Thomas Rung
- Totmachen und weg -
 Name:Rung
 
Vorname:Thomas
Spitzname:-
Alias:-
Geboren:3.Januar 1961
Gestorben:-
Tätertyp:Sexualmörder / Bedarfsmörder
Motiv:Sexueller Trieb in Verbindung
mit Habgier
Opfer
- Ermordet:
- Verletzt:
16
  6 Frauen / 1 Mann
  5 Frauen / 4 Männer
Tatorte:Berlin
Land:Deutschland
Tatzeitraum:13.Oktober 1983 - 28.Februar 1995
Urteil:2 x Lebenslänglich
mit anschließender Sicherheitsverwahrung
 

A

ls am 28. Februar 1995 gegen 14.35 Uhr 3 Beamte der Kriminalpolizei Direktion 7 auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Berlin/Wittenau den stark alkoholisierten auf einer Parkbank schlafenden Thomas Rung festnahmen, konnten sie nicht ahnen, wer ihnen da ins Netz gegangen war.
Erst am 2.März legte der inzwischen ausgenüchterte Rung ein Teilgeständnis ab. Er gab an, erst ein volles Geständnis abzulegen, wenn er mit den Medien Verträge über Exklusivinterviews abgeschlossen habe. Schließlich müsse seine Zukunft finanziell abgesichert sein, so Rung.

14 Tage später erschien in der Illustrierte "Stern" (Ausgabe 12/95 "Ich gestehe") seine kriminelle Vergangenheit. Auch mit dem Privatsender RTL kam Rung ins Geschäft und gab ihnen in der Untersuchungshaft ein Interview.
Insgesamt 3 Wochen dauerte die Vernehmung Thomas Rungs durch Beamte der 5.Mordkommission um sein durch menschliche Kälte und zügelloser Maßlosigkeit geprägte Leben zu rekonstruieren.

Thomas Rung wurde 1961 als sechstes Kind
Familie Rung
ohne Mutter
des brutalen Alkoholikers Karl Rung und dessen Ehefrau Elfriede geboren. Im September 1963 verließ seine Mutter mit ihrer neue Liebe, Karls Sohn aus erster Ehe, ihren Mann und die sieben Kinder. Nun ließ der Vater seine Wut an den Kindern aus. Besonders der kleine Thomas war das Ziel der brutalen Ausraster seines Vaters. Immer mehr verschloss sich Thomas gegenüber seiner Umwelt. Auch die neue Lebensgefährtin des Vaters mochte ihn nicht. Sie erzählte am Abend dem heimkehrenden Karl all die Dummheiten, die Thomas tagsüber begangen hatte. Dann bezog Thomas die übliche Tracht Prügel.
Wenn er die Schule schwänzte, wurde ihm der Kopf geschoren und anschließend gab es Schläge mit einem gummiüberzogenen Knüppel. Als der 14-jährige Thomas bei Laden- und Fahrraddiebstählen erwischt wurde, drohte ihm sein Vater mit den Worten "Ich schlag dich tot, du Schwein".
Weder die Geschwister noch die Lebensgefährtin des Vaters halfen Thomas. Angesichts dieser moralischen Einsamkeit wurden alle Gefühle in ihm vernichtet.

In der Schule kam Thomas von Anfang an nicht mit. Er zeigte kein Interesse und blieb in der Klasse ein Außenseiter. Nach 5 Jahren Grundschule wechselte er auf eine Sonderschule.
1975 erhielt Thomas eine dreitägige Arreststrafe, weil er einem anderen Kind bei voller Fahrt ins Hinterrad des Fahrrads getreten hatte und sich das Kind beim Sturz verletzte. Doch bereits jetzt machte Thomas die Strafe nichts aus und Mitleid mit seinem Opfer kannte er sowieso nicht.
Nach Beendigung der achten Klasse verließ er ohne Abschluss die Schule und fand als Autoverwerter einen Job auf einem Schrottplatz. Er wohnte zu der Zeit im Haus des Schrotthändlers während sein Vater mit der restlichen Familie in ein Dorf nach Niedersachsen zog. Bei einem seiner seltenen Besuche machte Thomas einen entscheidenden Fehler: Er bliebt bei der Familie und brach in Berlin alle Zelte ab.

Im Februar 1977 klaute er bei einem Bauern ein Gewehr und tauchte für mehrere Tage unter. Sein sonst so brutaler Vater merkte jetzt, dass er seinen so verhassten Sohn nicht mehr im Griff hatte. Thomas wurde vor Gericht wegen "Diebstahls einer Schusswaffe" und "Unerlaubtes Führen einer Schusswaffe" zu Sozialarbeit verurteilt.
Im Sommer desselben Jahres verließ Thomas Rung ohne Personalpapiere und Geld das Dorf Richtung Berlin. Dort fand er zunächst bei einem Freund seines Bruders einen Unterschlupf. Mit dem Bruder seines Gastgebers entschloss sich Thomas zu einem Handtaschenraub.

Am 19.Juli 1977 überfielen beide eine ältere Frau. Rung näherte sich der Seniorin von hinten und entriss ihr die Handtasche, während der Kumpel "Schmiere" stand.
Von dem Erfolg der Tat beflügelt, entschlossen sich beide sofort einen weiteren Überfall zu begehen. Einige Straßen weiter wurde eine andere ältere Dame ihr Opfer. Sie zog sich beim Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zu.
Eine Polizeistreife konnte den flüchtenden Rung mit gezogenen Dienstwaffen festnehmen. Auch der Komplize wurde später verhaftet. Dieser konnte das Gericht von seiner "Unschuld" überzeugen ("... auf einmal stand Thomas mit einer Handtasche vor mir ..." [sic!] ) und erhielt ein Jahr zu Bewährung.
Thomas Rung wurde im Oktober 1977 wegen Raub in Tateinheit mit Körperverletzung zu 2 Jahren ohne Bewährung verurteilt.

Quellennachweis:
© KM (Bild 1)
© Berliner Zeitung (Bild 2)

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