John Wayne Gacy jr.
- Der Clown mit den zwei Gesichtern -
Am 3.Mai fand, wie geplant, der Umzug in Chicago statt.
Die First Lady und der Serienkiller
Für John Gacy war dieser Tag etwas ganz besonderes. Als Ausrichter traf er abends während eines Empfangs auf den Ehrengast, die First Lady. Kein geringere als Rosalynn Carter, die Frau des amtierenden amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter. Mit diesem Zusammentreffen erhoffte sich John Gacy seine politische Karriere forcieren zu können.
Nur einen Monat später hatte er allerdings ganz andere Probleme. Gacy litt wieder unter Herzbeschwerden, ihm fiel es immer schwerer, die Leichen in den Kriechboden zu schleppen und die Gräber zuzuschütten. Außerdem gab es dort langsam ein Platzproblem. Er musste sich eine andere Lösung für die Entsorgung der Leichen ausdenken.
Im August wurde dann auch noch bei John Gacy die Geschlechtskrankheit Syphilis diagnostiziert.
Der 36-Jährige erwähnte mehrfach gegenüber seiner Mutter und den Schwestern, dass er wahrscheinlich vor seinem vierzigsten Geburtstag gewaltsam zu Tode kommen würde. Im November 1978 teilte er seiner älteren Schwester Joanne mit, dass ihr Mann, im Fall eines Ableben Gacys, dessen Geschäft weiterführen sollte.

Der Sohn seiner Nachbarn, Ron Grexa, arbeitete auch für John Gacy. Obwohl seine Eltern mit dem Unternehmer befreundet waren, bot ihm John Gacy Geld gegen Sex an. Ron, der so schon sauer auf Gacy war, da dieser ihm auch nicht den vollen Lohn auszahlte, war dermaßen erbost, das er Gacy mitsamt dessen Haus anzünden wollte. Daraufhin ging John Gacy - sich keinerlei Schuld bewusst - zur Polizei und meldete Grexas Drohung.
Einige Stunden später bemerkte er wohl seinen Fehler und ging zu den Nachbarn, um sich zu entschuldigen.

Die Nisson Apotheke lag in einem
Die Nisson Pharmacy (Apotheke)
Einkaufszentrum in Des Plaines. Die Besitzer Phil und Larry Torf beschäftigten hauptsächlich Teilzeitkräfte, bei denen es sich fast ausschließlich um Schüler handelte. Am Montag, den 11.Dezember 1978 war unter anderem auch Robert Jerome Piest gegen 18 Uhr zur Spätschicht erschienen. Seine Mutter Elisabeth, die an dem Tag ihren sechsundvierzigsten Geburtstag feierte, brachte ihn zur Arbeit.
Dort war bereits John Gacy mit dem Ausmessen der Regale beschäftigt. Gacy hatte einen Firmenzweig gegründet, den er "P.E.Systems" nannte und der sich ausschließlich auf den Innenausbau und -umbau von Apotheken und Drogerien in Chicago spezialisiert hatte. Phil Torf, ein Freund Gacys, hatte einige Umbaumaßnahmen in seiner Apotheke beschlossen. Gegen 19.15 Uhr verabschiedete sich John Gacy
Robert J. Piest
von Torf, wobei er seinem Terminblock auf den Verkaufstresen vergaß.
9 Minuten vor 21 Uhr erreichte Elisabeth Piest die Apotheke, um ihren Sohn abzuholen. Einige Minuten später hielt ein Kleinlaster mit einem Schneepflug vor dem Geschäft und Gacy erschien erneut bei Torf. Er müsse noch einige Aufmaße für die Regale nehmen, erzählte er den Apotheker.
John Gacy lief durch den Laden und sprach mit einigen der Angestellten. Exakt um 20.58 kam Robert zu seiner wartenden Mutter, die auf einem Stuhl am Eingang des Ladens wartete, und sagte, dass er noch kurz mit einem Bauunternehmer sprechen wolle, der den 15-Jährigen, der eifrig auf einen Jeep sparte, einen lukrativen Job angeboten hatte. Dann zog er seinen Parker an und verließ die Apotheke.
Die Angestellte Kim Byers sah noch, wie Robert draußen mit Gacy sprach, kümmerte sich aber nicht weiter darum. Erst als Roberts Mutter
Harold und Elisabeth Piest
sie fragte, ob sie ihren Sohn gesehen habe, schauten beide vor dem Geschäft nach. Doch dort war niemand zu sehen. Elisabeth Piest bat Kim darum, sie anzurufen, sobald Robert wieder in der Apotheke aufgetaucht sei, damit sie ihn abholen könne. Dann fuhr Elisabeth nach Hause.
Um 9.25 Uhr rief die inzwischen besorgte Mutter bei der Nisson Apotheke an. Doch Robert war immer noch nicht erschien. Nun erfuhr sie wenigstens, wer der Unternehmer war, der ihren Sohn den Job angeboten hatte. Torf konnte ihr auch Gacys Telefonnummer geben. Roberts Vater Harold rief bei Gacy an, doch dort meldete sich nur der Anrufbeantworter.
Gegen 23.30 Uhr erschienen Elisabeth und Harold Piest auf der Polizeiwache von Des Plaines. Der Beamte, der die Vermisstenanzeige aufnahm, wollte die aufgebrachten Eltern mit dem üblichen Argument beruhigen, dass ihr Sohn wahrscheinlich nur weggelaufen sei und bald wieder wohlbehalten zu Hause auftauchen würde.
Während die Geburtstagstorte unangetastet in der Küche stand, suchten die Piests mit Tochter Kerry die ganze Nacht in den Straßen des Vororts nach ihren Sohn.

