Ted Bundy
- Der Wolf im Schafspelz -
Die Polizei in Aspen/Colorado
Das alte Gerichtgebäude,
aus dem Ted Bundy floh
(Fotomontage)
entdeckte bei der erneuten Durchsuchung des VW Käfers auf den Fußmatten mehrere Haarsträhnen. In einem FBI-Labor konnte festgestellt werden, dass es sich um die Haare von Caryn Campbell, Melissa Smith und Carol DaRonch handelte. Auch die Größe und Form der Schlagverletzungen an Caryn Campbells Kopf passten zu den Brecheisen, dass die Polizei in Bundys Wagen gefunden hatte.
Dann meldete sich eine Augenzeugin bei der Polizei, die Ted Bundy als den Mann wieder erkannte, der ihr am 12.Januar 1975 auf dem Hotelflur in Aspen entgegengekommen war, bevor Caryn Campbell verschwand.

Am 22.Oktober 1976 wurde Ted Bundy von der Staatsanwaltschaft in Pitkin County/Colorado wegen des Mordes an Caryn Campbell angeklagt. Nachdem alle Formalitäten zwischen den Behörden der Bundesstaaten Utah und Colorado erledigt waren, wurde Bundy am 28.Januar 1977 von dem Staatsgefängnis in Utah in das Pitkin Bundesgefängnis überstellt.
In der Vorverhandlung am 4.April setzte der Richter den Termin für die Hauptverhandlung auf den 14.November 1977 fest. Neun Tage später verlegte man Ted Bundy in die Garfield Justizvollzugsanstalt. Dort wollte er sich auf die Hauptverhandlung vorbereiten. Da Bundy mit seinen Anwälten Chuck Leitner und Jim Dumas sehr unzufrieden war, entließ er zunächst die beiden Verteidiger. Er war sich absolut sicher, dass er mit den erworbenen Jurakenntnissen seine eigene Verteidigung erfolgreich bestreiten würde.
Als sein eigener Verteidiger hatte er bestimmte Rechte und Privilegien. So bekam er eine Schreibmaschine und einen Schreibtisch in seine Zelle. Außerdem gewährte man ihm Zugang zu der Bibliothek des Gerichtgebäudes in Aspen. Als angenehmen Nebeneffekt nutzte er ausgiebig die Erlaubnis zum uneingeschränkten Telefonieren. Ted hielt so weiterhin Kontakt zu seiner Freundin Liz Kloepfer, der er ihre ihm gegenüber negative Aussage bei der Polizei großzügig verzieh.
Zu der Zeit las Ted Bundy in seiner Zelle den Roman "Papillon" (Inhalt: 2 Strafgefangene fliehen von einer Gefängnisinsel). Dies schien aber niemand weiter aufzufallen oder zu beunruhigen.

Am 7.Juni 1977 fand eine Anhörung statt, in der es darum ging, ob im Falle eines Schuldspruchs die Todesstrafe in Betracht käme (!).
Gegen 10.30 Uhr legte der Richter eine Pause fest. Bundy wollte in die Bibliothek, um einige Passagen in verschiedenen juristischen Büchern nachzuschlagen. Also ging Ted Bundy - ohne Handschellen - mit dem jungen unerfahrenen Justizvollzugsbeamten David Westerlund in den zweiten Stock. Während Westerlund an der Tür stehen blieb, um eine Zigarette zu rauchen, bewegte sich Bundy zwischen den Bücherregalen. Als er aus dem Blickwinkel des Justizvollzugsbeamten verschwand, ging Ted Bundy in Richtung Fenster und sprang mit einem Satz 7,5 Meter in die Tiefe.

Trotz einer Knöchelverletzung gelang Bundy so die Flucht. Eine Augenzeugin auf der Straße, die den Vorfall beobachtet hatte, eilte in das Gerichtsgebäude und fragte einen erstaunten Gerichtsdiener, ob es normal wäre, dass Personen aus den Fenstern des Gerichtes springen würden.
Obwohl sofort eine groß angelegte Suchaktion mit Straßensperren gestartet wurde, blieb Ted Bundy unauffindbar. Dass er seine Flucht geplant hatte, wurde der Polizei schnell klar. So hatte Bundy, der seine Zivilkleidung trug, vorsorglich eine zweite Hose und ein weiteres Sweatshirt gegen die nächtliche Kälte in den Bergen angezogen. Dann war er in Richtung eines nahe liegenden Flusses gegangen, da er wusste, dass die Polizeihunde dort im Wasser seine Fährte verlieren würden.

Währenddessen brach in Aspen und Umgebung die Panik aus. Menschen verbarrikadierten ihre Häuser und Autos. Ted Bundy war nun eine Art Antiheld, während die Aspener Polizei zum Gespött der Öffentlichkeit wurde. Neben der Panik kam auch schwarzer Humor auf. Schnell wurden T-Shirts mit Aufdrucken wie "Bundy is free - You can bet your Aspen on it" (deutsch:"Bundy ist frei - Du kannst deinen Aspen(hier sinnwörtlich für: Hinterteil) darauf setzten."), "Bundy lives in the Rockies"("Bundy lebt in den Rockie Mountains") oder "Ted Bundy is a One Night Stand". In den Schnellrestaurants wurden Bundy Burger und in den Kneipen Bundy Cocktails angeboten.
Tramper, die an den Autobahnen und Landstraßen eine Mitfahrgelegenheit suchten, schrieben nun neben ihren Zielort auch in großen Lettern "I'm not Bundy !" ("Ich bin nicht Bundy !") auf ihre Plakate.

Am 3.Tag nach
FBI-Fahndungsplakat
Ted Bundys Flucht schaltete sich das FBI in die Suchaktion ein. Teds Mutter Eleanor appellierte im Fernsehen an ihren Sohn, er solle sich der Polizei stellen.
Ted Bundy bekam davon nichts mit. Er war mit dem rechten geschwollenen Knöchel Richtung der Aspener Berge gehumpelt, wo er in ein Wochenendhaus und in einem VW Campingbus einbrach. Dort fand er Lebensmittel und warme Kleidung.
Schließlich stahl Bundy am 11.Juni 1977 am Aspener Golfklub einen alten Cadillac, in dem der Zündschlüssel steckte. Doch anstatt sich aus den Gebiet von Pitkin County zu entfernen, bewegte sich Ted Bundy - unbewusst - immer nur im Kreis.
2 Tage später fiel den auf Streife fahrenden Polizisten Glen Flatt und Maureen Higgins ein entgegenkommender, stark schlingernder Cadillac auf. Doch statt eines stark alkoholisierten Fahrers, grinste ihnen ein erschöpfter und abgemagerter Ted Bundy entgegen.

Nun wurde die Anklageschrift gegen Bundy um die Punkte Gefängnisausbruch, Raub und Diebstahl erweitert. Die ihm zuerkannten Privilegien blieben, da er sich weiterhin selbst verteidigen wollte. Doch Ted Bundy durfte seine Zelle ab sofort nur noch mit Handschellen und Fußfesseln verlassen.
( Fotos von Ted Bundy nach seiner Festnahme siehe  hier )
Der neue Termin für die Hauptverhandlung wurde auf den 9.Januar 1978 festgesetzt. Bundy allerdings hatte ganz andere Pläne!

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