Ted Bundy
- Der Wolf im Schafspelz -
Der Psychologe James C.Dobson wurde von Ted Bundys Anwältin kontaktiert.
Ted Bundy während des Interviews
Bundy wollte ihm und der Welt erzählen, wie "gefährlich" Pornographie für die Gesellschaft sei.
Der 13-jährige Ted hatte einige Pornohefte in einem Mülleimer gefunden. Er war von Anfang an von den Gewaltszenen in einigen der Hefte fasziniert.
Im Laufe der Jahre schaute sich der - geradezu davon abhängige - junge Mann regelmäßig Pornohefte und -videos an. Er spielte in seiner Fantasie verschiedene gewalttätige Situationen, mit sich in der Hauptrolle, nach.
Später setzte er die brutalen Gewaltfantasien dann in die Realität um . . .
Am frühen Nachmittag des 23.Januars 1989 betrat Dr. Dobson mit einer Kameracrew das Florida Staatsgefängnis in Starke. Der beeindruckte Psychologe musste 7 dicke Stahltüren und Metalldetektoren, die so sensitiv eingestellt waren, dass sie auf Dobsons Krawattennadel und den Nägeln in seinen Schuhen reagierten. Schließlich betrat sie eine Art Kammer. Kurze Zeit später kam der gefesselte Ted Bundy in Begleitung von 6 Justizvollzugsbeamten in den Raum.
Hier ein Ausschnitt aus dem Interview:
 
[. . .]
Dobson:Es ist jetzt 14.30 Uhr. Sie werden, falls kein weiterer Aufschub gewährt wird, morgen früh um 7 Uhr auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Was geht Ihnen durch den Kopf? Womit haben Sie sich die letzten Tage beschäftigt?
Bundy:Ich will Ihnen nichts vorspielen. Es ist nicht so, dass ich sagen kann, ich stehe über den Dingen und habe mich mit der Situation abgefunden. Ständig befinde ich mich in starken Stimmungsschwankungen. Ein Minute bin ich ruhig und gelassen, in der nächsten bin ich aufgedreht und kann meine Situation nicht fassen.
Womit ich mich in den letzten Stunden und Minuten, die mit noch verbleiben, beschäftigt habe, ist, wie ich sie ergiebig nutzen kann. Momentan bin ich ruhig, da ich mich mit Ihnen sinnvoll unterhalten kann.
Dobson:Für das Protokoll. Sie sind für die Ermordung mehrerer Frauen und Mädchen schuldig gesprochen worden.
Bundy:Ja, dass ist richtig.
Dobson: Wie konnte es so weit kommen? Was waren die Gründe für Ihre Handlungen? Sie sind, wie Sie sagten, in einer recht "gesunden" Familie aufgewachsen. Sie wurden weder physisch, sexuell oder emotionell missbraucht.
Bundy:Nein. Und das ist ja der tragische Teil dieser ganzen Situation. Ich wuchs als eines von 5 Kindern in einer wundervollen Familie auf. Meine Eltern liebten sich und waren glücklich. Wir gingen regelmäßig in die Kirche. Meine Eltern tranken und rauchten nicht. Es gab keine Gewalttätigkeiten. Nur ab und zu die üblichen verbalen Streitigkeiten. Ich hoffe, niemand versucht meinen Eltern die Schuld an all dem zu geben. Was ich hier erzähle, ist die Wahrheit. Ich bin so ehrlich, wie ich es nur sein kann.
Als kleiner Junge mit 12 oder 13 Jahren entdeckte ich in den Mülleimern der Geschäfte pornografische Softcore-Hefte. Ich möchte unbedingt erwähnen, dass dort auch ab und zu bebilderte Hefte mit Gewaltszenen lagen. Eine gefährliche Mischung in dem Alter. Die Vereinigung von Sex und Gewalt - und ich weiß es genau - führt zu einer so schrecklichen Verhaltensweise, dass es mir schwerfällt, darüber zu sprechen.
Dobson:Erklären Sie das genauer. Was spielte sich zu der Zeit in Ihrem Kopf ab?
Bundy: Bevor ich weiter darauf eingehe, ist es wichtig für mich, dass die Menschen mir glauben, dass ich hier die Wahrheit sage. Ich will der Pornographie nicht die alleinige Schuld geben. Ich will nicht sagen, dass das der alleinige Grund war, hinaus zu gehen und solche Dinge zu tun. Ich trage die volle Verantwortung für all die Dinge, die ich getan habe. Das Problem ist, in wie weit diese Art von Literatur dich formt und dazu beiträgt, dass man eine aggressive Verhaltensweise entwickelt.
Dobson:Es regt die Fantasie an.
Bundy:Zum Anfang regt es zu bestimmten Gedankengängen an. Nach einiger Zeit entwickelt man nahezu ein eigenständiges "Böses Ich".
Dobson: Sie haben die Gewaltfantasien, angeregt durch diese Art von Hefte, Fotos und Videos, so lange wie möglich zurückgehalten.
Bundy:Ich war ein normaler Mensch, hatte gute Freunde, lebte ein normales Leben und hielt den inneren Zerstörungstrieb geheim. Aber irgendwann ist der Drang, diesen Trieb nachzugeben und die Fantasien in die Realität umzusetzen, durchgebrochen.
Wenn man erst einmal davon abhängig ist, und ich betrachte das als eine Art Abhängigkeit, ist man immer auf der Suche nach Bildmaterial mit noch brutaleren Abbildungen. Wie in jeder Abhängigkeit suchst du ständig nach etwas, dass dir einen besseren Kick - eine stärkere Erregung - gibt. Bis du den Punkt erreicht hast, wo das Betrachten und Lesen des Materials dich nicht mehr erfüllt und du denkst, du kannst nur durch die Umsetzung der Fantasie die nächste Stufe des Genusses erreichen.

