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D ie Nachricht schlug am 29.Juli 1986 in Deutschland wie eine Bombe ein, als bekannt wurde, dass Werner Pinzner in dem alten Polizeipräsidium in Hamburg gegen 10.20 Uhr zunächst den Staatsanwalt Wolfgang Bistry lebensgefährlich
verletzt und anschließend seine Frau und dann sich selbst erschossen hatte. Dass eigentlich undenkbare war Realität geworden: Ein Häftling hatte während einer Vernehmung, in Anwesenheit mehrerer Polizisten, eine Waffe
gezogen und etliche, zum größten Teil, tödliche Schüsse abgefeuert. Doch wie konnte es zu einer derartigen Panne kommen, zumal bekannt war, dass der gefährliche Pinzner mehrere Auftragsmorde begangen hatte? Wer war dieser Werner Pinzner eigentlich?
Werner Pinzner wurde 1947 als Sohn eines Rundfunkmechanikers und der Filialleiterin einer Lebensmittelkette in dem Hamburger Stadtteil Bramfeld geboren. In seiner Kindheit und Jugend kam es in der Familie
immer wieder zu Gewalttätigkeiten. Frei nach dem Motto: "Jeder schlägt jeden". Im Alter von 19 Jahren bedrohte Werner seine Mutter mit einem Messer, und als sein Vater ihm Benehmen beibringen wollte, zerschnitt ihm Werner kurzhand die
Autoreifen. In der Schule fiel Werner Pinzner durch Faulheit auf, wobei es ihm eigentlich nicht an Intelligenz mangelte. Er erpresste seine Mitschüler, und verlangte Geld und Zigaretten. Es machte ihm Spaß, andere zu provozieren, um sich
dann mit demjenigen zu prügeln. 1964 ging er als Matrose zur See und war in den kommenden 2 Jahren bei 5 Reedereien beschäftigt. Pinzner wurde ständig entlassen, da er zu chronischer Unzuverlässigkeit neigte. Außerdem fiel er durch seinen
hohen Alkoholmissbrauch und den häufigen Schlägereien unangenehm auf.
Im Oktober 1966 wurde Werner Pinzner durch mehrere Messerstiche verletzt. Nachdem er sich davon erholt hatte, arbeitete er 3 Wochen als Fahrer
bei einer Wäscherei und dann wieder kurzfristig als Matrose. Bei der Bundeswehr gefiel es Werner so gut, dass er sich verpflichten wollte. Doch sein bereits beträchtliches Strafregister verhinderte dies. 1969 zog Werner Pinzner mit seiner
20-jährigen Freundin zusammen. Im Dezember versuchte er sich mit Tabletten das Leben zu nehmen. Als Grund für den versuchten Suizid gab er das Verhalten seiner Freundin an. Sie wollte sich ihm nicht unterordnen! Obwohl Pinzner arbeitslos
war und immer wieder straffällig wurde, heiratete das Paar. Ende 1970 musste er erstmals für 70 Tage, wegen gefährlicher Körperverletzung, ins Gefängnis.
Ein halbes Jahr später wurde die gemeinsame Tochter Birgit geboren.
 Werner Pinzner als stolzer VaterWerner Pinzners Leben schien wieder in normale Bahnen zu laufen. Er arbeitete als Gerüstbauer, Fliesenleger und Schlachter.
 "Siggi" Träger Doch im September 1975 hatte das alles ein plötzliches Ende. Pinzner wurde nach einem Überfall auf einem Supermarkt, bei dem der Filialleiter ums Leben kam, festgenommen.
Er wurde wegen Mittäterschaft zu 10 Jahren Haft verurteilt. Daraufhin liess sich seine Frau von ihm scheiden. "Mucki" wie Werner Pinzner auch genannt wurde, verbüßte die ersten 9 Jahre in der damals für zahlreiche Ausbrüche bekannte Justizvollzugsanstalt (JVA)
Fuhlsbüttel, von den Häftlingen auch "Santa Fu" genannt. Das letzte Jahr seiner Haftstrafe verbrachte Werner Pinzner als Freigänger in der JVA Vierlande. Tagsüber arbeitete er außerhalb und kam nur abends zum Schlafen in die Haftanstalt. Dort
lernte er dann auch die einsitzenden Größen des Hamburger Rotlichtmilieus, "Joe" Marx und Siegfried "Siggi" Träger, kennen.
Schnell kaufte sich Werner Pinzner bei seiner offiziellen Arbeitsstätte heraus, um seine Zeit "sinnvoller"
nutzen zu können. Sein Mitgefangener Guido Birke besorgte Pinzner einen Revolver Arminius Kaliber .38 spezial. Das besondere an dieser Waffe sind die "10 Züge mit Rechtsdrall". Dass heißt, im Lauf des Revolvers sind 10 spiralförmige Rillen, die das
Geschoss in Drehung versetzen und es stabilisieren, so dass das Ziel besser erfasst werden kann. Die Projektile der Patronen weisen nach dem Verschießen Spuren der äußerst seltenen "10 Züge mit Rechtsdrall" auf. Diese Tatsache sollte im Verlauf
von Pinzners Kiezkarriere zu seinem Markenzeichen werden.
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