Werner Pinzner
- Der große Abgang -

Peter Pfeilmaier
I
m Juli 1984 wandte sich der Bordellbesitzer Gerd Gabriel an den "Wiener Peter" Nusser. Er bot ihm eine Partnerschaft an seinem Bordell "Hammer Deich" an. Das bedeutete im Milieu, dass Gabriel seinen momentanen Partner Peter Pfeilmaier "aus den Weg" haben wollte.
Gabriel und Pfeilmaier besaßen neben den "Hammer Deich" auch noch den "MB-Club". Der 32-jährige Pfeilmaier drehte in letzter Zeit, aufgrund seiner Kokainsucht, immer öfters durch. Er fing in den Bodellen mit Freiern Auseinandersetzungen an und kostete Gabriel, nach dessen Aussage, aufgrund des steigenden Kokainkonsums rund 200 000 DM.
Auch für den "Wiener" Peter Nusser kam die Beseitigung Pfeilmaiers gerade rechtzeitig, da der "Bayern Peter" ein Mitwisser bei Pinzners ADAC-Überfall war.

Ende August 1984 trafen sich Nusser, Gabriel, Hockauf und Pinzner in Nussers Palais d'Amour, um die Einzelheit für den Hit an Pfeilmaier zu besprechen. "Mucki" Pinzner sollte je 15 000 DM von Nusser und Gabriel erhalten, und zusätzlich Anteile an zwei Bordellen.
Werner Pinzner und Armin Hockauf wussten auch schon, wie sie das Opfer an ein ruhiges Plätzchen locken konnten. Sie boten Pfeilmaier einen Beteiligung an einen Kokaindeal an. Erwartungsgemäß stimmte dieser sofort begeistert zu.

Am 12.September 1984 holten Pinzner und Hockauf den "Bayern Peter" gegen Mitternacht ab.
Pfeilmaiers Pontiac (Tatort)
Nun zeigte sich, wie wenig Pinzner seine Hits vorher plante. Er hatte sich bis dato kein ruhiges Plätzchen für den Hit ausgesucht. So fuhren sie zunächst, in zwei Wagen sitzend, ziellos in der nächtliche Hansestadt herum.
Dann fiel Pinzner ein Garagenkomplex in dem Hamburger Stadtteil Bramfeld ein. Obwohl dort in der Nähe ein Hochhaus stand, und Pinzner eigentlich immer mit potentiellen Zeugen rechnen musste, wollte "Mucki" den Hit dort ausführen. Hockauf und Pinzner stiegen aus dem Auto aus. Während sich Hockauf
Auffindesituation (Tatort)
auf dem Beifahrersitz setzte, nahm "Mucki" hinter ihm auf den Rücksitz von Pfeilmaiers Pontiac Firebird Platz. Damit sich Pfeilmaier nicht zu Pinzner umdrehte, fragte dieser den stolzen Autobesitzer, ob die Außenspiegel nicht etwas zu klein seien. In den Moment, als sich Peter Pfeilmaier zum linken Außenspiegel wendete, zielte Werner Pinzner mit seinem Revolver auf Pfeilmaiers rechten unteren Hinterkopf und drückte ab.
Pinzner wurde vom Mündungsfeuer geblendet und das Schussgeräusch klingelte heftig in seinen Ohren. Dann stieg er aus, schoss, durch einen Adrenalinschub erregt, in den Kühlergrill des Pontiacs. Als Werner Pinzner sich beruhigt hatte, fuhr er zunächst Armin Hockauf nach Hause. Unterwegs diskutierten sie, ob Pfeilmaier wohl noch den Schuss gehört habe.

Einige Stunden später entdeckte ein Anwohner den Toten. Bei der Obduktion der Leiche wurde eine große Beule am linken Rand der linken Augenbraue festgestellt. Das Projektil hatte das Gehirn Pfeilmaiers durchschlagen und war im Stirnbereich stecken geblieben. Wie im Fall Arzi handelte es sich um das Kaliber .38 spezial mit 10 Züge Rechtsdrall. Doch noch konnte niemand eine Verbindung zwischen den Morden in Kiel und in Hamburg feststellen.
Werner Pinzners Kiezkarriere verlief nicht so, wie er es sich erhofft hatte. Armin Hockauf hatte 10 000 DM von dem Arzi-Hit einfach einbehalten und bekam nun auch noch vom "Wiener Peter" Nusser 25 % Anteile an den Bordell "Hammer Deich". Außerdem bekam Pinzner nicht die ihm versprochenen Anteile an den beiden Bordellen. Stattdessen sollte er als "Gummisammler" (Bordellwirtschafter) am Hammer Deich arbeiten.
Auch sein Ansehen im Kiez war nicht sonderlich hoch. Man hatte wohl vor seinem Revolver Respekt, aber Pinzner selbst wurde nur als Spinner bezeichnet. Zumal er, aufgrund einer Kontaktallergie, oft weiße Handschuhe trug.

Werner Pinzner schnupfte sich den Ärger mit Kokain weg.
Welche Macht hingegen Peter Nusser auf dem Kiez besaß, bekam Pinzner im Herbst 1984 zu spüren. "Mucki" eröffnete mit einem Partner ein eigenes Bordell. Daraufhin unterbrach der "Wiener Peter" extra seinen Urlaub, reiste aus Ibiza an und nahm Pinzner einfach dessen Bordellanteile ab. Noch hielt sich "Mucki" zurück, da Nusser einfach eine Nummer zu groß für ihn war.
Kurze Zeit später beauftragte Nusser Werner Pinzner mit der Liquidierung Dieter Traubs, genannt "Lackschuh".
Der "Wiener Peter" hatte ein ähnliches Problem, wie vorher Gerd Gabriel. Der "Lackschuh" war Nussers Partner im Palais d'Amour. Doch in letzter Zeit war der kokainsüchtige Traub unzuverlässig geworden, machte in Bayern eigene Rauschgiftgeschäfte und wollte sich, wegen seiner suchttypischen Paranoia, aus den Kiez zurückziehen. Nusser sollte Traub dafür mit 100 000 DM abfinden.
Doch Nusser dachte nicht daran, sondern wollte das Palais d'Amour - ohne eine Abstandszahlung zu leisten - alleine weiter führen.
"Mucki" fühlte sich, wie er später sagte, moralisch verpflichtet, den (Dieter Traub) "weg zu machen" [sic!].

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