In dem Moment flackerte die Beleuchtung in der Kammer.
Bundy:Das dauert nur einen Moment, dann leuchten die Lampen wieder hell.

Erst später realisierte Dr.Dobson, dass die Gefängnisleitung Old Sparky, den elektrischen Stuhl, für die bevorstehende Hinrichtung testete und dies auch Ted Bundy bewusst war.

Dobson:

Wie lange sind Sie an dem Punkt geblieben, bis Sie jemanden angegriffen haben?
Bundy:Einige Jahre. Ich musste zunächst die große Hemmschwelle zu der Kriminalität und der Gewaltbereitschaft, die sich - bedingt durch Einflüsse von Familie, Umgebung, Kirche und Schule - entwickelt hatte, überwinden.
Mir war klar, dass es falsch war, darüber nachzudenken oder es sogar umzusetzen. Ich befand mich auf einer schmalen Grenzlinie. Ständig und mit einem immer größer werdenden Anteil wurde der verbliebene Rest an Zurückhaltung durch die von Pornographie beeinflussten Gewaltfantasien ersetzt.
Dobson: Können Sie sich an den Auslöser erinnern, der Sie praktisch über die Grenzlinie gestoßen hat? Was führt zu der Entscheidung, die Gewalt ausleben zu wollen? Wissen Sie noch, wo sie diese Entscheidung, alle Warnsignale in den Wind zu schießen, getroffen haben?
Bundy: Das ist wirklich schwer zu sagen. Das Fatale daran war, dass ich wusste, wenn ich die Linie überschreite, ich die Kontrolle verlieren würde. Die anerzogene Barriere, die mich vom Überschreiten der Grenzlinie zurückhielt, war nicht hoch genug, um mich von der Suche nach dem Kick abzuhalten und jemanden Schaden zuzufügen.
Dobson:Könnte man das Verhalten nicht als sexuellen Wahnsinn bezeichnen?
Bundy: Das wäre eine Möglichkeit es so zu umschreiben - ein Zwang, ein Aufbau von zerstörerischer Energie.
Eine andere Tatsache habe ich bisher noch nicht erwähnt. Der Missbrauch von Alkohol. In Verbindung mit meiner Abhängigkeit zur Pornographie baute der Alkohol die Hemmschwelle ab und die Pornographie vernichtete den Rest.
Dobson:Nachdem Sie den ersten Mord begangen hatten, welche emotionellen Auswirkungen machten sich bei Ihnen bemerkbar? Was geschah mit Ihnen an den Tagen nach der Tat?
Bundy:Nach all den Jahren ist es nicht einfach, sich daran zu erinnern. Es noch einmal zu durchleben, fällt mir nicht so leicht. Aber ich möchte, dass Sie verstehen, was in mir vorging. Es war, als wenn man aus einem Albtraum erwacht. Ich kann es nur damit vergleichen und ich will nicht zu dramatisch klingen. Es ist so, als wenn man von etwas Schrecklichen und Überirdischen besessen ist; man am nächsten Morgen aufwacht, sich daran erinnert, was man getan hat und einem klar wird, dass man sich dafür vor dem Gesetz und vor Gott verantworten muss.
Am nächsten Morgen aufzuwachen und bei klarem Verstand mit meiner intakten moralischen und ethnischen Lebenseinstellung zu begreifen, was ich getan habe, versetzte mich in einem absoluten Schockzustand.
Dobson:War es Ihnen denn vorher nicht bewusst, dass Sie zu solche Taten fähig waren?
Bundy:Es gibt keine Möglichkeit, diesen Drang zur Grausamkeit - umso etwas begehen zu können - mit Worten zu beschreiben. Wenn ich erst mal danach die Befriedigung fand und das Gewaltpotenzial auf ein niedrigen Level sank, war ich wieder ich selbst. Denn im Grunde genommen benahm ich mich wie ein normaler Mensch.
