Bereits im November 1978 wurde er vorzeitig entlassen und versuchte zunächst bei seiner Familie in Niedersachsen unterzukommen. Doch besonders die Lebensgefährtin des Vaters zeigte ihm demonstrativ ihre
Abneigung. So zog Thomas wieder nach Berlin. Hier hielt er sich oft in einer Weddinger Kneipe auf, in der seine Schwester Martha kellnerte und ihrem Bruder
das eine oder andere Bier oder auch hochprozentige Getränk kostenlos servierte. Dort kam es auch zu einem Zwischenfall, der bereits zu dem Zeitpunkt einen
Hinweis auf seine späteren Taten war. Rung zog einer betrunkenen Frau den Rock und Slip herunter und wollte sie sexuell missbrauchen. Doch die Frau wehrte
sich erfolgreich und erstattete Anzeige, die aber im Nichts verlief. Als Thomas Rung mit einem Bekannten in ein Tabakgeschäft einbrach und beide - stark
alkoholisiert - den Lieferwagen des Geschäftes zum Abtransport des Diebesgut nutzten, wurde eine Polizeistreife auf sie aufmerksam. Während der Bekannte entkam,
wurde Rung erneut festgenommen und am 9.Juli 1979 zu 14 Monaten Haft verurteilt. Im Gefängnis absolvierte Rung einen sechsmonatigen Kurs im Malergewerbe,
den er immerhin mit der Note 4 abschloss.
Im Februar 1980 wurde der inzwischen 19-jährige entlassen und fand kurzfristig eine
Arbeit als Gebäudereiniger. Doch 2 Monate später verlor er den Job und landete in einer Drückerkolonne in Dortmund. Als er nicht genügend Zeitschriftenabos abschloss,
verlangte der Kolonnenführer Rungs Ausweis und drohte ihm Schläge an. Endlich erkannte Thomas Rung seine Lage und floh in der folgenden Nacht nach Westberlin.
Auf der Rückfahrt lernte er einen sechs Jahre älteren Heroinabhängigen kennen und beging mit ihm in Berlin eine Reihe von Einbrüchen. Bei einem dieser Einbrüche konnte die
Polizei Fingerabdrücke von Rung sicherstellen. Am 14. Juli 1981 wurde Rung am damaligen Grenzübergang Helmstedt festgenommen und zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt.
Nach 26 Monaten wurde Rung im August 1983 vorzeitig entlassen. Er hatte von dem Gefängnis die Nase voll und schwor sich, nie wieder in den "Knast zu wandern".
 Melanie Scharnow Sein neues Motto lautete:"Totmachen und weg". Denn nur ein toter
Zeuge ist ein ungefährlicher Zeuge. Kurzfristig fand "Pinocchio", wie Rung aufgrund seiner langen Nase im Gefängnis genannt wurde, einen Job bei einem Autoverwerter.
Doch schnell schmiss er, wegen Problemen bei der Lohnauszahlung, die Arbeit hin. Dabei entwickelte er einen dermaßen stark ausgeprägten Hass auf seinen Chef, dass er im
September 1983 das Büro des Schrottplatzes anzündete. Zur gleichen Zeit besorgte ihm seine Schwester Gabriele eine Wohnung in der Silbersteinstraße. Am 13.Oktober klingelte
der angetrunkene Thomas Rung gegen 18 Uhr an der Wohnungstür seiner vermögenden Vermieterin Melanie Scharnow. Er hatte einen Beutel mit Reizwäsche dabei. Von Anfang an war es sein Plan,
die alte Dame zu töten und dann sexuell zu missbrauchen.
Arglos ließ die 77-jährige ihren Mieter in die Wohnung. Sofort griff Rung sein
Opfer an und erwürgte es im Wohnzimmer. Anschließend brachte er die Leiche ins Schlafzimmer und entkleidete sie. Doch dann bezweifelte er sein Vorhaben und er ließ von der Leiche ab.
Stattdessen streifte er sich seine Socken über die Hände, um Fingerabdrücke zu vermeiden und durchsuchte die Wohnung. Mit 80 DM in der Tasche verließ er anschließend den Tatort.
Es schien Rung nicht das Geringste auszumachen, dass er weiterhin in dem selben Haus lebte, in dem sein totes Opfer in ihrer Wohnung lag. Erst 6 Tage später
wurde Melanie Scharnow von ihrer besorgten Nichte gefunden. Thomas Rung wurde, als Mieter und Nachbar, von den Beamten der 5. Mordkommission als Zeuge befragt. Doch die Polizisten
hatten bereits zu dem Zeitpunkt einen anderen Mieter im Visier: den 20-jährigen, spielsüchtigen Michael M. . Bei der Durchsuchung der Wohnung des Opfers fanden die Beamten einen
Brief von der Vermieterin an Michael M., in dem sie ihn aufforderte, umgehend die Mietschulden und weitere Geldleihgaben zu begleichen. Zunächst wurde M. ebenfalls nur als Zeuge befragt,
bis ein Bekannter zu Protokoll gab, dass Michael M. seit Tagen stark depressiv sei. Außerdem habe ihm M. erzählt, dass er bei einer älteren Frau zu Besuch war und diese im Streit
geschlagen habe. Daraufhin musste M. die Wohnung der Dame verlassen.Quellennachweis: © Berliner Zeitung (Bild 1) |