entschärft.
Er lautet:"Wer war Jack the Ripper? Porträt eines Killer".
Die geheimnisvolle Aura der Whitechapel-Morde hat immer wieder die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten
Auffassungen dazu inspiriert, unzählige Bücher, Biografien, Filme, Theateraufführungen und Opern zu verfassen. So gibt zum Beispiel im Londoner Stadtteil East End den sogenannte Jack the Ripper-Walk, eine Führung zu den
Schauplätzen der Morde. Außerdem kann man dort auch Ripper-Souvenirs und verschiedene Geschenkartikel erwerben. In Amerika existiert sogar eine monatlich erscheinende Zeitschrift namens "Rippertologist", und selbsternannte
Experten, als auch Interessierte, treffen sich auf Events, um sich auszutauschen. Der "wahre" Jack the Ripper hätte wohl niemals gedacht, dass er mit seinen Taten so nachhaltig in die Kriminalgeschichte und in den Köpfen der Menschen
eingehen würde. Seine wahre Identität jedoch nahm er mit ins Grab . . .
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