Ted Bundy
- Der Wolf im Schafspelz -
Dem Detective Robert "Bob" Keppel aus Seattle wurden 2 Interview-Termine zugesprochen.
Den ersten am Freitag,
Georgeann Hawkins
den 21. Januar 1989 um 11 Uhr und den zweiten am Sonntag, den 23. Januar gegen 17.30 Uhr. Keppel hatte zwei Mal 45 Minuten Zeit, so viel Informationen wie möglich zu den Morden in dem Bundesstaat Washington von Ted Bundy zu erfahren.
Doch am ersten Termin hielt Bundys Anwältin, Polly Nelson, den Detective so lange auf - sie versuchte vergeblich Keppel dazu zu überreden, dass er sich für eine Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe einsetzte - dass dem Polizisten nur noch knappe 15 Minuten Zeit blieben.
Ted Bundy gestand, dass die nicht identifizierten Knochenfunde am Taylor Mountain die Überreste der am 12.März 1974 verschwundenen Donna Manson waren. Außerdem habe er an der Stelle, an der er Denise Naslund und Janice Ott halb verscharrte, auch die Überreste von Georgeann Hawkins hinterlassen. Dann wären dort wohl noch drei weitere Opfer vergraben. Doch bevor Keppel nachfragen konnte, war seine Interview-Zeit abgelaufen.

Bei dem zweiten Interview am Abend vor der Hinrichtung, saß Detective Keppel ein erschöpfter Ted Bundy gegenüber, der seit Tagen nicht geschlafen hatte.
Hier ein Ausschnitt aus dem Interview:
 
[. . .]
Bundy:Ich war äähhhm - gegen Mitternacht an dem Tag (Nacht auf den 11.Juli 1974) auf einem schmalen Weg in der Nähe der Studentinnen-Wohnheime. Dort war eine Kirche ... glaube ich. Ich ging auf Krücken, mit dem Aktenkoffer in der einen Hand, in Richtung des ersten Wohnheimes, als mir eine junge Frau entgegenkam. Ich bat sie, den Aktenkoffer zum meinem Wagen zu tragen. So überquerten wir die Straße und gingen in Richtung Parkplatz.
Ahhmm - dort schlug ich sie mit der Brechstange bewusstlos.
Keppel:Wo hatten sie die Brechstange versteckt?
Bundy: Außerhalb des Wagens. An der Rückseite.
Keppel:Hat sie die Brechstange gesehen?
Bundy:Nein. Dort lag ein Paar Handschellen. Ich fesselte sie damit und schleppte sie auf den Fahrersitz, ehhh ich meine Beifahrersitz. Dann fuhr ich weg.
Keppel: Lebte sie noch oder war sie bereits tot?
Bundy:Sie war ziemlich ... sie war bewusstlos, aber sehr lebendig.

Dann beschreibt Ted Bundy den Weg, den er mit Georgeann Hawkins in seinem VW Käfer in die Berge nahm, um dann an einer Wiese anzuhalten.

Bundy:

Ich nahm ihr die Handschellen ab und zog sie aus dem Lieferwagen.
Keppel:Lieferwagen ?
Bundy:Nein, es war ein Volkswagen.
Keppel: Sie haben Lieferwagen gesagt!
Bundy:Entschuldigung, aber es war ein Volkswagen.
Nun kommt der wahrscheinlich schwierigsten Teil. Ich will darüber sprechen, aber es ist nun ... äähhhm ich hoffe, sie verstehen mich - es fällt mir nicht leicht, so einfach darüber zu erzählen. Nach so einer langen Zeit.

Man hört Ted Bundy laut ein- und ausatmen.

Bundy:

Was es so schwierig macht, ist, dass sie zu der Zeit voll bei Bewusstsein war und über die unterschiedlichsten Dinge sprach.
Irgendwie ist es lustig . . . na ja, merkwürdig, was Menschen unter diesen "Umständen" so denken. Sie sagte mir, sie habe gedacht, da sie am nächsten Tag ein Spanisch-Examen habe, ich sie deshalb mitnahm, um sie beim Lernen zu unterstützen. Seltsam.
Um es kurz zu machen: Ich schlug sie erneut bewusstlos. Dann erdrosselte ich sie und schleppte sie in ein 10 Meter entfernt liegendes Wäldchen.
Keppel:Womit haben sie sie erdrosselt?
Bundy: Mit einem alten Stück Seil, dass dort lag.
Keppel:Was geschah dann?

 

Wieder hört man Bundy schwer atmen.

Bundy:

Dann kehrte ich zu der üblichen Routine zurück.
Wie ich es schon erwähnt habe, trennte ich den Kopf des Hawkins Mädchens ab und lief damit ungefähr 20 Meter einen Abhang hoch und vergrub ihn dort.
Ich war derart geschockt, dass ich zu meinem Wagen zurück stolperte, ein Stück in nordöstlicher Richtung fuhr und dann ihre Kleidung, meine Aktenkoffer, die Krücken, das Seil und meine Schuhe aus dem Fenster warf.
 
[. . .]
Keppel:Habe sie auch einige ihre Opfer vergraben?
Bundy:Ja. Als ich mehr Kontrolle über die Situation hatte und mir alle Zeit der Welt nahm. Einige der Schädel habe ich in den Kamin in Liz Kloepfers Wohnzimmer eingeäschert.
Keppel:Sind sie komplett verbrannt?
Bundy:Ja, bis nur noch ein wenig Asche überblieb.
 
