Am 29.April 1981 begann im Gerichtssaal 1 des Central Criminal Court "Old Bailey" der Prozess gegen Peter William Sutcliffe. Hunderte Menschen
warteten seit dem Vorabend vor dem Gericht, um einen der 30 Zuschauerplätze zu ergattern. Journalisten, die keinen Zutritt hatten, boten Kollegen zum
Teil mehrere Hundert Pfund für deren Presseausweis an. Viele Zuschauer waren enttäuscht, als gegen 11 Uhr ein gepflegt aussehender ruhiger Mann in den Saal
geführt wurde und nicht eine mordende Bestie. Nach nur 14 Prozesstagen schickte Richter Sir Leslie Boreham um 10.21 Uhr die 12 Geschworenen -
6 Männer und 6 Frauen - zur Urteilsfindung in das Beratungszimmer. Um 15.28 Uhr trat der Geschworenensprecher ins Richterzimmer, um dem Vorsitzenden mitzuteilen,
dass die Geschworenen nicht zu einem einstimmigen Urteil gekommen wären. Richter Boreham erläuterte daraufhin, dass auch eine Stimmenmehrheit ausreichend sei. So zogen sich
die Geschworenen erneut für weitere 47 Minuten zurück. Als sich wieder alle in dem Gerichtsaal eingefunden hatten, verkündete Richter Boreham mit den Worten: "Peter
William Sutcliffe, die Geschworenen haben Sie mit 10 zu 2 Stimmen des 13-fachen Mordes, wenn ich sagen darf, Mordes der besonders feigen Art, für schuldig
befunden. Sie sind ohne Zweifel ein gefährlicher Mann. Ich verurteile Sie zur einer lebenslangen Haftstrafe, von der Sie mindestens 30 Jahre
verbüßen müssen. [. . .]" das Urteil. Anschließend wurde Sutcliffe, ohne eine Gefühlsregung zu zeigen, aus dem Gerichtssaal geführt. Damit endete der, bis heute,
spektakulärste Fall eines Serienmörders in Großbritannien. ( Fotos und Infos zur Gerichtsverhandlung siehe
hier )
Peter Sutcliffe wurde zur Verbüßung seiner
Strafe in das Hochsicherheitsgefängnis Parkhurst Prison auf die Insel Isle of Wight verlegt. Anfang 1982 beantragte Sonia Sutcliffe die juristische Trennung
von ihrem Ehemann Peter.
 James Costello Ende desselben Jahres wurde bei Peter Sutcliffe die
Diagnose "paranoide Schizophrenie" festgestellt. Daraufhin wurde er in die medizinische Abteilung des Gefängnisses verlegt, wo er am 10.Januar 1983 von dem 35-jährigen Mitgefangenen
James Costello angegriffen wurde. Als Sutcliffe eine Plastikflasche mit Leitungswasser auffüllen wollte, trat Costello
Peter Sutcliffe nach der Attackean ihn heran und schlug ihm 2-mal mit einer zerbrochenen Kaffeekanne ins Gesicht. Sutcliffe musste mit 30 Stichen genäht werden. James
Costello, der bereits mehrfach Mithäftlinge angegriffen hatte, wurde für diese Tat zu weiteren 5 Jahren verurteilt. Peter Sutcliffe, der sich langsam von der Attacke erholte, erhielt
wöchentlich ca. 30 Briefe von Frauen, die er größtenteils auch beantwortete. 1983 gingen die meisten Polizisten der einstigen "Ripper-Squad" in Pension.
George Oldfield erkrankte schwer und verstarb Mitte 1985. Im darauf folgenden Jahr, 1984, wurde Peter Sutcliffe wegen seiner psychischen Probleme in das Broadmoor Hospital nach Berkshire verlegt. Danach wurde es
um den Yorkshire-Ripper ruhig. Erst am 17.Mai 1992 entdeckte man bei der Durchsuchung seines Zimmers in einer Tasche 2 Metallsägeblätter. Sutcliffe tat ahnungslos und beteuerte,
keine Fluchtgedanken zu haben. Es konnte nie geklärt werden, wer die Sägeblätter dorthin platziert hatte. 1994 wurde die Scheidung des Ehepaars Sutcliffe vollzogen. Sonia Szuma,
geschieden Sutcliffe, heiratete 3 Jahre später einen Frisör in Bradford.
Am 23.Februar 1996 klopfte der wegen Einbruchs verurteilte Paul Wilson
 Peter Sutcliffe - 1995 an Sutcliffes Zimmertür um sich ein Videofilm auszuleihen. Als Peter Sutcliffe
die Tür öffnete, wurde er sofort von dem körperlich überlegenen Wilson angegriffen, der ein Kopfhörerkabel um Sutcliffes Hals schlang und mit aller Gewalt zuzog. Makabererweise retteten
zwei Mörder - der Serienkiller Kenneth Erskine ("Stockwell Strangler") und Jamie Devitt - dem schreienden Sutcliffe das Leben. Wilsons Motiv war der blanke Hass auf Sexualtäter. Zunächst
kam Paul Wilson in Isolationshaft, wurde aber für die Attacke nicht weiter belangt. Das Sutcliffe auch weiterhin kein ruhiges Leben hinter den Gittern des Hospitals
 Ian Kay / Kenneth Erskineführten konnte, zeigte sich 13 Monate später. Am 10.März 1997 klopfte diesmal
der 29-jährige Ian Kay an Sutcliffes Zimmertür um sich einen Briefumschlag zu leihen. Kay schob Sutcliffe, als dieser die Tür öffnete, ins Zimmer zurück und stach ihm mit einem Kugelschreiber
in beide Augen. Als Ian Kay mit blutbeflecktem T-Shirt auf den Gang trat, fiel er einem vorbei kommenden Pfleger auf. Peter Sutcliffe wurde umgehend in ein nahe liegendes Krankenhaus gebracht.
