John Wayne Gacy jr.
- Der Clown mit den zwei Gesichtern -
Dort lebte er sich schnell ein und trat einigen sozial engagierten Organisationen bei.
Gacy mit Miss Illinois 1963
Gacy opferte für diese Aktivitäten seine ganze Freizeit. Innerhalb kürzester Zeit wurde er zum Captain des "Federal Civil Defense for Illinois"- Katastrophenschutzes befördert und saß in den Vorständen des katholischen Hilfswerks, der studentischen Vereinigung des Chi Rho-Clubs und der Vereinigung "Holy Name Society".
Aber sein größtes Interesse galt den "Jaycees", einer Organisation zur Förderung von jungen Unternehmern und Führungskräften. Dort wurde er Vizepräsident und bereits
Marilyn Myers
nach einem Jahr zum "Mitglied des Jahres" gewählt.
Nach einiger Zeit war John jr., aufgrund seiner Rastlosigkeit und des erheblichen Übergewichts, dermaßen erschöpft, dass er mit den bekannten Symptomen wieder einmal in ein Krankenhaus eingeliefert wurde.
Anfang 1964 ging Gacy eine Beziehung mit der schüchternen Buchhalterin Marilyn Myers ein. Bereits im September desselben Jahres wurde Hochzeit gefeiert. Gacys Schwiegervater, Fred Myers jr., war Inhaber mehrerer "Kentucky Fried Chicken"-Restaurants, und bot ihm Ende 1965 eine Stelle als Geschäftsführer einer Filiale in Waterloo/Iowa an. John Gacy sagte zu und zog mit seiner Ehefrau dorthin.
Zu seiner Erleichterung gab es auch in Waterloo eine Vertretung der "Jaycees". Nach einem oft bis zu 14 Stunden dauernden Arbeitstag im Restaurant, verbrachte er einen Großteil seiner Freizeit im lokalen Büro der Organisation. Der junge Gacy fiel dort schnell wegen seinem Ehrgeiz, der schon an Besessenheit grenzte und seiner ausgeprägten Geltungssucht auf.

Immer noch fühlte er den inneren Druck, sich und seinem Vater beweisen zu müssen, dass er kein Versager war. Aber John Gacy musste
Das Kentucky Fried Chicken in Waterloo
sich seine Zeit nun besser einteilen. Er war kein Single mehr. Zu Hause wartete seine - inzwischen schwangere - Frau jeden Tag auf ihn. Am 23.Februar 1966 brachte Marilyn Gacy den gesunden Sohn Michael zur Welt. Für den stolzen Vater John war dies ein weiterer Schritt zum "American Way of Life".
Einen Tag später machte Gacy - nach einer gemeinsamen Kneipentour - mit einem Arbeitskollegen seine erste homosexuelle Erfahrung. Als John Gacy am darauf folgenden Morgen nackt im Bett seines Freundes erwachte, war er zunächst entsetzt und beschämt. Doch dieses Gefühl verblasste zunehmend und wurde durch eine gewisse Faszination an den Vorkommnissen der letzten Nacht ersetzt. Er hatte das seltsame Gefühl, als ob er eine bislang verschlossene Tür in seinem Unterbewusstsein aufgestoßen habe und diese neue Erfahrung ein Teil seiner bisherigen, unterdrückten Sexualität sei.
Seinem Schwiegervater Fred Myers, der Gacy von Anfang an nicht mochte, und nur aus Liebe zu seiner Tochter den neuen Schwiegersohn akzeptierte, fielen in Folge einige Ungereimtheiten in der KFC-Filiale, die John Wayne Gacy leitete, auf. So war ihm zu Ohren gekommen, das Gacy, wann immer Freunde von den "Jaycees" in dem Restaurant auftauchten, er ihnen kostenlose Menüs servieren ließ. Außerdem behandelte er sein Personal herablassend schlecht.
Aber Myers wollte mit seinem Schwiegersohn keinen Ärger haben und ließ den Dingen ihren Lauf.
( Fotos der Familie John W.Gacy jr. siehe  hier )

Gegenüber männlichen Bekannten prahlte John Wayne Gacy damit, dass er mit dem Großteil seiner weiblichen Angestellten und weiterer 100 oder mehr Frauen Sex gehabt habe. Sobald er einige Drinks intus hatte, bot er seine Frau - natürlich nicht in ihrem Beisein - für sexuelle Aktivitäten an.
Durch solche Angebote fühlten sich die Männer von Gacy abgestoßen, zudem er auch noch von allen verlangte, dass sie ihn mit dem militärischen Rang "Colonel" ansprechen sollten. So wollte niemand eine engere Freundschaft mit der Familie Gacy eingehen. Daher saß seine Frau Marilyn mit dem Baby zumeist allein zu Hause. Gacy war das nur zu Recht, so hatte er sie besser unter Kontrolle. Obwohl er als Geschäftsführer gut verdient, gab er ihr kaum Haushaltsgeld, so dass des Öfteren die Schwiegereltern offene Rechnungen bezahlen mussten.
Marilyn Gacy entdeckte noch weitere Seltsamkeiten an ihrem Mann. Gacy war ein "Polizei-Freak". Sobald er ein Einsatzfahrzeug mit Sonderrechten (Blaulicht und Sirene) bemerkte, wendete er seinen Wagen und fuhr mit hoher Geschwindigkeit hinterher. Um bei den örtlichen Einsatzkräften der Feuerwehr und Polizei ein gewisses Ansehen als wohlwollender Gönner zu erlangen, lieferte John Gacy ihnen ab und zu kostenloses Essen aus der KFC-Filiale.
Er trat einer Selbstschutz-Organisation von Geschäftsleuten bei, die nachts ihre Geschäfte vor Einbrechern schützen wollten. Gacy montierte auf der Fahrertür seines Autos einen Suchscheinwerfer und legte sich eine Pistole zu. Wie sein früherer Angestellter Russell Schroeder später berichtete, nahm sein Chef auf den nächtlichen Touren gerne einen jungen Mitarbeiter des KFC mit, den er dann aufforderte, Autoteile von geparkten Wagen zu entwenden. Währenddessen hörte Gacy den Polizeifunk ab.

