Ted Bundy
- Der Wolf im Schafspelz -
Gleichzeitig versuchte die Staatsanwaltschaft, die Beweislage im Fall der Chi Omega-Morde zu festigen. So wurde von
Carole Anne Boone
Ted Bundy ein Gebissabdruck angefertigt, um ihn von einem Ontologen (Zahnmediziner) mit den Biss-Spuren in Lisa Levys Gesäß vergleichen zu lassen.
Teds Freundin Liz hatte sich nun endgültig von ihm abgewandt. Doch in Carole Anne Boone fand der immer noch bei Frauen beliebte Bundy schnell einen "Ersatz".

Dr. Souviron vor Gericht
Ende Mai 1979 wurde die Gerichtsverhandlung im Fall der Chi Omega-Morde ins Date County nach Miami verlegt. So wollte man eine gewisse Unvoreingenommenheit der Geschworenen gegen Ted Bundy erhalten. Doch bei Bundys Bekanntheitsgrad war dass wohl kaum zu realisieren.
Am 3.Juli schließlich wurde die Verhandlung eröffnet. Bundys 4 Verteidiger hatten nichts gegen die Aussage und eindeutige Identifizierung von Nita Neary entgegenzusetzen. Der Ontologe Dr. Richard Souviron konnte den Geschworenen genau veranschaulichen, dass die Biss-Spuren in Lisa Levys Gesäß mit dem Gebiss von Ted Bundy übereinstimmten. Nach den Schlussplädoyers zogen sich die 12 Geschworenen (7 Männer und 5 Frauen) am 23.Juli um 15 Uhr zur Beratung zurück.

Um 21.20 Uhr, knapp 7 Stunden später, wurden alle Beteiligten in den Gerichtssaal gerufen. Die Geschworenen hatten ihr Urteil gefällt: Schuldig!
Ted Bundy zeigte keine Reaktion, man hörte nur das Schluchzen seiner Mutter Eleanor, die von Carole Anne Boone getröstet wurde.
5 Tage später sprach der Richter das Strafmaß - die Hinrichtung auf den elektrischen Stuhl. Sofort wollte Ted Bundy Revision einlegen, um sich in einen neu angesetzten Prozess selbst zu verteidigen. Doch eine mögliche Revision wurde eine Woche später abgelehnt.

Am 7.Januar 1980 eröffnete der vorsitzende Richter, dieses Mal im Orange County in Orlando/Florida, die Gerichtsverhandlung im Fall der Entführung und Ermordung von Kimberly Leach.
Von dieser zweiten
Interview mit einem Serienkiller
Verhandlung nahm die Öffentlichkeit kaum noch Notiz. Waren die vordersten Sitzreihen im Gerichtssaal während des ersten Prozesses in Miami noch von auffallend jungen hübschen Frauen besetzt gewesen, die Ted Bundy schmachtende Blicke zuwarfen, so saßen dort jetzt nur noch Carole Anne Boone und die üblichen Gerichtsjunkies. Denn egal wie das Urteil ausfallen würde, Ted Bundy hatte schon die Todesstrafe erhalten.
Während der Verhandlung kam es zu einen nennenswerten Zwischenfall: Bundy sprang von seinem Stuhl auf und drehte sich zu den Geschworenen und schrie erbost:" Ich mache bei diesem Spiel nicht mehr mit! Ich bleibe bei diesen Waterloo (Gemeint ist die Niederlage Napoleons bei der belgischen Ortschaft Waterloo. Anmerk. des Autors) nicht hier! Ted Bundy wandte sich an den Staatsanwalt und brüllte ihn an, ob er eine Zirkusveranstaltung haben wolle; die könne er haben. Dann ging er in Richtung Gerichtssaaltür.
Dort versperrte ihm sofort ein Gerichtsdiener den Weg. Ted Bundy zog langsam seine Jacke aus, und man erwartete einen Angriff. Erst nach mehrmaliger Aufforderung des Richters ging er schweigend zu seinem Stuhl zurück.

