Peter Sutcliffe
- Der Yorkshire Ripper -
Einige Auszüge aus dem Interview, dass Detective Inspector Boyle mit dem äußerst ruhig wirkenden Peter Sutcliffe am frühen Nachmittag des 4.Januar 1981 führte:
 
[. . .]

Boyle:Wo waren Sie am Abend des 17.November 1980 ?
(Mord an Jacqueline Hill)
Sutcliffe:Ich war zu Hause und habe mit meiner Frau ferngesehen.
Boyle:Jedes Mal, wenn man Sie gesehen hat, hatten Sie immer dasselbe Alibi. Sie waren mit Ihrer Frau zu Hause. Finden Sie das nicht sehr seltsam ? Wie können Sie sich, ohne viel nachzudenken, so sicher sein, wo Sie sich an den entsprechenden Abenden aufhielten ?
Sutcliffe:Ich war jeden Abend zu Hause, außer wenn ich wegen einer weiten Tour auswärts übernachten musste.
Boyle:Ich sehe, dass Sie seit Ihrer Festnahme am Freitag in Sheffield unter anderem von DS O'Boyle verhört wurden.
Sutcliffe:Ja, ich habe ihm erzählt, was am Freitag geschah.
Boyle:Ich schließe mich nicht der Behauptung an, dass sie nur mit dem Diebstahl der Nummernschilder zu tun haben. Ich will mit Ihnen über eine viel ernsthaften Angelegenheit sprechen. Betreffend der Absicht, weshalb Sie in dieser Nacht nach Sheffield fuhren.
Sutcliffe:Ich habe ihm (DS O'Boyle) bereits alles über diese Nacht erzählt.
Boyle:Ich habe mit Sergeant O'Boyle gesprochen und bin mit Ihrer Aussage nicht zufrieden.
Sutcliffe:Was meinen Sie ?
Boyle:Warum fuhren Sie in dieser Nacht nach Sheffield ?
Sutcliffe:Ich nahm an der Autobahn M606 drei Leute mit. Sie boten mir 10 Pfund an, wenn ich sie nach Hause nach Rotherham und Sheffield fahren würde.
Boyle:Ich glaube Ihnen nicht! Ich glaube, Sie fuhren an diesen Freitag aus dem einfachen Grund nach Sheffield, um sich wieder eine Prostituierte zu greifen.
Sutcliffe:Das ist nicht wahr. Nachdem ich in Sheffield war, lehnte ich zunächst ein eindeutiges Angebot einer Prostituierten ab. Dann dachte ich mir, da ich ja das Geld von den Anhaltern bekommen hatte, doch mit einer zu gehen.
 
[. . .]
Boyle:Als Sie in Sheffield verhaftet wurden, saßen Sie mit einer Prostituierten in Ihrem Wagen. Und der Wagen hatte gestohlene Nummernschilder. Ich glaube, Sie haben diese Kennzeichen benutzt, um eine Identifizierung Ihres Wagens zu verhindern.
Sutcliffe:Nein, dass stimmt nicht.
Um ehrlich zu sein, ich war stark deprimiert. Ich benutze die Kennzeichen, weil ich daran dachte, eine Straftat zu begehen.
Boyle:Ich glaube, die Straftat, die Sie begehen wollten, war einer Prostituierten großen Schaden zuzufügen.
Sutcliffe:Nein, dass ist nicht wahr.
Boyle:Können Sie sich an dem Moment erinnern, als Sie in Sheffield aus Ihren Wagen stiegen und bevor Sie nach der Festnahme im Polizeiwagen saßen ?
SutcliffeJa, ich stieg aus, um an einer Wand zu urinieren.
Boyle: Ich denke, Sie stiegen aus einem anderen Grund aus.

Peter Sutcliffe zeigt keine Reaktion und antwortet nicht.
Später sagte er aus, dass ihm in diesen Augenblick bewusst wurde, dass die Polizei seine Tatwerkzeuge gefunden hatte und Gott ihm nun ein Zeichen geschickt habe, jetzt der Polizei alles zu erzählen.

