Erst am 5.Dezember 1983 entdeckten Arbeiter der Baufirma die Leiche. Ihr hatte jemand den Rock hochgeschlagen und den Schlüpfer heruntergezogen.
Drei Tage später trafen Polizeibeamte auf den Gelände der Baufirma zufällig auf eine Gruppe von 10 und 11-jährigen Schulkindern. Alle Kinder wurden hinsichtlich der Tat vernommen,
doch erst bei der zweiten Vernehmung rückten zwei Kinder mit der Wahrheit raus. Bereits am 1.Dezember hatten die Kinder die Leiche der Seniorin gefunden und sie zum späteren Auffindeort
gezogen. Dann zogen sie ihr den Schlüpfer herunter, so dass die Polizei später von einer Sexualtat ausging. Außerdem nahmen sie den Schwerbehindertenausweis und die Wohnungsschlüssel
der Toten mit.
Die geschockten Polizisten wunderten sich nicht über die menschliche Kälte und Gleichgültigkeit der Kinder, als sie deren Eltern aufsuchten. Einer der Väter
lachte nur, und auch die Mutter schien von dem Handeln ihres Kindes nicht sonderlich beeindruckt. Nun ging die Polizei nicht mehr von einem Kapitalverbrechen aus, sondern von einem tödlichen Sturz einer
verwirrten alten Dame und schloss die Akte Frieda Krämer. Wieder einmal entging Thomas Rung, durch Verkettung unglücklicher Zufälle, der Justiz. Er ärgerte sich maßlos, als er in der Zeitung las, dass in
der Wohnung der Seniorin 11 000 DM lagen und er nicht die Wohnung aufgesucht hatte.
Im Mordfall Susanne Matthes geriet nun der 27-jährige psychisch kranke
Christian S. unter Tatverdacht. Sein Betreuer erzählte der Polizei, dass S. nur 700 Meter von dem Tatort entfernt wohnte und seit der Tatnacht psychisch erregt sei. Auf einer Hose von S. entdeckte man
Blutspuren der Gruppe 0. Auch Susanne Matthes hatte diese Blutgruppe! Doch 1983 gab es noch keine DNA-Analysen, so dass keine weitere Spezifikation vorgenommen werden konnte. Christian S.
hatte Blutgruppe A und behauptete, sich am kaputten Fenster seiner Wohnzimmertür verletzt zu haben. Am 14.Dezember war Thomas Rung wieder einmal pleite und ließ sich von einen Taxi zum
Hallensee fahren. Dort hielt er dem Taxifahrer eine Gaspistole an den Kopf, raubte die Tageseinnahme von 400 DM und schoss dem Fahrer ins Gesicht. Dieser liess sich aus dem Taxi fallen, bevor
Rung mit dem Wagen auf den zugefrorenen See fuhr, wo das Fahrzeug auf dem dünnen Eis einbrach. Rung entkam unerkannt.
In den frühen Morgenstunden des
Heiligabend 1983, gegen 5.30 Uhr, war Rung Josefine Grosser nach einer ausgiebigen Sauftour in Berlin/Neukölln unterwegs.
In der Nähe des Schifffahrtskanals sah er die 62-jährige Putzfrau Josefine Grosser, die auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle war. Rung packte sie von hinten und vergewaltigte sie an der Uferböschung.
Danach würgte er die Österreicherin bis zur Bewusstlosigkeit und zog sie dann zum Kanal. Dort schob er den Oberkörper seines Opfers ins Wasser und hielt die Beine fest, damit sein Opfer keine
Möglichkeit hatte, Luft zu holen. Als er sicher war, dass sie nicht mehr lebte, schob er auch ihre Beine ins Wasser und entfernte sich von dem Tatort. Gegen 9.30 Uhr wurde die im Fluss treibende Leiche
von einer Passantin entdeckt.
Um 6.30 Uhr betrat Thomas Rung einen Zeitungskiosk in der Sonnenallee. Er fiel sofort die 30-jährige
Besitzerin an und würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit. Dann vergewaltigte er sie. In der Wohnung über dem Kiosk wurde ein Nachbar durch die lauten Geräusche, die vom Laden kamen, aufmerksam.
Er alarmierte die Polizei und ging dann in den Kiosk. Der überraschte Rung war allerdings stärker als der Helfer und konnte, nach einem kurzen Gerangel, fliehen. Die Presse sah in den Fällen Susanne
Matthes, Josefine Grosser und der Vergewaltigung der Kioskbesitzerin gewisse Parallelen und spekulierte über einen Sexualserienmörder. Als Rung in der Zeitung las, dass an zwei
Tatorten Abdrücke von Sportschuhen der Marke adidas Größe 11,5 gefunden wurden, und der Nachbar der Kioskbesitzerin eine gute Beschreibung von den Täter geben kann, entsorgte er seine Schuhe, nahm
seinen Bart ab und ließ sich einen Bürstenhaarschnitt schneiden.Quellennachweis: © Berliner Zeitung (Bild 1) |