Er fuhr, auf der Suche nach einer Prostituierten, in der Gegend herum. An einer Tankstelle bemerkte er eine aufreizend gekleidete Frau, die scheinbar nach Kunden Ausschau
hielt. Schnell wurde man sich auf einen Preis einig, und sie fuhren zu dem Zimmer, in dem die Prostituierte ihre Freier bediente. Doch je näher sie dem Fahrziel kamen, desto größer wurden Sutcliffes
Zweifel über die Richtigkeit seines Handelns. Schließlich gab er der Frau 10 Pfund (ca. 15 Euro) und fuhr sie zur Tankstelle zurück. Dort angekommen, sagte sie zu Sutcliffe, dass sie
schnell das Wechselgeld holen würde und verschwand in dem Verkaufsraum. Nach einigen Minuten kam ein großer muskulöser Mann mit einem Schraubenschlüssel zu Sutcliffes Wagen geschlendert
und lehnte sich dagegen. Als Peter Sutcliffe aussteigen wollte, sagte ihm der Unbekannten, wenn ihm etwas an seiner Gesundheit liegen würde, solle er im Wagen bleiben und sofort verschwinden.
Dabei schlug er immer wieder den Schraubenschlüssel drohend in seine Handfläche. Schließlich kam auch noch die Prostituierte mit einem weiteren Muskelprotz aus den Verkaufsraum und alle drei
lachten Sutcliffe aus. Dieser verließ sofort die Tankstelle. Jahre später sagte Peter Sutcliffe, er fühlte sich nach den Vorkommnissen zu tiefst gedemütigt, gekränkt, dumm und beschämt. Andererseits
überkam ihn ein dermaßen starkes Hassgefühl auf Prostituierte, dass er über sich selbst verwundert war. Dieser Hass manifestierte sich in seinem Kopf.
Eine
Woche später fuhr Sutcliffe mit seinem Freund Trevor Birdsall Trevor Birdsall in dem Rotlichtbezirk von
Bradford. Peter hielt nach der Prostituierten Ausschau, die ihn so grundlos gedemütigt hatte. Plötzlich sprang Sutcliffe aus Trevors Minivan und verschwand um eine Häuserecke. Nach 10 Minuten
kam er, völlig außer Atem, zurück und rief dem verdutzten Trevor zu, er soll sofort wegfahren. Als sie wieder in Bingley ankamen, erzählte Peter Sutcliffe, er sei einer "alten Kuh" gefolgt. Dann
habe er einen Stein in einer seiner Socken gepackt und habe damit der Frau auf den Kopf geschlagen. Als Beweis holte er die Socke aus einer Jackentasche und schmiss den Stein aus den Wagen.
Am folgenden Morgen standen 2 Polizisten vor Sutcliffes Haustür. Die am Kopf verletzte Frau hatte sich das Kennzeichen von Birdsalls Minivan gemerkt und so führte dieser Hinweis auch zu Peter Sutcliffe.
Dieser gestand die Tat sofort, doch er teilte den Beamten mit, dass er "nur" mit der Hand zugeschlagen habe. Doch es schien Sutcliffes Glückstag zu sein. Die Frau, eine stadtbekannte Prostituierte,
verzichtete auf eine Anzeige, da sie keine Scherereien haben wollte. Unglaublicherweise erhielt Peter Sutcliffe von den Polizisten nur eine Standpauke, dann wurde der Fall abgeschlossen.
Am 29.September 1969 fuhr Sutcliffe in seinem alten Morris Minor in den Manningham Park, dem Rotlichtmilieu in Bradford. Dieses Mal hatte er einen Kugelkopfhammer und ein
Messer bei sich. Peter Sutcliffe (Erstes Polizeifoto) Eine innere Stimme sagte ihm, er habe eine Mission zu
erfüllen. Er müsse die Straßen von dem Unrat der Gesellschaft, den Prostituierten, befreien. Daher reiche es nicht, die Frauen nur zu attackieren. Doch bevor Peter Sutcliffe sich ein Opfer
aussuchen konnte, wurde er von einem Polizisten verhaftet. Diesem war, auf seiner Streifenrunde, Sutcliffes Wagen, der mit Abblendlicht und laufendem Motor vor einer Hecke parkte, aufgefallen.