Im Keller seiner KFC-Filiale hatte John Wayne Gacy
Gacy - Ende der 60er Jahre
einen Aufenthaltsraum mit einem Billiardtisch eingerichtet. Dort durften sich nur von Gacy ausgesuchte, männliche und minderjährige Angestellte aufhalten. Der Chef nannte es den "Social Club". Die "Mitglieder" durften dort kostenlos Alkohol konsumieren. Diesem Reiz erlagen - in Amerika darf erst mit 21 Jahren Alkohol getrunken werden - fast alle Jungen.
Natürlich verfolgte Gacy eine Strategie. Zunächst predigte er den Jugendlichen, dass homosexuelle Aktivitäten ganz natürlich seien, und er gute Verbindungen zur Justiz habe, die bis nach Chicago reichten. Er könne Probleme jeglicher Art lösen. Beim Billardspiel führte Gacy die Spielart "For a Blow Job" ein; der Verlierer musste den Sieger oral befriedigen.
Im Sommer 1967 lag Gacys Frau Marilyn mit dem zweiten Kind Christine schwanger im Krankenhaus. Er war allein zu Hause. So lud John Gacy seinen neuen Hilfskoch und Tellerwäscher Edward Lynch auf ein paar Filme, einigen Drinks und Billardpartien zu sich nach Hause ein. Nach einigen Stunden schlug er seinem Angestellten das "For a Blow Job"-Spiel vor. Der 16-Jährige, der nicht zum "Social Club" gehörte und somit ahnungslos war, lehnte aber, nachdem er gewonnen hatte, Gacys Avancen ab. Dieser war sehr verärgert, holte ein Messer aus der Küche und forderte Lynch auf, mit ihm in das Schlafzimmer zu gehen.
Dort warf er ihn auf das Bett und sprang dann auf den Körper des Jugendlichen. Dabei verletzte Gacy Lynch - unabsichtlich - mit seinem Messer am linken Arm. Als Gacy die Schnittwunde sah, erwachte er schlagartig aus der Trance, entschuldigte sich mehrmals und holte Verbandsmaterial.

Nachdem Lynchs Arm versorgt war, gingen beide wieder in den Keller. Der Jugendlichen wollte nun nach Hause gehen, aber John Wayne Gacy wollte ihn nicht weg lassen, sondern ihn ein paar Pornofilme vorführen. Später schlug er dem Minderjährigen einen Test vor. Dafür holte Gacy eine Kette und ein Vorhängeschloss. Aus unerklärlichen Gründen ließ sich Edward Lynch die Hände hinter dem Rücken ketten. Anschließend fragte Gacy den Hilflosen, ob er in der Lage wäre, sich zu befreien. Der Junge verneinte. John Gacy schubste nun sein Opfer auf einem Stuhl, setzte sich auf Lynchs Oberschenkel und rieb sich einige Minuten an dem Jugendlichen. Dieser nutzte eine Unachtsamkeit seines, sich erhebenden Chefs aus und trat Gacy kräftig ins Gesäß.
Dieser - überrascht von der Attacke - fiel um, sprang aber sofort wieder auf und holte aus einem Nebenraum ein Campingbett. Darauf warf er Lynch und schnürte ihm mit einer zweiten Kette die Beine zusammen. Offenbar war das für Edward Lynch zu viel und er verlor das Bewusstsein. Erneut wurde Gacy aus seinem Rausch in die Realität befördert. Er schüttelte sein wehrloses Opfer so lange, bis sich der junge Mann wieder regte.
Für den Moment hatte der 25-jährige Geschäftsführer genug, er löste die Ketten und fuhr seinen Angestellten nach Hause.

Für John Wayne Gacy schien die "Sache" mit Edward Lynch erledigt und vergessen. Doch schon seit einiger Zeit ging in Waterloo das Gerücht um, dass der Geschäftsführer sich auffallend für männliche Teenager interessiere und wahrscheinlich homosexuell sei.
Einige Tage später unterhielt sich Lynch im "Kentucky Fried Chicken"-Restaurant mit seinem Kollegen Donald Voorhees jr. (Voorhees wird in vielen Büchern und auf Internetseiten unter dem Pseudonym Mark Miller aufgeführt. Anmerk. des Autors). Der 15-Jährige arbeitete dort in Teilzeit und war für alle anfallenden einfachen Arbeiten wie z.B. Botengänge zuständig. Er erzählte den überraschten und geschockten Lynch eine unglaubliche Geschichte über John Gacy.

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