Überall leben solche Verlierer wie ich in ihren Städten und Kommunen, deren gefährlicher Trieb Tag für Tag durch die Gewaltdarstellung in den Medien, insbesondere der sexuellen Gewalt, angeheizt wird.
Ich war kein Typ, der den ganzen Tag in Kneipen verbrachte. Ich war keiner von diesen Perversen, den die Leute anschauten und dann sagten, dass sie wüssten, dass mit dem etwas nicht stimmen würde. Ich war normal und hatte gute Freunde. Ich lebte ein, den Voraussetzungen entsprechendes, normales Leben mit all meinen kleinen Geheimnissen. Die von uns, die von der Gewalt in den Medien, besonders der pornografischen Medien, beeinflusst werden, sind keine dazugehörenden Monster. Wir sind eure Söhne und Ehemänner. Wir wuchsen in normalen Familien auf. Die Pornographie kann ein Kind aus dieser normalen Umgebung herausreißen. Mich hat sie vor 20 oder 30 Jahren herausgerissen. So sehr meine Eltern, die gute Christen waren, auch ihre Kinder schützen wollten, es gibt keinen Schutz gegen diese Art von schlechtem Einfluss, wenn die Gesellschaft sie toleriert.
Dobson:Draußen warten hunderte von Reportern, die Sie gerne interviewen würden. Aber Sie fragten mich, ob ich kommen würde, da Sie etwas zu sagen hätten. Sie denken, das harte Pornographie und das Tor dorthin, die softe Pornographie, bei anderen Menschen irreparable Schäden anrichtet und bewirkt, dass weitere Frauen missbraucht und auf die Weise, wie sie es taten, getötet werden.
Bundy:Ich bin kein Sozialwissenschaftler und ich glaube nicht, was John Q.Citizen darüber gesagt hat. Aber ich lebe jetzt schon eine lange Zeit im Gefängnis und ich traf eine Menge Männer, die sehr gewaltbereit waren. Ohne Ausnahme waren alle regelmäßig bis zur Abhängigkeit mit Pornographie in Kontakt gekommen. Eine FBI-Studie über Serienmorde hat herausgefunden, dass alle bekannten Serienkiller regelmäßige Pornokonsumenten waren.
Dobson: Wie hätte sich Ihr Leben wohl ohne diese Einflüsse entwickelt?
Bundy:Ich weiß, es wäre viel besser gewesen. Und nicht nur für mich, sondern für eine Menge anderer Leute - den Opfern und deren Familien. Ohne jegliche Zweifel wäre es ein besseres Leben geworden.
Dobson: Wenn ich die Möglichkeit habe, Ihnen Fragen zu stellen, die Ihnen eine ganze Reihe von Leuten stellen würden, wäre ein der Fragen: Denken Sie an all die Opfer und den trauernden Familien? Auch noch Jahre später verläuft ihr Leben nicht in normale Bahnen. Es wird auch nie wieder normal sein. Fühle Sie Reue?
Bundy:Viele werfen mir vor, dass ich selbstsüchtig wäre. Mit Gottes Hilfe bin ich nun, natürlich viel zu spät, an einen Punkt angekommen, an dem ich den Schmerz und die Verletzungen, für die ich verantwortlich bin, fühle.
In den letzten Tagen habe ich mit einer Reihe von Polizisten über ungeklärte Mordfälle gesprochen. Mordfälle, mit denen ich zu tun hatte. Jetzt nach einigen Jahren werden all die schlimmen Gefühle und Gedanken wiederbelebt. Ich muss mich stetig mit ihnen auseinandergesetzt. Das Gefühl des Horrors ist immer präsent.
Ich hoffe, dass denen, den ich so viel Leid zugefügt habe, auch wenn sie an der Glaubwürdigkeit meiner Reue zweifeln, mir jetzt zuhören. Es wird immer genügend Typen geben, die für Gewalt und Pornographie empfänglich sind. Was mich so erschreckt, ist das hohe Maß an Gewalt, das sie heutzutage in Filmen im Fernsehen zeigen, die selbst noch vor 30 Jahren nicht in "Ab 18 Jahre"-Kinos gezeigt wurden.
