Etwa unter der Küche entdeckte er einige Haare, die aus dem Boden ragten. Genty brauchte nur 20 Zentimeter zu graben,
bis er auf eine milchige, wachsartige Schicht (= Leichenwachs (Adipocire frz., lat.) ist ein wachsartiges Fett, das sich bei der
Verwesung, teils aus vorhandenen Körperfett, teils aus dem Eiweiß der Gewebe, bei Luftabschluss und Feuchtigkeit des Lehmbodens bilden kann.
Der Zerfall des Körpers wird dadurch lange aufgehalten. Anmerk. des Autors) stieß. Darunter entdeckte er einen menschlichen Oberarmknochen.
Er rief Bettiker zu sich und sagte dann zu Joe Kozenczak, der durch die Falltür die Grabungsarbeiten beobachtete, dass John Gacy nun wegen
Mordes angeklagt werden könne. Kozenczak fragte, ob es wohl die sterblichen Überreste von Robert Piest seien. Doch dieser Knochen lagen schon
Monate, wenn nicht schon Jahre in der Erde. Schon bald stieß Daniel Genty erneut auf Knochen. Erschüttert rief er Lieutenant Kozenczak zu,
er vermute, dass wohl der gesamte Kriechboden voller Jungen sei. Um 22 Uhr wurde John Gacy aus dem Holy Family Hospital in die Hände
der Detectives Pickell und Hachmeister übergeben. Die Ärzte hatten keinerlei Anzeichen eines Infarktes entdeckt und vermuteten, das Gacy
nur simuliert habe. Im Polizeirevier wurden dem niedergeschlagen wirkenden Gacy erneut die Rechte vorgelesen, und er musste dies mittels
Unterschrift bestätigen. Dann wurde er durchsucht, erhielt die Kleidung für Untersuchungsgefangene, wurde erkennungsdienstlich behandelt und
schließlich in den Verhörraum geführt. ( Einige Auszüge der ersten Vernehmung von John W.Gacy siehe
hier )
Danach beriet sich Gacy lange
mit seinen Anwälten. Schließlich stimmte er einer umfassenden Aussage, die gegen 3.30 Uhr begann, zu. Er schätze die Opferzahl auf etwas 25 bis 30
 Die Detectives Robinson, Schultz und Albrecht führen John Gacy
zum Wagen junge Männer. "... irgendwann habe ich aufgehört zu zählen", so Gacy, "auf einen mehr oder weniger kommt es nicht an."[sic!].
In den letzten 6 Jahren habe er mit ca. 150 Strichern sexuell - aber nur oral, wie Gacy behauptete - verkehrt. Seine fünf letzten Opfer habe
Gacy von einer Autobahnbrücke der I-55 in den Des Plaines River geworfen. Einige Stunden später fuhr ein übermüdeter Tross, bestehend aus John Gacy,
den Detectiven Schultz, Robinson, Dave Sommerschield, den Anwälten Amirante und Stevens und Gacys älterer Schwester Joanne zu der besagten Autobahnbrücke.
Sie wurden von einem Wagen eines TV-Senders verfolgt. Schnell zeigte Gacy den Beamten die Stelle, an der er die Leichen in den Fluss geworfen hatte,
dann fuhr der Tross mit hohem Tempo in die 8213 West Summerdale Avenue. Vor Gacys Haus hatten sich bereits die ersten verzweifelten Angehörigen von
vermissten Jungen, viele Schaulustige und einige Übertragungswagen von Radio- und Fernsehstationen eingefunden. Als die beiden Zivilwagen der Polizei
eintrafen, gelang es der Polizei nur mit viel Mühe, die neugierige Menschenmenge von dem Wagen, in dem der Serienmörder saß, zurückzuhalten. John Gacy wurde
in die Garage geführt, wo er die Stelle markierte, an der er vor drei Jahren John Butkovic vergraben hatte. ( Weitere Fotos vom 22.Dezember 1978
siehe
hier )
Im Haus reagierte John Gacy sehr verärgert. Er verlangte, dass sich jemand um seine Pflanzen
 Der grinsende Killer und den Hund kümmerte. Außerdem schimpfte
er auf die zahlreichen Polizisten, die mit ihren dreckigen Schuhen den Fußboden im Flur stark verschmutzt hatten. Dem anwesenden Staatsanwalt Terry
Sullivan missfiel der lachse Umgang mit dem Verdächtigen. Harsch fuhr er die Detectives an, den ungefesselten Gacy sofort Handschellen anzulegen, was den
Polizisten offensichtlich nicht aufgefallen war. Nach der Rückkehr wurde John Wayne Gacy im Polizeirevier erneut und ausführlicher erkennungsdienstlich behandelt.