Am folgenden Morgen schauten sich der Leiter der Kriminalpolizei,
Lieutenant Kozenczak
Lieutenant Joseph L. Kozenczak und sein Kollege Ronald Adams die Vermisstenakte an.
Routinemäßig rief Detective Adams alle Personen an, die am Vorabend in der Apotheke anwesend waren. Sein dritter Anruf galt dem Unternehmer John Wayne Gacy. Dieser teilte dem Detective mit, dass er am 11.Dezember wohl in der Apotheke gewesen sei, aber weder einen Robert Piest kenne, noch jemanden dort einen Job angeboten hätte. Adams gab sich damit zufrieden.
Gegen Mittag erschien Harold Piest erneut auf der Polizeiwache, um die ermittelnden Beamten unter Druck zu setzten. Diese schickten den besorgten Vater nach Hause und wiesen ihn daraufhin, nicht auf eigene Faust zu ermitteln.
Am Nachmittag überprüfte Detective James Pickell - ebenfalls aus reiner Routine - das Autokennzeichen von John Gacys Oldsmobile Cutlass und rief im Polizeihauptquartier in Chicago an. Dort erfuhr er von dem einschlägigen und umfangreichen Vorstrafenregister des Geschäftsmanns.
Gegen 21 Uhr fuhren vier Detectives in zwei Zivilfahrzeugen in die Summerdale Avenue. Auch nach mehrmaligem Klopfen öffnete niemand die Haustür. Lieutenant Kozenczak und Detective Pickell gingen zu der Rückseite des Hauses.

Gacy saß im Sessel und sah fern. Als er die Polizisten bemerkte, öffnete er die Terrassentür und bat die beiden Beamten, nachdem sich Kozenczak ausgewiesen hatte, ins Wohnzimmer.
Der kleine dicke, aber energisch wirkende Unternehmer gab den Polizisten dieselben Auskünfte, die er bereits am Vormittag Detective Adams am Telefon gegeben hatte. Obwohl die Polizisten gegenüber John Gacy erwähnten, das Zeugen ihn mit Robert Piest haben sprechen sehen, widersprach er und behauptete, nie mit dem vermissten Jungen gesprochen zu haben.
Kozenczak teilte Gacy mit, er müsse mit zur Wache kommen, wo die Zeugenaussage schriftlich festgehalten werden sollte. Plötzlich wurde Gacy ungehalten. Nein, er habe keine Zeit mitzukommen. Sein Onkel war am Vorabend verstorben, und er müsse nun, wegen der bevorstehenden Beerdigung, viele Dinge erledigen. Ob die Polizei kein Respekt vor dem Tod hätte?
Schließlich entschied der Lieutenant, das John Gacy, sobald er in ein paar Stunden Zeit hätte, sofort auf dem Polizeirevier erscheinen solle. Sie würden dort auf ihn warten!

Der Onkel war tatsächlich verstorben. Aber John Gacy hatte ein ganz anderes Problem zu lösen: Auf dem Dachboden lag die Leiche von Robert Piest. Er hatte den Jungen am Vorabend in seinem Schlafzimmer erdrosselt und hatte dann die Nacht neben seinem toten Opfer verbracht. Gegen 6 Uhr am Morgen schleppte er den Toten auf den Dachboden, da er tagsüber keine Zeit fand, die Leiche zu entsorgen.
Kaum hatten die Polizisten sein Haus verlassen, rannte John Gacy nach oben und zerrte die Leiche in den Kofferraum seines Wagens. Ein Beamter im zweiten Zivilfahrzeug sah noch beim Wegfahren, wie Gacys Oldsmobile plötzlich aus der Auffahrt hervorgeschossen kam und sich mit hoher Geschwindigkeit entfernte. Da sich die Polizisten aber schon zu weit in die entgegengesetzte Richtung entfernt hatten, sahen sie von einer Verfolgung ab.
John Gacy fuhr zu einer Brücke auf der Autobahn I-55, von der er die Leiche von Robert Piest in die eisigen Fluten des Des Plaines Rivers warf. Auf den Rückweg verlor er auf rutschiger Fahrbahn die Kontrolle über sein Auto, kam von der Fahrbahn ab und blieb im Schnee stecken. Erst ein, von einem Autobahnpolizisten, herbeigerufener Abschleppwagen konnte Gacys Oldsmobile wieder auf die Straße ziehen.
Gegen 3.20 Uhr tauchte ein erschöpfter und von Schnellmatsch verdreckter John Gacy auf der Polizeiwache in Des Plaines auf und verlangte mit Lieutenant Kozenczak zu sprechen. Aber der wachhabende Polizist teilte ihm mit, dass er in einigen Stunden wieder kommen sollte, da der Lieutenant bis 1 Uhr gewartet habe und dann nach Hause gegangen sei. Kopfschüttelnd verließ Gacy wütend die Polizeiwache.

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