Ted Bundy
- Der Wolf im Schafspelz -
Dann kam der Polizei "Kommissar Zufall" - in Form des guten Gedächtnisses eines Detectives - zur Hilfe.
Am 18. August überflog Detective Jerry Thompson die Festnahme-Protokolle des vergangenen Wochenendes. Dabei fiel ihm der Name "Bundy" auf, den er schon einmal in einem anderen Zusammenhang gehört hatte. Thompson erinnerte sich an eine junge Frau (Bundys Freundin Liz), die Ende 1974 einen Ted Bundy als potentiellen Verdächtigen in einigen Vermissten- bzw. Mordfällen gemeldet hatte. Dieser Ted Bundy fuhr ebenfalls einen älteren Volkswagen Käfer, wie der Bundy, der am Wochenende festgenommen worden war.
Im Käfer lagen Handschellen und ein Brecheisen. Jerry Thompson fiel ein, dass auch Carol DaRonch mit Handschellen von dem falschen Polizisten gefesselt werden sollte und er sie mit einem Brecheisen schlagen wollte. Zu seinem Erstaunen las Detective Thompson, dass die Polizei im Fall Debby Kent Handschellenschlüssel gefunden hatte und ein Zeuge einen älteren VW Käfer mit hoher Geschwindigkeit davonrasen sah.
So viele Übereinstimmungen waren eigentlich unmöglich. Detective Thompson wollte sich nun näher mit diesen Ted Bundy befassen.

Am 21.August wurde Ted Bundy wegen des Besitzes
Ted Bundy (Erstes Polizeifoto)
von Einbrecherwerkzeugs (!) festgenommen. Er gab sich betont lässig und hatte immer eine Antwort auf die Fragen der Polizisten parat.
Auf die Frage, woher er die Handschellen habe, sagte Bundy, er habe sie in einer Mülltonne gefunden. Wofür die selbst gefertigte Strumpfmaske sei?
Sie diene ihm als zusätzlicher Windschutz bei Skifahren. Was er mit den anderen verdächtigen Utensilien machen wollte, antwortete Ted Bundy lachend, dass doch wohl jeder ein Brecheisen, Eispickel und Müllbeutel besäße.
Trotz Bundys Aussagen waren sich die Polizeibeamten sicher, dass Ted Bundy den Entführungsversuch an Carol DaRonch, die Morde an Melissa Smith und Laura Aime begangen hatte, und des Weiteren auch für das Verschwinden von Debby Kent verantwortlich war.

Einige Wochen später, am 2.Oktober, fand im Polizeirevier
Gegenüberstellung (Ted Bundy ist der Zweite von rechts)
von Murray/Utah eine Gegenüberstellung statt. Carol DaRonch, die Theaterlehrerin Jean Graham, die am Abend des Verschwindens von Debby Kent mit dem mutmaßlichen Täter gesprochen hatte, und die Augenzeugin und Freundin von Debby, Jolynne Beck identifizierten Ted Bundy aus einer Reihe von 8 Männern.
Gleichzeitig verhörten
Ted Bundy (02.10.1975)
2 Detectives aus Utah Bundys Freundin Liz Kloepfer. Sie erzählte den Beamten, dass sie in Teds Appartement Krücken, Gips, Schienen und Dreieckstücher (als Halteschlinge geknotet) gesehen habe.
Sie bestätigte, dass Ted Bundy ab und zu einen falschen Schnauzer getragen habe. Außerdem sei Ted mehrfach, ohne jegliche Erklärung, ganze Nächte unterwegs gewesen.
Jetzt wurden auch Polizeibeamte aus anderen Bundesstaaten hellhörig und überprüften ihre ähnlich gelagerten Vermisstenfälle mit Ted Bundy als möglichen Verdächtigten. Dies zunächst aber ohne Erfolg.

Bei weiteren Nachforschungen gelang es der Polizei, anhand von Bundys Kreditkartenabrechnungen, nachzuweisen, dass er an den Orten und Tagen seinen VW Käfer aufgetankt hatte, an denen Caryl Campbell in Aspen, Julie Cunningham in Vail und Denise Oliverson in Grand Junction verschwanden.
Ein Bekannter Bundys berichtete, dass er in dem Handschuhfach von Teds VW Käfer Damenunterwäsche gesehen habe. Außerdem sei er früher oft mit Ted in den Taylor Mountains, wo die Polizei etliche Skelettteile der Opfer gefunden hatte, gewesen.
Ted Bundy wurde am 13.November 1975 gegen eine Kaution von 15 000 Dollar, die seine Mutter und der Stiefvater aufgebracht hatten, unter strengen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen. All seine Bewegungen wurden von jetzt an von Überwachungsteams der Polizei kontrolliert.
Obwohl die Beweislage gegen Ted Bundy sehr dünn war, klagte die Staatsanwaltschaft ihn wegen der versuchten Entführungen von Carol DaRonch an.
Am 23.März 1976 begann in Salt Lake City der Prozess, bei dem ein selbstbewusster Ted Bundy mit seinem Verteidiger im Gerichtsaal auftrat. Die Hauptbelastungszeugin Carol DaRonch identifiziert erneut Bundy als den Mann, der sich "Officer Roseland" genannt hatte und sie entführen wollte. Bundy selbst hatte für den betreffenden Tattag kein wasserdichtes Alibi.


Bundy auf den
Weg zum Gericht
Am 1.März sprach ihn der Richter, trotz Teds tränenreichen Plädoyers, schuldig.
Aufgrund der bestehenden Fluchtgefahr wurde er sofort verhaftet. Drei Wochen später ließ der Richter ein psychiatrisches Gutachten erstellen, aus dem hervorging, dass Ted Bundy keine Suchtprobleme, sexuelle oder sonstige Störungen habe.
Er reagiere allerdings panisch bei der Vorstellung, von Frauen gedemütigt zu werden.
Am 30.Juni 1976 schließlich wurde Theodore Robert Bundy zu einen bis 15 Jahren Haft verurteilt. Immerhin hatte Bundy die Möglichkeit, schon nach 18 Monaten einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung zu stellen.
Ted Bundy bemerkte die juristische Schlinge noch immer nicht, die sich zunehmend enger um seinen Hals zusammenzog. Denn die Ermittlungen gegen ihn wurden von der Polizei auch weiterhin vorangetrieben.


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