Auf die Frage, wo er geboren sei, schaut er auf und antwortete, im "Land der Verwirrten". John Gacy konnte mit dem Lachen nicht mehr aufhören. Noch bei der
Fotoaufnahme musste er grinsen. Dann durfte Gacy sich für ein paar Stunden hinlegen, wurde aber des Öfteren von einen der Detectives geweckt, um potenzielle Opfer,
anhand von Fotos vermisster junger Männer, zu identifizieren. Am 23.Dezember 1978 verlegte man ihn zur psychischen Untersuchung in das Czermak Mental Hospital.
Am gleichen Tag wurden die Ausgrabungsarbeiten in Gacys Haus wegen der Weihnachtstage eingestellt. Die Experten der Spurensicherung hatten bereits große Teile
des Holzfußbodens herausgerissen und bis dahin die sterblichen Überreste von vier jungen Männern ausgegraben. Die Leichen Nummer 3 und 4 wurden anhand eines
Abgleichs ihres Zahnschemas als John Szyc und Gregory Godzik identifiziert. Probleme hatte die Beamten mit Leiche Nummer 2, die nur wenige Zentimeter unter der
von John Szyc lag. Daher waren die Knochen der beiden zum Teil durcheinander geraten. John Gacy hatte, um Platz zu sparen, teilweise zwei Leichen übereinander
vergraben.
Bis zum 28.Dezember hatte die Polizei, unter Leitung des Rechtsmediziners Dr. Robert Stein, 26 Leichen aus dem 8,5 x 11,5
Meter großen Kriechboden sowie John Butkovichs Leiche aus dem Garagenboden geborgen. Die an den Grabungen beteiligten Polizisten hatten eine Art morbiden Humor
entwickelt. So existierte eine Wette um die Zahl der vergrabenen Leichen, die zwischen 5 und 24 tendierte. Bei einem naheliegenden Hotelrestaurant bestellte man
täglich "Finger Sandwiches". Ein Beamter schlug vor, später einmal Plastikskelette an Stelle der Leichen in den Kriechboden zu legen, dann einen Glasfußboden zu
verlegen und Gacys Haus als "Schwulen-Disko"[sic!] zu betreiben. Man benutzte Gacys Mikrowelle und fragte sich gleichzeitig, was der Serienmörder sich dort wohl
so zubereitet hatte. Auf die Frage eines erstaunten Journalisten, warum die Polizisten so viele schwarzhumorige Witze rissen, antwortete einer der leitenden Sergeants,
dass er beunruhigt wäre, wenn seine Männer nur still vor sich hergraben würden. Das Herumgealber diene als Ablassventil für das in diesem Haus erlebte Grauen.
Hierzu ein kleines Beispiel: Als eine relativ gut erhaltene Leiche geborgen wurde, blähte sich der Körper so schnell mit Verwesungsgasen auf, das Dr. Stein nichts
anderes übrig blieb, als den Bauch mit einem Skalpell zu öffnen, damit die Gase entweichen konnten und der Körper nicht explodierte. Nach der
Befragung der Nachbarn gab Edward Grexa zu Protokoll, dass er vor 1 oder 2 Jahren John Gacy in der Nacht gegen 3 Uhr beim Erdreich ausheben gesehen habe. Grexa meinte
damals scherzhaft zu Gacy, ob dieser dort sein eigenes Grab schaufeln würde. Worauf der Unternehmer - überraschend missgelaunt - seinen Nachbar nur mit den Worten: "
Das ist überhaupt nicht lustig!" antwortete. John Gacy hatte an der Stelle einen Grillplatz gebaut. Nun vermuteten die Polizei, dass dort eventuell weiteren Leichen
vergraben seien - die Beamten entdeckt dort aber zunächst nichts. Ein anderen Nachbar, Anthony DeLaurentis, der gegenüber von Gacy wohnte, hatte während eines sehr
heißen Sommers beim Rasenmähen beobachtet, wie an John Gacys Haus ein dicker Schlauch aus dem Kriechboden herausragte und dort übel riechendes Wasser heraus sickerte.
