Der Bordellbesitzer Peter Nusser, eine führende Kiezgröße in Hamburg, gab Werner Pinzner den Tipp, dass in der Geschäftsstelle beim ADAC immer eine
 Peter NusserMenge Bargeld sei, dass von 2 Geldboten ab und zu abgeholt würde. Pinzner war sofort
interessiert. Der Bordellwirt Peter Pfeilmaier, auch "Bayern Peter" genannt, besorgte als Fluchtfahrzeug ein Motorrad mit gefälschtem Nummernschild. Pinzner wählte als Komplizen
 Armin Hockaufden Mitgefangenen Armin Hockauf aus, der ebenso wie er im Hamburger Kiez Karriere machen wollte.
Am 18.Juni 1984 täuschten beide vor der Hauptverwaltung des ADAC eine Motorradpanne vor. Als die Geldboten vorbei kamen, sprühte ihnen Pinzner Reizgas ins Gesicht, während
Hockauf die Geldkoffer an sich nahm. Beide flohen mit dem Motorrad zum Hamburger Hauptbahnhof, wo sie von "Siggi" Träger abgeholt wurden. In Trägers Wohnung teilten sie die Beute
von ca. 99 000 DM untereinander auf und kehrten am Abend wieder in aller Seelenruhe in die JVA zurück. Der "Wiener Peter", wie Peter Nusser auch genannt wurde, war von Werner Pinzners
"Arbeit" beeindruckt. Ihm schwebte eine längere "Zusammenarbeit" mit Pinzner vor.
Kurze Zeit später vermittelte Peter Nusser ein Treffen zwischen "Mucki"
 Jehuda ArziPinzner und den aus Karlsruhe stammenden Zuhälter Helmut Dilger in Nussers Bordell Palais d'Amour
auf der Reeperbahn. Der "Hunde Helmut", so Dilgers Spitzname in der Szene, hatte für Pinzner einen Auftrag, den er eigentlich selbst durchführen sollte, sich aber nicht daran die Hände schmutzig machen wollte.
Werner Pinzner sollte für 20 000 DM den aus Konstanz stammenden 65-jährigen Ex-Bordellbesitzer Jehuda Arzi zusammenschlagen und ihm einen Finger abhacken. Doch Pinzner hatte darauf keinen "Bock" [sic!].
Er sagte zu Dilger wörtlich: "Ich geh hoch und knall ihn weg". "Mucki" verlangte für den Hit (Auftrag) 40 000 DM. Auftraggeber waren Arzis Ex-Frau Fryderyka und deren Tochter Jacklyn. Da beide in Frankfurts besten
Kreisen verkehrten, und auch in der jüdischen Gemeinde ein hohes Ansehen genossen, erpresste Jehuda Arzi sein Frau und drohte, ihre Vergangenheit u.a. als Bordellbesitzerin, zu veröffentlichen. Bereits einmal
hatte Fryderyka 150 000 DM Schweigegeld bezahlt, doch für den bankrotten und spielsüchtigen Arzi waren das nur Peanuts. Statt wie versprochen Deutschland zu verlassen, erpresste er seine Ex-Frau weiterhin.
Fryderyka vermutete, dass das nun immer so weitergehen würde und nahm über ein bekanntes Ehepaar Kontakt zu Helmut Dilger auf, um das "Problem" endgültig zu lösen.
Jehuda Arzi
schien die Gefahr zu erahnen und versteckte sich mit seiner zweiten Frau, der Ex-Prostituierten Madeleine, vor den rachsüchtigen Luden (Zuhälter) und seiner Ex-Frau in Kiel. Am Freitag, den 6. Juli 1984
 Auffindesituation (Tatort) fuhr Werner Pinzner mit Armin Hockauf in den Abendstunden in Richtung Kiel. "Mucki" hatte Hafturlaub
und musste erst am Montag gegen 22 Uhr wieder in der JVA sein. Er hatte sich für die Fahrt den BMW seiner zweiten Frau Jutta geliehen. Am Samstag gegen 11.15 Uhr klopften Pinzner und Hockauf an Arzis Wohnungstür.
Dieser öffnete ihnen ahnungslos. Sofort schlug Werner Pinzner auf Arzi ein und drängte ihn in die Wohnung. Währenddessen rannte Armin Hockauf in die Küche und bedrohte Madeleine Arzi. Sie solle ruhig bleiben,
dann geschieht ihr auch nichts. Dann half Hockauf Pinzner den sich, mit einem Zollstock, heftig wehrenden Arzi zu überwältigen. Pinzner setzte seinen Revolver an Arzis rechten Hinterkopf auf und drückte ab.
Jehuda Arzi war sofort tot. Anschließend verließen Pinzner und Hockauf die Wohnung und mischten sich unter die immer größer werdende Gruppe der Schaulustigen, die durch die Hilfeschreie von Madeleine Arzi aufmerksam geworden
waren. Dann kehrten sie nach Hamburg zurück.
Die polizeilichen Ermittlungen im Fall Arzi führten schnell zu seiner Ex-Frau Fryderyka und der Tochter. Beide wurden vorläufig verhaftet. Doch die
Staatsanwaltschaft stellte die beiden Verfahren wegen der unzureichenden Beweislage wieder ein. Mutter und Tochter wurden wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Da beide keine Aussage machten, blieben der "Hunde Helmut" Dilger,
der für die Vermittlung 10 000 DM kassierte, und Werner Pinzner von der Polizei unbehelligt. Am 10.Juli wurde Pinzner vorzeitig wegen "guter Führung und positiver Voraussetzung für eine soziale Eingliederung in die Gesellschaft"
aus der JVA entlassen.
Auf der Hamburger Reeperbahn lief Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts das Geschäft mit der Prostitution nicht sonderlich gut. Die Freier blieben,
aufgrund der damals neu aufkommenden Krankheit Aids (HIV), aus, und türkische als auch jugoslawische Zuhältergruppen versuchten zunehmend auf den Kiez Fuß zu fassen. Man entdeckte als alternative Einnahmequelle den Rauschgifthandel;
wobei einige der Luden schon bald zu ihren eigenen besten Kunden wurden. Jeder wollte ein möglichst großes Stück von dem kleiner werdenden Kuchen abhaben. Unter den deutschen Luden kam es immer häufiger zu Auseinandersetzungen.
Auf dem Kiez existierten zwei rivalisierende Gruppen: Die GMBH, nach den Anfangsbuchstaben der Gründer benannt, waren alles alt eingesessene Zuhälter, die ihre Pfründe verteidigten. Zudem gab es die NUTELLA-Bande: Jungluden, die um
jeden Preis an das ganz große Geld wollten.
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