Dieter Riechmann
- Tödliches Lügenspiel -

Hilton Williams
Als Marc Dugan den Schmuck von Frau Kischnik sah, sei er um das Fahrzeug zur Beifahrerseite gegangen und habe, als Riechmann in Panik das Gaspedal durchtrat, auf Kerstin Kischnik geschossen.
Hilton Williams konnte noch drei weitere Zeugen des Vorfalls nennen. Der inzwischen HIV-kranke Marc Dugan erwähnte später bei einem geheimen Treffen mit deutschen Journalisten, dass er niemals vor Gericht aussagen werde. Allerdings sei er zu einer schriftlichen Aussage bereit. Als Pookee Williams einige Zeit später mal wieder selbst verhaftet wurde, tauchte Staatsanwalt DiGregory im Gefängnis auf, um Williams wegen seiner Aussage im Fall Riechmann umzustimmen. Aber da Pookee sich nicht darauf einließ, wurde er in Einzelhaft gesteckt.

Offiziell lehnte die Staatsanwalt diese Art von Zeugen, also Kriminelle, ab. Doch erstaunlicherweise störte es sie nicht, dass ihr Zeuge Walter Smykowski auch ein Krimineller war.
Die neue Verteidigerin Riechmanns, Terry L.Backhus, und deutsche Journalisten überprüften den ganzen Fall erneut. Sie stellten fest, dass die Staatsanwaltschaft beim Prozess Fotos von dem Wageninneren und des Kofferraumes zurückgehalten hatten. Höchstwahrscheinlich wären diese Fotos für Dieter Riechmann entlastend gewesen.

Auch konnte Mrs Backhus den ehemaligen Polizisten Hillard Veski aufspüren, der damals Riechmanns Leihwagen durchsucht hatte. Er sagte, er habe die Taschenlampe auf dem Rücksitz des Wagens gefunden. Die stellvertretende Staatsanwältin Sreenan habe ihn genötigt, auszusagen, dass die Taschenlampe im Kofferraum gelegen habe. Veski wollte, aufgrund starker Gewissensbisse, vor Gericht keine Falschaussage machen. Schließlich wurde die Taschenlampe nicht als Beweisstück genannt und während des Prozesses nicht erwähnt.

Inzwischen konnte der damalige Hauptbelastungszeuge Walter Smykowski in einem arabischen Land ausfindig gemacht werden. Dort hatte er sich aus Angst, vor einer Auslieferung an die USA, versteckt. Er sagte nun vor laufender Kamera, die Staatsanwaltschaft habe ihn wegen seiner Deutschkenntnisse gezielt ausgesucht, um ihn, mit dem Ziel, Riechmann auszuspionieren, in dessen Zelle zu verlegen. Mit der Aussicht auf Freiheit und Geld habe man Smykowski dann zum Meineid (Falschaussage unter Eid) genötigt. Das die Staatsanwaltschaft einen so genannten "Knastverräter" als Hauptzeuge nahm, zeugt davon, dass die Anklage gegen Dieter Riechmann auf extrem wackligen Beinen stand, sagte seine Verteidigerin Terry L.Backhus.
Auch zu den angeblichen Blut- und Schmauchspuren wurden entlastende Beweise entdeckt.

Der Blutspurenexperte Stuart H.James und der deutsche Rechtsmediziner Prof. Bonte stellten fest,
Fahrerseite des Leihwagens
dass unzulässige Tests zur Feststellung von Blutanhaftungen an einer Decke und der Fahrertür durchgeführt worden waren.
Die Staatsanwälte behaupteten während des Gerichtsverfahrens, dass das Blut vom Schädel des Opfers auf die Fahrertür gespritzt sei. Aber Prof. Bonte widersprach dieser Behauptung. Dem Opfer war per Steckschuss in die rechte Seite des Kopfes geschossen worden. So muss das Blut entgegen aller physikalischen Gesetze einen Bogen um den Kopf des Opfers gemacht haben und sei dann geradeaus an die Fahrertür gespritzt. Auf der Decke, die auf dem Fahrersitz lag, seien sowohl an der Ober- als auch Unterseite Blutanhaftungen gefunden worden. Auch diese Behauptung ist unmöglich, da einige Blutspritzer nicht ausreichen, um alle Lagen Stoff einer mehrfach gefalteten Decke komplett zu durchtränken.
Es konnte nie zweifelsohne festgestellt werden, ob es sich bei den aufgefundenen Spuren überhaupt um Blut handelte.


Rauch
Bei Riechmanns Festnahme wurden an seinen Händen geringe Schmauchspuren gefunden.
Der Schmauchspurenexperte Rauch hatte am 28.Oktober 1987 in seinem schriftlichen Ergebnis mitgeteilt, dass er nicht mit Sicherheit sagen könne, ob die betreffende Person (Riechmann) eine Waffe abgefeuert habe. Doch im Prozess sagte Rauch seltsamerweise das Gegenteil.
Laut anderer Experten kann eine Person aus drei verschiedenen Gründen Schmauchspuren an den Händen haben:
  • Die Person hat eine Waffe abgefeuert, wobei die Schusshand eine hohe Konzentration Schmauchspuren aufweist
  • die Person hat eine Waffe angefasst, aus der vor kurzer Zeit geschossen wurde
  • die Person hat sich in der Nähe einer Waffe befunden, die gerade abgefeuert wurde.
Das Todesurteil gegen Dieter Riechmann wurde Mitte 1996 wegen Verfahrensfehler vorläufig ausgesetzt.
Aufgrund der neuen Recherchen fand im Juni 2002 im Gericht von Miami ein neues Beweisaufnahmeverfahren statt. Jetzt wartet Dieter Riechmann in der 6 Quadratmeter großen Zelle im Todestrakt auf die Entscheidung des Supreme Courts, dem obersten Gerichts des Staates Florida, ob es ein Revisionsverfahren geben wird oder nicht.

Update
Der Journalist Peter Müller, der seid 1997 an dem Fall recherchiert, hat 2004 einige überraschende Enthüllungen gemacht, die den Fall in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.
Die Verteidigung Riechmanns präsentierte bei der Anhörung zu dem Revisionsverfahren im Frühjahr 2004 eine neue Zeugin: Doreen, eine Frau aus dem Drogenmilieu Miamis. Sie sagte aus, dass Hilton Williams Kerstin Kischnik niedergeschossen habe.
Dieser wiederum bestätigte dem deutschen Journalisten Müller, dass er bei einem misslungenem Rauschgiftgeschäft mit Dieter Riechmann dessen Freundin niedergeschossen habe. Riechmann habe die Absicht gehabt, für 250 000 Dollar Rauschgift zu kaufen.
Auf die Aussagen Hilton "Pookie" Williams angesprochen, gibt Riechmann, mit einem Lächeln auf den Lippen, keinen Kommentar ab.
Die Aufnahme eines Revisionsverfahrens wurde abgelehnt.

Achtung:
Die Fallakte "Riechmann" darf in der vorliegenden Form nur mit Genehmigung von
KM ( ) weiterverwendet werden !

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