Besonders wenn der Wind ungünstig in DeLaurentis Richtung wehte, war die Geruchsbelästigung sehr stark. DeLaurentis beschwerte sich bei Gacy. Dieser entschuldigte sich
wortreich und versprach, dass er den Schlauch am nächsten Tag wegnehmen und den Rinnstein von dem brakigen Schlamm befreien würde - was auch geschah.
( Weitere Fotos von den Ausgrabungsarbeiten in John Gacys Haus siehe
hier )
Inzwischen konnten die Detectives auch die
erste Leiche, die Gacy über die Brücke an der I-55 in den Des Plaines River geworden hatte, identifizieren. Bereits am 30.Juli 1978 war am 80 Kilometer entfernt
gelegenen Dresden Island Damm eine stark verweste Leiche entdeckt worden, die bislang nicht identifiziert werden konnte. Die Polizei des zuständigen Grundy
County konnte aber Fingerabdrücke nehmen. Auffällig an der Leiche war eine Tattoo mit dem Schriftzug "Tim Lee" auf dem rechten Oberarm. Anfang Januar 1979
entschied man sich, per Zeitungsannonce die Bevölkerung zur Mithilfe aufzurufen. Daraufhin meldeten sich am folgenden Tag einige Männer, die vor Monaten einen Typen
mit diesem Tattoo in lokalen Homosexuellen-Bars in Chicago gesehen hatten. Seinen Namen lautete Timothy O'Rourke. Schließlich konnte sein Vater die Leiche anhand des Tattoos
identifizieren. Die Transsexuelle Dorita Ganzon hatte O'Rourke als letzte lebend gesehen, als Timothy nur mal kurz Zigaretten holen wollte und nie wieder
auftauchte. Vorher hatte Timothy ihr erzählt, dass ein Unternehmer namens Gacy ihm einen Job angeboten hatte.
Am 12.November
1978 entdeckten Entenjäger am Des Plaines River eine männliche Leiche. Bei den Toten handelte es sich um Frank Wayne Landingin. Der 19jährige Dealer und Zuhälter
 Frank W. Landingin war in der Homosexuellenszene in Chicago sehr bekannt. Nach Gacys
Festnahme fand die Polizei in dessen Schlafzimmer Landingins Führerschein. Frank Landingin war zuletzt am 4.November lebend gesehen worden. Die Suche am Des Plaines River
nach den anderen Toten ging weiter. In den späten Abendstunden des 28.Dezember entdeckte die Mannschaft eines Schleppdampfers in Ufernähe eine Leiche, die von der Feuerwehr
geborgen wurde. Zwei Tage später konnte der  James Mazzara Tote anhand des Abgleichs
seiner Fingerabdrücke mit den Abdrücken aus seinem Vorstrafenregister identifiziert werden. Auch John Gacy erkannte den jungen Mann wieder. Er hatte sich mit "irgendwas
und Joe" vorgestellt, so Gacy. Der Tote hieß James Mazzara und nannte sich oft "Moe Joe", was seine Freunde bestätigten. Der 20-jährigen war seit dem 13.November als vermisst
gemeldet. Gegen Ende 1978 mussten die Ausgrabungsarbeiten an John Gacys Haus wegen der stärksten Schneefälle und den extremsten Tiefsttemperaturen in der Geschichte
Chicagos eingestellt werden. Am 10.Januar 1979 fand die erste Vorverhandlung gegen John Wayne Gacy jr. wegen 7-fachen Mordes - bis dato hatte man nur 7 Leichen identifiziert
- statt. Sein Hauptverteidiger Sam Amirante plädierte siebenmal wegen Unzurechnungsfähigkeit auf "unschuldig". Dagegen machte die Staatsanwaltschaft deutlich, dass man in der
Hauptverhandlung die Todesstrafe fordern würde. Der anwesenden John Gacy nahm dies ohne jegliche emotionelle Regung auf. Richter Richard Fitzgerald vertagte die Sitzung zunächst
auf den 21.Februar, da die Ausgrabungsarbeiten wegen des Wetters nur unterbrochen, aber noch nicht abgeschlossen waren. Die Identifizierung der Opfer aus dem Kriechboden ging
zunächst gut voran, doch den Leichen fehlten insgesamt 53 Zähne, die bei den Ausgrabungsarbeiten scheinbar verloren gegangen waren. Das erschwerte die Identifizierung mittels
des Zahnschemas.
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