Auch in den ersten Monaten des Jahres 1984 beging Thomas Rung eine Reihe von
Straftaten. Er überfiel u.a. eine Taxifahrerin, schlug einen alten Mann zusammen, um in dessen Wohnung zu gelangen und brach in mehrere
Geschäfte ein. Am 14.März wurde der, im Mordfall Melanie Scharnow, angeklagte Michael M. wegen Mordes in Tateinheit mit schwerem Raub zu 8 Jahren
Jugendarrest verurteilt. Ende März wurde es für Rung in Berlin zu "heiß". Er floh zu einem Bekannten in ein Dorf in der Nähe von Helmstedt.
Dort wollte Rung eine Autowerkstatt eröffnen. Da er allerdings nicht über genügend Kapital verfügte, brach Rung mit 2 Komplizen in einem
Nachbardorf in eine andere Werkstatt ein und stahl das benötigte Werkzeug samt der Kasse. Schon nach kurzer Zeit tauchte die Polizei bei
Thomas Rung auf, doch dieser hat sich bereits wieder nach Westberlin abgesetzt.
In der Nacht zum 14.Juni 1984 blieb
eine 25-jährige Frau mit ihrem VW Käfer liegen. Schnell näherte sich Thomas Rung der Frau und bot ihr zunächst Hilfe an. Dann fiel er sie an,
vergewaltigte die junge Frau in ihrem Wagen und raubte die Handtasche mit 300 DM. Anschließend tauchte er bei einem Bekannten unter. Am 1.September vergewaltigte
Rung in Berlin/Willmersdorf eine weitere Frau. Mitte September wollte er mit einem Saufkumpan 3000 DM verprassen, die er bei einem Kiosküberfall
erbeutet hatte. Als beide mit einem Taxi nach Hause fuhren, wollten die stark alkoholisierten Fahrgäste nicht zahlen. Der Taxifahrer
rief schnell einen in der Nähe stehenden Polizeiwagen herbei. Und wieder einmal hatte Thomas Rung Glück. Zunächst drohte er einen der Polizisten Schläge an,
doch dann wurde er friedlich und gab den Beamten die Personalien seines älteren Bruders an, ohne das jemand einen Verdacht schöpfte. Als er auf der
Polizeiwache die Rückgabe seiner Sachen quittieren musste, unterschrieb er aus Versehen mit "Thomas Rung". Auch dass fiel keinen der Beamten auf.
Am 5 Oktober 1984 wurde Rung nach einem missglückten Einbruch in einen Zeitungskiosk festgenommen.
 Polizeifoto (1984) Anfang April des darauf folgenden Jahres wurde er wegen einer Vielzahl
von Einzeldelikten zu 4 Jahren und 4 Monaten verurteilt. Dieses Mal musste Thomas Rung die komplette Strafe absitzen. Noch immer ahnte die Justiz nicht,
dass sie es mit einem mehrfachen Mörder zu tun hatte. Im Mordfall Susanne Matthes hingegen wurde der Tatverdächtige Christian S. aus Mangel an Beweise am
9.Mai 1985 freigesprochen. Thomas Rung wurde am 17.Oktober 1989 entlassen. Vorerst kam er bei seiner jüngeren Schwester unter
und arbeitete ein paar Tage bei einer Baufirma. Als im November die Mauer fiel, erkundete Rung in der noch existierenden DDR neue Gebiete für seine Straftaten
aus.
Am 4.Januar 1990 verfolgte er in Hohenschönhausen, kurz nach Mitternacht, eine Frau und versuchte sie zu vergewaltigen. Doch Bewohner
eines naheliegenden Hauses konnten den Betrunkenen bis zum Eintreffen der Volkspolizei (Polizei der damaligen DDR) festhalten. Zwei Monate später wurde Thomas Rung wegen
vorsätzlicher Körperverletzung zu einen Jahr Haft verurteilt. Doch bereits Ende August wurde er wieder entlassen. Nun erkundete Rung per Fahrrad Berlin/Mitte aus. Er suchte
in dem damaligen Sanierungsgebiet Marienstraße potenzielle Opfer. So beobachtete Thomas Rung, dass im Haus Nr.8 nur noch eine alleinstehende Frau in der obersten
Etage wohnte. Irgendwann zwischen den 12. und 29. September klopfte er gegen 18 Uhr an deren Wohnungstür. Er verwickelte die Mieterin Helga Klinner in ein Gespräch
und fiel sie von hinten an, als sie kurz das Essen vom Herd nehmen wollte. Rung vergewaltigte die 58-Jährige und zwang sie dann in die Badewanne mit kaltem Wasser
zu steigen. Ihr Flehen, sie doch bitte leben zu lassen, ließ Rung kalt. Er drückte ihren Kopf unter Wasser bis sie tot war. Erst am 16.Oktober wurde die
inzwischen stark aufgedunsene und von Maden übersäte Leiche entdeckt. Die Kriminalpolizei gingen von einem Unfall aus, da scheinbar kein Anzeichen für ein Verbrechen
vorlagen. Frau Klinner sei wohl beim Wäscheaufhängen unglücklich gestürzt und daran verstorben. Auch Rungs fünfter Mord blieb für ihn - zunächst - ohne Folgen.
Jetzt nahm Thomas Rung wieder Kontakt mit seiner verhassten Stiefmutter auf. Sein Vater war bereits 1986 gestorben. Mit deren Sohn Eckhard aus
ersten Ehe und dessen Familie freundete sich Rung an. Besonders die jüngere Tochter Christine, selbst 2-fache Mutter, hatte es Rung angetan. Bereits Ende Oktober 1990
zog er bei der 27-Jährigen ein. Aber auch diese Beziehung hielt Thomas Rung nicht davon ab, weiterhin Straftaten zu begehen und fast jeden Tag zu trinken. So brach er
mehrmals in einen Supermarkt ein und hatte wieder einmal Glück. Als mehrere Polizeistreifen den Supermarkt durchsuchten, versteckte sich Rung in einem Umkleidespind und
blieb unentdeckt. Am 20.Juli 1991 wurde Thomas Rung Vater eines Jungen. Zunächst ging er, mehr oder weniger, regelmäßig arbeiten, doch lange hielt er es nie auf einer
Arbeitsstelle aus.Quellennachweis: © Berliner Zeitung (Bild 1) |