Hinter der Hecke entdeckte er schließlich den dort hockenden Peter Sutcliffe, der den Hammer in der Hand hielt. Sutcliffe rechtfertigte sich mit der Ausrede, dass sich bei voller Fahrt eine
Radkappe von dem Vorderrad gelöst habe und er sie nun suche. Mit dem Hammer wolle er die Kappe dann wieder an die Felge befestigen. Doch der Polizist glaubte ihm nicht und nahm ihn wegen geplanten
Diebstahles - aufgrund des Hammers (Einbruchwerkzeug!) fest. Peter Sutcliffe gelang es noch, als beide auf den Polizeitransporter warteten, das Messer unbemerkt zwischen einem Zaun und der
Hecke fallen zu lassen. Sutcliffe wurde anschließend auf der Polizeistation erkennungsdienstlich behandelt und einen Monat später zu einer Geldstrafe von 25 englischen Pfund (ca. 38 Euro)
verurteilt.
Die Beziehung zwischen Peter und der Lehramtsstudentin Sonia, die inzwischen in London studierte, glich schon bald der Ehe eines seit Jahrzehnten
verheirateten Ehepaars. Familie Sutcliffe (Peter steht ganz rechts) Sie kommunizierten kaum noch miteinander.
Hinzu traten bei Sonia im Mai 1972 psychische Probleme auf. Manchmal sprach sie tagelang kein einziges Wort oder flüsterte nur, dann wiederum bekam sie aggressive Schübe. Mehrmals wurde Sonia
nachts von der Polizei aufgegriffen, als sie im Pyjama durch die Straßen irrte. Schließlich wurde sie, mit dem Verdacht auf Schizophrenie, in die Linfield Mount Psychiatrie in Bradford eingeliefert.
Als Peter Sutcliffe dort das erste Mal seine Freundin besuchte, war er schockiert. Sonia war verwirrt, behauptete der neue Christus zu sein und lief rastlos im Zimmer auf und ab. Nach einigen
Wochen Klinikaufenthalt und erfolgreicher medikamentöser Einstellung wurde Sonia entlassen. Doch einige Monate später erlitt sie einen Rückfall. Sie zog sich nun des Öfteren in der Öffentlichkeit
aus oder erschien nur in silbernen Sandalen und behauptete "Cinderella" zu sein. Erneut wurde Sonia in die Psychiatrie eingewiesen und medikamentös eingestellt. Ihr Zustand stabilisierte sich,
aber Sonia war nicht mehr in der Lage, ihr Studium abzuschließen.
Am 10.August 1974 heiratete das Paar, doch dies geschah mehr aus sozialen Druck, den das Umfeld
 Sonia & Peter Sutcliffe auf sie ausübte, als aus Liebe. Das frisch vermählte Paar zog in das Haus von Sonias Eltern in
Bradford. Geschickt verstand Peter Sutcliffe das Misstrauen der neuen sozialen Umgebung - besonders das der Schwiegereltern ihm gegenüber - abzubauen. Er spielte seiner Umwelt den schwer arbeitenden Malocher
und liebevollen Ehemann vor. Doch weiterhin besuchte er mit seinem alten Freund Trevor Birdsall oder seinem Schwager Robin Holland die Rotlichtbezirke in der Grafschaft West Yorkshire. Anfang
1975 verlor Peter Sutcliffe, aufgrund von Rationalisierungsmassnahmen, seinen Job. Mit der 400 Pfund-Abfindung kaufte er sich einen weißen Ford Corsair mit schwarzem Dach und erwarb außerdem
am 4.Juni den Lastwagenführerschein. Zur gleichen Zeit erlitt Sonia bereits die zweite Fehlgeburt. Die Ärzte eröffneten dem entsetzten Ehepaar, dass Sonia keine Kinder mehr bekommen könne. Diese
Hiobsbotschaft schien bei dem kinderliebenden Peter Sutcliffe den Hass auf Frauen noch zu steigern.
|