Natürlich
Bundys Reaktion auf
die 2.Verurteilung
wusste Bundy, dass er auch in diesen zweiten Prozess schuldig gesprochen würde. So wettete er mit seinen beiden Verteidigern, wie viel Zeit die Geschworenen benötigen würden, um ihn zu verurteilen.
Am 9.Februar 1980 wurde Ted Bundy, nachdem die Jury 7,5 Stunden beraten hatte, der Entführung und Ermordung der 12-jährigen Kimberly Diane Leach für schuldig befunden. Dann verkam die Verhandlung im Gerichtssaal zur Soap Opera, als Bundy seiner Freundin Carole Anne Boone einen Heiratsantrag stellte.
Der Staatsanwalt vermählte dort das Paar!
3 Tage später wurde Ted Bundy erneut zum Tode durch den elektrischen Stuhl im Staatsgefängnis von Starke/Florida verurteilt. Zu der Zeit bekam Liz Kloepfer einen letzten Brief von Ted Bundy, von dem sie sich schon lange abgewendet hatte.
Auch so war Bundy in seiner Zelle viel beschäftigt. Er wollte schnellstmöglich, bevor sein Hinrichtungstermin festgesetzt wurde, eine Wiederaufnahme des Verfahrens im Fall der Chi Omega-Morde erreichen. Doch im Oktober 1982 lehnte die 6.Strafkammer des obersten Gerichtshofs von Florida Bundys Antrag ab.
( Weitere Fotos von den Verhandlungen siehe  hier )

Währenddessen war Bundys Ehefrau Carole Anne in die Nähe des Staatsgefängnisses gezogen, um ihn so oft wie möglich besuchen zu können. In ihrer neuen Heimat brachte sie die gemeinsame Tochter Rose zur Welt. Natürlich fragten sich vor allen Dingen die Journalisten, wie es möglich war, dass Ted Bundy in der Haft ein Kind zeugen konnte.
Man munkelte, dass alle Häftlinge Geld zusammenwarfen, einer von ihnen ausgelost wurde, und der Glückliche dann mit der Freundin oder Frau im Toilettenraum des Besuchertrakts Sex hatte. Der bestochene Gefangenenwärter schaute solange dezent in die andere Richtung. Scheinbar hatte Ted Bundy dieses Mal "Glück im Spiel" gehabt!

Dann wurde es ruhig um Bundy. Erst im Sommer 1984 machte er wieder Schlagzeilen, als man bei einer routinemäßigen Zellenkontrolle in einem Versteck mehrere Sägeblätter fand. Wer ihm die Blätter eingeschmuggelt hatte, blieb unklar. Bundys Besucher wurde nun verschärfter kontrolliert.
Am 9.Mai 1985 lehnte der oberste Gerichtshof von Florida auch die Wiederaufnahme im Fall Kimberly Leach ab. 6 Jahre nach der zweiten Verurteilung, am 9.Februar 1986, wurde der Hinrichtungstermin auf den 4.März festgesetzt. Doch Bundys neuen Verteidigerin Polly Nelson gelang es, 7 Tage vor dem Termin einen Aufschub bis zum 11.April zu erwirken.
Kurze Zeit später wurde der neue Hinrichtungstermin auf den 2.Juli angesetzt. Erneut hatte Ted Bundy es dem Geschick von Polly Nelson zu verdanken, dass das 11.Berufungsgericht in Atlanta einen erneuten Aufschub wegen eines möglichen Verfahrensfehlers im Fall der Chi Omega-Morde gewährte und Bundy nur wenige Stunden vor seiner Exekution die Zelle neben der Hinrichtungskammer wieder verlassen konnte.

Aber Bundy war zu intelligent, um zu glauben, dass dieses Hin und Her immer so weiter gehen würde. Er verfolgte eine andere Strategie und bot dem Detective Robert Keppel seine Hilfe bei den Ermittlungen gegen den "Green River Killer", der im Großraum Seattle Prostituierte tötete, an. Bundy konnte Keppel eigentlich nicht helfen, erhoffte aber durch dieses Manöver mehr Zeit zu gewinnen.
Ende Oktober 1986 wurde der dritte Hinrichtungstermin auf den 18.November festgelegt.

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