John Wayne Gacy jr.
- Der Clown mit den zwei Gesichtern -
Am 7.August 1976 erschein die in Tränen aufgelöste Esther Johnston auf der Polizeistation von Bensonville, einem Vorort von Chicago. Sie wollte ihren Sohn Richard, genannt "Rick", als vermisst melden.
Der gutaussehende 17-Jährige war am Vorabend von
Richard Johnston
seiner Mutter zu einem Musikkonzert, das im Aragon Ballroom in Chicago Northwest Side stattfand, gefahren worden. Der Musterschüler, der wegen seiner Überpünktlichkeit bekannt war, versprach seiner Mutter, sie nach dem Konzert anzurufen, damit sie oder seine Schwester ihn abholen konnte. Doch der Jugendliche meldete sich nicht. Esther Johnston rief ihren ältesten Sohn Gregg an, der aus Iowa anreiste.
Man entwarf ein Suchplakat und verteilt es überall in der Stadt. Später erfuhr Esther, dass Rick von Anhänger der "Unification Church" (deutsch: Vereinigungskirche) des Sektenführers Sun Myung Mun (die "Mun-Sekte" existiert seit 1954 und fiel besonders in den 70er/80er Jahre wegen der Massenhochzeiten auf. Anmerk. des Autors) aufgegriffen worden war.
Die stark depressive Frau klammerte sich an jeden Strohhalm. Sie fuhr mit ihren Kindern am 18.September 1976 zu einem Happening der Sekte nach Washington D.C.. Dort suchten sie Rick vergeblich. Als Mrs Johnston mit einem Verantwortlichen der Sekte sprechen wollte, lachte dieser sie nur aus.
Auch Monate später hoffte die Familie, dass Rick jeden Moment in der Tür stehen würde. Ein Mädchen von der High School beschäftigte sich mit Parapsychologie. Sie erzählte einem Freund von Rick, dass sie bei einer ihrer Sitzungen Rick Johnston unter einem Haus gesehen habe. Dort sei es sehr dunkel, er hätte keine Schuhe an und seine Füße seien eiskalt.
Nie gab Familie Johnston die Hoffnung auf, bis Ende 1978 John Wayne Gacy in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückte und Ricks Schwester Kari sich - mit einem unguten Gefühl - zu dem Haus in der Summerdale Avenue aufmachte.

John Gacy hatte eigentlich keine Lust mehr,
Gregory J. Godzik
selbst die Erdgräber im Kriechboden seines Hauses auszuheben. Er beauftragte seinen Angestellten Gregory J. Godzik mit der anstrengenden Arbeit.
Gacy zeigte dem 17-Jährige genau die Stellen, wo er, wie Gacy ihm plausibel erklärte - Gräben für Drenagerohre graben sollte. Der Unternehmer überprüfte die Arbeit des Jugendlichen ständig, um sicher zu gehen, dass Godzik nicht an falscher Stelle grub und dort Leichenteile entdecken würde. Doch Gregory hielt sich an den Vorgaben seines Chefs.
Gregory Godzik, den Gacy bei einer Holzfirma abgeworben hatte, war erst sei einigen Wochen bei PDM Constactor angestellt. Er arbeitete gerne für seinen neuen Chef - vor allen Dingen, weil Gacy ihn mit $5,50 Stundenlohn das Doppelte zahlte, als er zuletzt verdient hatte.
Auch der durchdringende Verwesungsgeruch im Kriechboden schien ihn nicht so zu stören - John Gacy hatte etwas von verfaulten Tierkadavern erzählt. Mit einem Tuch vor dem Mund konnte man eine Weile arbeiten.
Gregory konnte ja nicht ahnen, dass er sein eigenes Grab aushob!
Am Samstag, den 11.Dezember 1976, hatte er ein spezielles Date mit seiner Freundin Judy Patterson. Nachdem sich beide zerstritten hatten, sollte an diesen Abend Versöhnung gefeiert werden. Kurz nach Mitternacht brachte Gregory Judy wieder nach Hause. Danach wurde er nicht mehr lebend gesehen.

Am Sonntag rief seine Mutter Eugenia die Polizei in Chicago an.
1965er Pontiac Catalina
Doch der Polizeibeamte sagte ihr, man könne innerhalb einer 24 Stunden-Frist nichts unternehmen.
Mrs Godziks Befürchtungen, dass Gregory etwas zugestoßen sei, wurde am Nachmittag verstärkt.
Ein Freund ihres Sohnes hatte im Nachbarort Niles auf dem Parkplatz einer Tierhandlung Gregorys Auto entdeckt. Eine Polizeistreife überprüfte den 1965er Pontiac Catalina - Gregorys ganzer Stolz, den er dort niemals unverschlossen stehen lassen würde.
Vier Tage später rief Eugenia bei John Gacy an. Er sagte, Gregory habe auf seinem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen, dass er am Vortag wieder zur Arbeit kommen wollte, aber nie erschienen sei. Auf die Frage der verzweifelten Frau, ob Gacy noch das Band mit der Aufnahme habe, verneinte er und sagte, er habe die Nachricht schon gelöscht.
Auch Judy Patterson wollte sich bei Gregorys Arbeitgeber erkundigen. Sie ging mit zwei Freundinnen zu Gacys Haus. Der Unternehmer sagte ihr, er habe den Jungen seit Freitag vergangener Woche nicht mehr gesehen und nehme an, dass er weggelaufen sei. Außerdem kenne Gacy Leute des "Syndikats" in Chicago. Dort wolle er mal schauen, was er da so machen könne - doch Gacy unternahm weder etwas, noch hatte er Kontakte zur Unterwelt.