Boyle:

Verstehen Sie, was ich sage ?
Ich denke, Sie stecken in Schwierigkeiten. In großen Schwierigkeiten.
Sutcliffe:Ich denke, Sie wollen auf etwas hinaus.
Boyle:Auf was denn hinaus ?
Sutcliffe:Den Yorkshire-Ripper.
Boyle:Auf den Yorkshire-Ripper ?
Sutcliffe:Nun, ich bin es.
Boyle:Peter, bevor Sie weiter sprechen: Ich muss Ihnen mitteilen, das Sie nicht verpflichtet sind, etwas zu sagen und alles was Sie sagen, schriftlich festgehalten wird und als Beweis verwendet werden kann.
Haben Sie das verstanden ?
Sutcliffe:Ja, ich habe verstanden.
Boyle:Wünschen Sie einen Anwalt, der Ihnen beisteht ?
Sutcliffe:Nein, ich brauche keinen Anwalt. Ich will Ihnen genau erzählen, was ich getan habe.
Ich bin froh, dass es vorbei.
Ich hätte das Mädchen in Sheffield getötet, wenn ich nicht gefasst worden wäre. Ich möchte meiner Frau alles persönlich erzählen. Ich möchte nicht, dass sie es von jemand anderen erfährt. Ich möchte damit Sonia und meine Familie schützen. Nicht mich!
Boyle:Sie gingen nicht an die Wand um zu urinieren, oder ?
Sutcliffe: Nein, ich weiß, worauf Sie hinaus wollen. Sie haben den Hammer und das Messer gefunden, oder ?
Boyle:Ja, haben wir. Wo haben Sie sie hingetan ?
Sutcliffe:Als sie das Mädchen zu dem Polizeiwagen führten, stieg ich aus und legte es zwischen Wand und Öltank. Ich hoffte, auf Kaution frei zu kommen, wollte dann mit einem Taxi dorthin fahren und die Werkzeuge wieder an mich nehmen. Damit wäre ich fein raus gewesen.
Boyle:Erzählen Sie mir, wenn Sie der so genannte Ripper sind, wie viele Frauen haben Sie getötet ?
Sutcliffe:Elf, aber nicht die in Preston. Ich war wohl mal in Preston, habe aber nicht die erledigt.
Boyle:Sind Sie der Verfasser, der von Sunderland aus die Briefe und die Kassette an die Polizei geschickt hat und behauptete, der Ripper zu sein ?
Sutcliffe:Nein, bin ich nicht. Aber als diese Sachen geschahen, fühlte ich mich sicher. Ich bin kein Geordie. (Bezogen auf den Akzent des Verfassers der Kassette. Anmerk. des Autors). Ich bin in Bingley geboren.
Boyle:Haben Sie eine Idee, wer die Briefe und die Kassette geschickt haben könnte ?
Sutcliffe:Nein, niemand den ich kenne. Ich habe keine Idee, wer es war.
Boyle:Wann fing alles an ?
Sutcliffe:Mit Wilma McCann. Ich wollte sie eigentlich nicht ermorden, aber sie verspottete mich. Später wuchs und wuchs es in mir, bis ich zur Bestie wurde.
Boyle:Kennen Sie alle Namen Ihrer Opfer ?
Sutcliffe:Ja, ich kenne alle Namen.
Boyle:Haben Sie Zeitungsartikel gesammelt oder sich irgendwelche Aufzeichnungen gemacht ?
Sutcliffe:Nein, sie sind alle in meinem Gehirn, um mich daran zu erinnern, was für eine Bestie ich bin.
 
[. . .]

Dann folgte Peter Sutcliffes detaillierte Aussage und Beschreibung der Morde und Attacken, inklusive umfangreichen Täterwissen. Er erzählte alles, völlig emotionslos, in einer ruhigen Tonlage. Sutcliffe musste später die Zahl der Opfer auf Zwölf korrigieren. Den Mord an Marguerite Walls verschwieg er zunächst. Damit erhoffte sich Peter Sutcliffe, auf eine absurde Weise, eine Art Verhandlungsspielraum.
Gegen Abend trat ACC George Oldfield mit den Worten: "Ich bin derjenige, den Sie ebenfalls getötet haben."[sic!] in den Vernehmungsraum. Sutcliffe ging darauf nicht ein.
Um 22.30 Uhr an diesem Sonntag wollte er nun alles seiner Frau beichten. Diese Bitte wurde ihm gewährt.
 

(Übersetzung: Klaus Makarewicz)



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