Durch diese Attacke erblindete er auf dem linken Augen und verlor auch an Sehkraft auf dem rechten. Der wegen Mordes und 16-fachen schweren Raubs zu 22 Jahren verurteilte Ian Kay gestand die Tat ein und
erzählte freimütig, dass er bereits vor Monaten eine Rasierklinge gestohlen hatte; diese an den Kopf seiner Zahnbürste befestigte, um damit Sutcliffe zu töten. Doch dem Personal des Hospitals war der
Verlust der Rasierklinge aufgefallen und bei der anschließenden Zimmerdurchsuchung bei Kay, fand man die als Waffe umfunktionierte Zahnbürste. Daraufhin behauptet Ian Kay gegenüber dem Personal, er habe damit
Selbstmord begehen wollen. Im Januar 1998 wurde Kay zu einer unbefristeten Sicherungsverwahrung verurteilt. Eine interessante Meldung ging im November 2000 durch die englische Presse. Der
pensionierte Detective Inspector John Boyle, der Peter Sutcliffe 1981 verhört hatte, wurde wegen der Weitergabe von polizeiinternen Informationen, die er aus dem Polizeicomputer ausgedruckt und an
Privatdetektive verkauft hatte, zu einer Haftstrafe von 6 Monaten verurteilt.
Anfang 2001 wurde bekannt, dass der Psychologe Dr. Andrew Horne, der Peter Sutcliffe
jahrelang im Broadmoor Hospital behandelt hatte, in einem Gutachten erklärte, das Sutcliffe keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit sei. Auf Nachfragen einiger Journalisten
 Peter Sutcliffe - 2005verweigerte Dr. Horne jeglichen Kommentar. Noch im selben Jahr änderte Peter Sutcliffe
seinen Namen in Peter Coonan, den Mädchennamen seiner Mutter. Am 17.September 2003 wurde die Fahndung nach "Wearside Jack", dem Verfasser der Briefe und der Kassette, nach 25 Jahren erfolglos
eingestellt. 2004 ließ sich Sutcliffes Ex-Frau Sonia von ihrem zweiten Ehemann scheiden und zog in das Haus in der Garden Lane in Bradford, in dem sie mit Peter Sutcliffe bis zu dessen Verhaftung 1981 gewohnt hatte.
Außerdem erfuhr die Öffentlichkeit, dass sie ihren Ex-Gatten sei Jahren regelmäßig besuchte und beide sich scheinbar wieder "näher" gekommen waren. Am 25.Juni 2004 verstarb Sutcliffes 81-jähriger Vater John an
Krebs. Sutcliffe Antrag auf Teilnahme an der Beerdigungszeremonie wurde abgelehnt. Ein halbes Jahr später, am 17.Januar 2005, durfte Peter Sutcliffe die Küste besuchen, an der die Asche seines
Vater verstreut worden war. Nach 20 Minuten ohne Handschellen und in Sichtweite des Bewachungspersonals beendete er, aufgrund der winterlichen Temperaturen, den Aufenthalt. Die Medienvertreter
witterten eine eventuell bestehende Fluchtgefahr, doch dem zuckerkranken, stark übergewichtigen Sutcliffe wäre wohl kaum eine Flucht geglückt.
Anfang Juli 2005 gab
die - weiterhin unglücklich agierende - Polizei von West Yorkshire bekannt, dass die Originalbriefe und -kassette des unbekannten Verfassers verloren gegangen seien. Umso mehr überraschte die
Meldung, dass Polizisten am 18.Oktober 2005 in Sunderland den 49-jährigen arbeitslosen Wachmann und Alkoholiker John Humble festnahmen. Humbles DNA - wegen eines schweren Verkehrdelikts in der nationalen
DNA-Datenbank aufgenommen - stimmten mit dem DNA von "Wearside Jack" überein. Dieses Material hatte die Polizei vor Jahren von den Briefumschlägen sichern können. Zunächst stritt Humble alles ab, gestand
dann aber ein, der gesuchte "Wearside Jack" zu sein. Am 21.März 2006 wurde John Humble in Leeds zu einer Haftstrafe von 8 Jahren verurteilt.
Hörprobenvergleich John Humble (1979/2006) abspielen (mp3)
Hörprobenvergleich John Humble (1979/2006) abspielen (wav) Peter Sutcliffe schreibt an seiner Autobiografie
und hofft als 65-jähriger - nach 30 Jahren Haft - im Jahr 2011 entlassen zu werden. Seine Chancen stehen nicht schlecht.
|