In der Nacht zum Sonntag traf John Gacy Gregory Godzik zufällig und war mit ihm in die Summerdale Avenue gefahren. Dort hatten beide Marihuana geraucht, dann bot Gacy ihm Oralsex an. Der geschockte Junge lehnte verschämt ab. Nun kam "Jack Hanley", einer seiner Alter Egos, ins Spiel, wie John Wayne Gacy später vor Gericht behauptete. Er zeigte ihm den todbringenden "Seil-Trick".
Eugenia Godzik engagierte den Privatdetektiv Anthony J. Pellicano, der von sich behauptete, der beste Detektiv der Stadt zu sein. Doch er nutzte die Verzweiflung der Godziks nur aus. So erhielt Pellicano $5000 für die Ermittlungsarbeit und weitere $10.000 bei erfolgreichem Aufspüren des Jungens. Allerdings brauchte er innerhalb der zwei Jahre erstaunlicherweise keine Zwischenberichte abliefern.
Es darf bezweifelt werden, das der Privatdetektiv je aktiv war, da die Polizei John Gacy wenige Tage vor Ablauf der Vertragsfrist verhaftete und Gregorys Schicksal erst anschließend bekannt wurde.

Auch im neuen Jahr 1977 wurde John Wayne Gacy schnell
John Szyc
wieder aktiv. Am 20.Januar sprach er am Bunghouse Square den sehr feminin wirkenden Stricher John Szyc an. Man einigte sich auf $20 und der 19-Jährige folgte dem Freier in seinem eigenen Wagen. Nach dem Sex verlangte Szyc plötzlich mehr Geld von Gacy. Dieser holte wieder sein Seil und den Stock hervor, und zeigte dem Ahnungslosen den "Seil-Trick".
Doch dieses Mal wurde John Gacy ein wenig unvorsichtig. Er verkaufte Szycs 1971er Plymouth Satellite an einem anderen Jugendlichen. Dieser überfiel im August 1977 eine Tankstelle, konnte aber wegen des Kennzeichens später von der Polizei festgenommen
1971er Plymouth Satellite
werden. Der Junge, der Michael Rossi hieß, behauptete, den Wagen von einem John Wayne Gacy abgekauft zu haben. Aber der eigentliche Vorbesitzer hieß John Szyc und wurde seit 7 Monaten vermisst.
Eine Polizeistreife fuhr daraufhin zu Gacys Haus. Der Unternehmer erklärte den Polizisten, er habe John Szyc tatsächlich den Plymouth abgekauft, da der junge Mann sofort Geld benötigt habe, um in einer anderen Stadt ein neues Leben anzufangen. Wo sich nun Szyc aufhalte, wisse er auch nicht. Diese Aussage genüge den Polizisten und sie fuhren wieder weg.
Langsam bekam Gacy auch in der Stricherszene Chicagos einen schlechten Ruf. Einige der jungen Männer erzählten, dass Gacy sie während und nach dem Sex geschlagen und gefoltert habe - sie dann aber mit Geld "beruhigte".

Gacys nächstes Opfer war der 20-jährige Jon
Matthew H. Bowman
Prestidge, der erst vor einigen Monaten nach Chicago gezogen war, um dort eine weiterführende Schule zu besuchen. Nicht ganz geklärt werden konnte, ob Prestidge am Bunghouse Square anschaffen ging oder, wie sein Freund Roger Sahs später aussagte, er am Abend des 15.März 1977 mit Jon Prestidge zwei Blocks vom Bunghouse Square entfernt in einem Restaurant gegessen habe und sich beide dann trennten. Sahs habe Prestidge noch davor gewarnt, in Richtung Bunghouse Square zu gehen.
Robert Gilroy

Dort griff John Wayne Gacy wahrscheinlich Jon Prestidge auf, machte den jungen Mann zu Hause betrunken und fesselte ihn. Dann folterte und erdrosselte sein Opfer. Für Gacy war das inzwischen reine Routine; ihm fehlte inzwischen der Kick. Er war immer auf der Suche nach neuen Inspirationen.
Am 5.Juli 1977 verabschiedete sich Matthew H. Bowman von seiner Mutter, die ihn zum Bahnhof gebracht hatte. Der 19-Jährige wurde nie wieder lebend gesehen. Zwei Monate später verschwand der 18-jährige Robert Gilroy. Er hatte sich mit Freunden zu einem Ausritt auf einem Pferdehof verabredet. Auf den Weg zum Bus traf der Tramper auf John Gacy, der ihn nur zu gerne mitnahm. Gilroys Vater, ein Polizist, unternahm alles, um seinen Sohn aufzuspüren, doch Robert blieb wie vom Erdboden verschluckt.
Nicht gut meinte es das Schicksal mit Delores Neider. 1972 wurde ihre damals 21-jährige Tochter Judith von einem Unbekannten in ihrer Wohnung erstochen und nun verschwand auch noch ihr Sohn John Mowery spurlos. Der 19-jährige Ex-Marinesoldat besuchte sie am 25.September. Als er abends aufbrechen wollte, lieh ihm seine Mutter einen Regenschirm. John verabschiedete sich von ihr und verschwand spurlos in die Nacht.

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