Dobson:Meinen Sie diese Schlitzer- Filme?
Bundy:Solche Gewaltfilme sind für Kinder, die ohne Aufsicht und in der Unwissenheit, dass sie dafür empfänglich sind, auch zu einen Ted Bundy zu werden, sehr gefährlich.
Dobson:Den letzten Mord begingen Sie an der 12-jährigen Kimberly Leach. Ich denke, der Aufschrei des Entsetzens und der Empörung in der Bevölkerung war größer als sonst, weil ein Kind von dem Gelände einer Schule entführt wurde.
Was fühlten Sie nach der Tat? Oder fühlten Sie die üblichen Emotionen, die Sie immer nach den Taten hatten?
Bundy:Ich kann darüber jetzt nicht sprechen. Es ist zu schmerzhaft. Ich möchte, dass sie wissen, wie sich diese Erfahrung anfühlt, aber ich kann nicht darüber reden. Ich bin nicht fähig, den Schmerz der Eltern dieser Kinder und der Mädchen, denen ich das antat, zu verstehen. Ich kann nichts wieder gut machen. Ich werde ihnen nichts vorspielen und erwarte auch von ihnen kein Vergebung. Die Fähigkeit zu Vergeben gewährt nur Gott. Entweder besitzen sie diese Gabe oder sie werden sie eines Tages vielleicht finden.
Dobson:Haben Sie die Strafe, zu der Sie der Staat verurteilt hat, verdient?
Bundy:Das ist eine gute Frage. Ich will nicht sterben. Ich verdiene wohl die extremste Strafe, die der Gesellschaft zu Verfügung steht. Und ich denke, dass die Gesellschaft vor Leuten wie mir beschützt werden sollte. Das ist sicher. Ich hoffe, dass der Gesellschaft durch dieses Gespräch klar wird, dass sie sich vor sich selbst schützen muss.
Einerseits verurteilen die Menschen das Handeln eines Ted Bundy, während sie an einem Zeitschriftenstand mit all dieser brutalen Hardcore-Pornographie, die die Kinder zu Ted Bundys werden lässt, vorbeigehen. Das ist die Ironie.
Die Menschen erwarten mehr als nur die verhängte Strafe. Aber es gibt keine Möglichkeit in dieser Welt, dass durch meine Hinrichtung all die hübschen Kinder wieder lebendig zu ihren Eltern zurückkehren, und das die Schmerzen gelindert werden. Aber es gibt eine Menge anderer Kinder, die heute in den Straßen unseres Landes spielen und morgen schon tot sein werden.
Dobson:Außerhalb der Gefängnismauern hat sich bei den Menschen ein enormes Potenzial an Zynismus über Ihre Person gebildet. Und das wohl aus einem guten Grund.
Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen überhaupt noch Ihren Worten Glauben schenken. Sie haben die Vergebung Jesus Christis akzeptiert und glauben an ihm. Gibt der Glaube Ihnen die Kraft für die letzten Stunden?
Bundy: Ja, dass glaube ich. Ich kann nicht behaupten, dass der Aufenthalt im Tal der Schatten des Todes für mich etwas alltägliches ist. Das ich stark bin und mich nichts aus der Ruhe bringen kann. Dies ist ja kein Spiel. Es macht einsam. Ich habe erst jetzt realisiert, dass ja eigentlich jeder von uns irgendwann an diesen Punkt ankommen wird.
Dobson:Es kommt immer auf das Verhalten des Menschen an.
Bundy:Unzählige Millionen, die vor uns auf dieser Welt lebten, kamen irgendwann an diesen Punkt. Dies ist eine Erfahrung, die wir alle einmal machen werden.
 
Ende des Interviews.

Quelle: Life on the Edge, Dr. James Dobson, Copyright © 1995 Word Publishing
(Übersetzung: Klaus Makarewicz - 2005)



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