|
W ährend draußen die irischen Emigranten mit Straßenumzügen den St.Patrick's Day 1942 feierten, brachte Marion Elaine Gacy im Edgewater Krankenhaus in
 John Wayne Gacy (1953)Chicago/Illinois ihr zweites Kind, John Wayne junior, zur Welt.
Das Ehepaar hatte bereits die zweijährige Joanne, und sie sollten zwei Jahre nach Johns Geburt noch eine Tochter namens Karen bekommen. Die Gacys lebten in einer hauptsächlich
aus amerikanischen Mittelstandsfamilien bestehende Gegend im nördlichen Chicago. Die drei Kinder wurden katholisch konservativ erzogen. Vater John Stanley senior besaß die
Persönlichkeit eines Dr.Jekyll und Mr.Hide. Der hart arbeitender Anlagenführer und Perfektionist, der ständig an seinen eigenen hohen Ansprüchen scheiterte, war ein starker
Trinker und Familientyrann; unfähig Emotionen oder Zuneigung zu zeigen. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, ging er in den Keller und trank. Sobald er seinen Alkoholpegel erreich hatte,
kam er hoch und schikanierte die Familie. Und wehe, man hatte schon ohne ihn mit dem Abendessen angefangen. Immer öfters ließ er den Frust an seiner Frau aus. Als Marion Gacy
mit Baby Karen aus dem Krankenhaus nach Hause kam, schlug John senior seiner Frau einige Zähne aus. Sie lief schreiend aus dem Haus. Ihr Mann folgte der Flüchtenden und schlug solange
auf die am Boden kauernde Frau ein, bis die von den Nachbarn alarmierte Polizei eintraf und ihn stoppen konnte. Im Haus schrien sich die beiden älteren Gacy-Kinder vor Angst die Seele
aus dem Leib. ( Weitere Kinder-/Jugendfotos siehe
hier )
In den folgenden Jahren versuchte John junior vergebens die Liebe
und Anerkennung seines Vaters, den er trotz aller negativen Vorkommnisse anbetete, zu erhalten. Stattdessen er erreichte nur das Gegenteil: Sein Vater beschimpfte ihn als "Mama's Boy"
("Muttersöhnchen") und "Sissy" ("Schwächling/Feigling"). Wenn Vater und Sohn zum gemeinsamen Angeln gingen und der angetrunkene Senior keinen Fisch fing, bezog der Junge dafür Schläge.
Im Alter von 6 Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für Seide und Nylonstrümpfe. Durch Zufall fand seine Mutter beim Reinigen unter der Veranda eine Tüte mit ihrer Unterwäsche, die
ihr Sohn dort platziert hatte. Von Zeit zu Zeit hielt er die Wäschestücke in seinen Fingern und genoss das wohlige Gefühl des samtig weichen Stoffes. Zur Strafe machte John junior
mit dem Ledergürtel seines Vaters Bekanntschaft, und Mutter Marion zwang ihn, mehrere Tage ihre Slips zu tragen.
Während seiner Grundschuljahre verbrachte der kleine John, der wegen seiner Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft und in der Schule sehr beliebt war, bei den Pfadfindern oder besserte
sein Taschengeld mit nachmittäglichen Aushilfsjobs auf. Er arbeitete dann als Zeitungsausträger, Bürobote und als Wareneinpacker im örtlichen Supermarkt.
John junior
litt oft unter Angstzuständen. Der Junge fürchtete sich vor den anderen Kindern und geriet in Panik, sobald er das Geräusch von Sirenen hörte. Beim Herumtollen auf einem Spielplatz traf den
 John W. Gacy jr. (links) mit Bekanntenelfjährigen John Wayne Gacy die hölzerne Sitzfläche einer
Schaukel am Kopf. Zunächst war, außer einer Beule, nicht viel zu sehen. Doch schon bald fiel der Junge von Zeit zu Zeit einfach in Ohnmacht. Dies war für seinen Vater ein willkommener Anlass,
seinen Sohn noch mehr zu trietzen und ihn als schwulen, dummen Versager zu bezeichnen. Erst 5 Jahre später diagnostizierte ein Arzt im Kopf ein Blutgerinnsel als Ursache der Ohnmachtsanfälle.
John wurde daraufhin medikamentös behandelt. Mit 16 Jahren ging er erstmals mit einem Mädchen aus und lernte wenig später seine erste Freundin kennen. Sein Leben schien in relativ normale
Bahnen zu verlaufen. Aber seine Gesundheit verschlechterte sich zunehmend. 1959 wurde Gacy junior mit starken Brustschmerzen und Atemnot in ein Krankenhaus eingeliefert. Er war im Haus eines
Freundes zusammengebrochen. Als seine Mutter das Krankenzimmer betrat, wich sie entsetzt zurück. Ein übereifriger Pfarrer gab dem bewusstlosen John Wayne die letzte Ölung. Doch es stellte sich
heraus, dass die Situation nicht so dramatisch war. Nach langen Untersuchungen wurde eine Herzschwäche festgestellt, mit der Gacy sein Leben lang immer wieder gesundheitliche Probleme
haben sollte und er mehrfach stationär behandelt wurde.
Auf der High School entdeckte der Teenager sein Interesse an Uniformen.
 John W. Gacy jr. (links) beim Katastrophenschutz Er trat der "Chicago Civil Defense"(CCD),
einer Katastrophenschutzorganisation, bei. So war es ihm möglich, in Uniform und mit Blaulicht auf seinem ersten Wagen, zu größeren Unfällen und Bränden
zu fahren. Doch seinem Vater, der das Auto finanziert hatte, waren diese Aktivitäten seines Sohnes ein Dorn im Auge. Der Senior entfernte die Verteilerkappe des Wagens und verhinderte
so, dass John junior mobil unabhängig war. Diese Aktion brachte das Fass zum Überlaufen. Der junge Mann, der sich schon lange nicht mehr alles von seinem Vater gefallen ließ, brach die
 Gacy jr. (2. von links) auf einer Party Highschool ab und wendete seiner Heimat den Rücken zu. In
Las Vegas schließlich fand er einen schlecht bezahlten Job als Hausmeister bei einem Beerdigungsinstitut. Aber John Gacy suchte eine Arbeitsstelle mit ordentlicher Bezahlung. Da er keine fand,
blieb ihm nichts anderes übrig, als drei Monate lang seinen kargen Lohn zu sparen und sich davon eine Buskarte mit dem Ziel Chicago zu kaufen. Dort schrieb er sich - unter dem Gespött
seines Vaters - an der kaufmännischen Hochschule ein. Nach erfolgreichen Abschluss fand Gacy eine Anstellung als Schuhverkäufer bei der "Nunn Bush Shoe Company" in Downtown Chicago.
Dort wurde die Geschäftsleitung schnell auf den ehrgeizigen jungen Mann aufmerksam. Gacy war sehr engagiert und zeigte ein außergewöhnliches Talent im manipulativen Umgang mit Kunden. Die
Verkaufszahlen des Shops gingen drastisch in die Höhe. Als Anerkennung seiner Leistung schickte man ihn - mit Aussicht auf die Stelle des Geschäftsführers - zu der Filiale eines
Herrrenbekleidungsgeschäfts nach Springfield/Illinois.
|