[. . .]
 Zum Schluss versucht Detective Keppel Ted Bundy zu den Fall der 8-jährigen Ann Marie Burr, die am 31.August 1961 spurlos aus ihrem Kinderzimmer in Tacoma verschwand, zu befragen. Ted Bundy, damals 15 Jahre alt, trug in diesen Bezirk frühmorgens die Zeitungen aus.
Bundy antwortet nur ausweichend:

Bundy:

Ich war zu jung. Außerdem kam ich nicht an diesem Haus vorbei.
Keppel:Wann begingen sie ihren ersten Mord?
Bundy:Sie sagten, sie haben nur noch eine Frage, oder?
Keppel:Ja, Entschuldigung. Ich bin nur neugierig.
Bundy: Wir werden das Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt fortsetzen, falls es noch einen anderen Zeitpunkt geben wird.
 
Ende des Interviews.

Ted Bundy "perfektionierte" mit der Zeit seinen Modus Operandi (Vorgehensweise bei Tatausführung). Hauptsächlich schlug er seine Opfer mit einem Brecheisen, das er unter dem Arm, am oder in seinem Wagen verborgen hatte, nieder und fesselte sie. Dann transportierte er sie oft über große Entfernungen zu seinen privaten "Friedhöfen" in den Bergen. Dort verging er sich auf grausamste Weise an den halb betäubten oder bewusstlosen Opfern. Seine bevorzugte Methode war die anale Vergewaltigung.
Danach erdrosselte oder erschlug Bundy seine Opfer, zerstückelte sie und vergrub oder verbrannte die Leichenteile. Manchmal kehrte er - serienkillertypisch - Tage nach dem Verbrechen zu den Toten zurück und verging sich erneut an den Körperteilen.

In Gesprächen mit Polizisten der anderen betroffenen Bundesstaaten gestand Ted Bundy auch Morde, die den Behörden überhaupt nicht bekannt waren. So fuhr Bundy am 2.September 1974 durch Boise/Idaho und nahm eine Anhalterin mit. Er erschlug sie und warf die Leiche der Unbekannten in einen Fluss. Die Leiche wurde nie entdeckt.
Auf einer seiner ziellosen Touren von Salt Lake City/Utah aus, durchquerte Ted Bundy am 6.Mai 1975 die 186 Kilometer entfernt gelegene Stadt Pocatello in Idaho. Am frühen Nachmittag bemerkte er vor der örtliche Junior High School die 13-jährige Lynette Culver. Er entführte sie, tötete die Schülerin und warf ihre Leiche ebenfalls in einen Fluss. Auch Lynettes Leiche blieb für immer verschwunden.
Die (mehr oder weniger bekannten) Opfer Ted Bundys:
Rita Lorraine Jolly, 17 ,Juni 1973West Linn/Oregon
Vicki Lynne Hollar, 24 , August 1973Eugene/Oregon
Lynda Ann Healy , 21 ,31.Januar 1974Seattle/Washington
Donna Gail Manson, 19 ,12.März 1974Olympia/Washington
Susan Ellaine Rancourt , 18 ,17.April 1974Ellenburg/Washington
Roberta Kathleen Parks, 20 ,6.Mai 1974 Corvallis/Oregon
Brenda Carol Ball, 22 ,1.Juni 1974Burien/Washington
Georgeann Hawkins , 18 ,11.Juni 1974Tacoma/Washington
Janice Anne Ott, 23 ,14.Juli 1974 Lake Sammamish/Washington
Denise Naslund, 18 ,14.Juli 1974Lake Sammamish/Washington
Carol Valenzuela, 20 ,2.August 1974Vancouver/Washington
unbekanntes Opfer  2.September 1974Boise/Idaho
Nancy Wilcox, 16 ,3.Oktober 1974Holladay/Utah
Melissa Smith, 17 ,18.Oktober 1974Midvale/Utah
Laura Aime, 17 ,31.Oktober 1974 Lehti/Utah
Debra Kent, 17 ,8.November 1974Bountiful/Utah
Caryn Eileen Campbell, 23 , 12.Januar 1975Snowmass-Aspen/Colorado
Julie Cunningham, 26 ,15.März 1975Vail/Colorado
Denise Lynne Oliverson, 25 ,6.April 1975Grand Junction/Colorado
Melanie Cooley, 18 , 15.April 1975Nederland/Colorado
Lynette Culver, 13 ,6.Mai 1975Pocatello/Idaho
Sue Curtis, 15 ,28.Juni 1975Brigham/Utah
Shelley K.Robertson, 24 ,1.Juli 1975 Golden/Colorado
Nancy Biard, 23 ,4.Juli 1975Layton/Utah
Debbie Smith, 17 , Februar 1976Salt Lake City/Utah
Lisa Levy, 20 ,14.Januar 1978Tallahassee/Florida
Margaret Bowman, 21 ,14.Januar 1978Tallahassee/Florida
Kimberly Diane Leach, 12 , 9.Februar 1978Lake City/Florida

Im Mordfall der 15-jährigen Katherine Merry Devine, deren Leiche am 6.Oktober 1973 im McKenny Park/Washington gefunden wurde, galt Ted Bundy lange Zeit als der Täter.
Erst 2001 wurde, anhand eines DNA-Vergleiches, der mehrfach vorbestrafte 59-jährige William E. Cosden jr. als Täter überführt und zu einer Haftstrafe von 48 Jahren verurteilt.


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