Einige Tage vor Ostern 1985 kam es im Palais d'Amour zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung.
Der gefürchtete Schläger Stefan Hentschel setzte zunächst Armin Hockauf mit einem Schlag in den Magen außer Gefecht, während
Waldemar Dammer sich in Ruhe den "Wiener Peter" Nusser vornahm. Auch auf seinen Ex-Freund "Siggi" Träger war der "Neger Waldi"
nicht gut zu sprechen und erteilte ihm ein "offizielles Kiezverbot". Schließlich hatte Träger Dammer die Frau ausgespannt.
Am Ostermontag fuhren Pinzner und Träger in einem blauen Audi, den ihnen "Joe" Marx besorgt hatte, zum
 Ralf KühneBungalow von Waldemar Dammer in der Halstenbecker Straße
32 in Hamburg/Schnellsen. Dort stellten sie den Wagen in einer Nebenstraße ab. Dammers Bordellwirtschafter Ralf Kühne öffnete ihnen
die Haustür und ließ sie ein. Zusammen gingen alle drei in die Kellerräume des Hauses, wo Waldemar Dammer hinter einem Schreibtisch saß.
Pinzner und Träger setzten sich auf die Treppenstufen, während Kühne links von ihnen Platz nahm. Weder Stefan Hentschel noch Guido Birke
waren da, und Dammers Frau erledigte in Hamburg einige Einkäufe. Sofort brach ein Streit zwischen Ralf Kühne und "Siggi" Träger aus, da Kühne
vor einigen Tagen die Reifen von Trägers Mercedes zerstochen hatte. Bevor Werner Pinzner oder Waldemar Dammer eingreifen konnten, zog Träger
seinen Revolver Smith & Wesson Kaliber 38. "Dann gab es 5 aus 38" [sic!], wie "Mucki" später aussagte. "Siggi" Träger schoss 3-mal auf Dammer und 2-mal
auf Kühne. Anschließend verließen Pinzner und Träger den Bungalow und fuhren in den Stadtteil Altona, wo sie den Audi gegen Trägers
Mercedes tauschten.
Kurze Zeit später entdeckte Dammers zurück gekehrte Ehefrau die beiden Leichen im Basement des
Bungalows.
 Auffindesituation (Tatort) Pinzner meldete am selben
Abend Vollzug und zeigte "Joe" Marx, zum Beweis, 5 leere Patronenhülsen. Werner Pinzner und "Siggi" Träger erhielten je 10 000 DM
für den Hit an Dammer. Für die Ermordung Ralf Kühnes bekamen sie nichts, da er nicht auf der "schwarzen Liste" der GMBH stand, sondern nur
zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war. Am Tatort fand die Polizei dieses Mal keine Projektile mit den typischen Merkmalen "10 Züge mit Rechtsdrall",
obwohl man Pinzner verdächtigte und er später die Tat zunächst auch gestand. Jetzt endlich reagierte die Hamburger Polizei auf die
zahlreichen unnatürlichen Todesfälle im Kiezmilieu.
Es wurde eine Sonderkommission, die SoKo 855, gegründet. Sie
bestand aus Experten der einzelnen Deliktbereiche (Rauschgift, Mord, Zuhälterei etc.) und zwei Staatsanwälten, und sollte ausschließlich die organisierte
Kriminalität in der Hansestadt bekämpfen. Im Mai 1985 hatten die Ermittler bereits die Vermutung, dass Peter Nusser, Armin Hockauf, "Siggi" Träger und Werner Pinzner
für die Morde an Arzi, Pfeilmaier, Traub, Dammer und Kühne verantwortlich waren. Doch noch reichten die gerichtsverwertbaren Beweise nicht aus, um eine
Verurteilung der Verdächtigen zu erwirken. Doch durch kiezinterne Ermittlungen und dem Erstellen von Bewegungsprofilen der Verdächtigten, zog sich
die Schlinge um Pinzner & Co immer enger.
Im Sommer 1985 wollten die Luden der GMBH ihre Geschäftsbereich auf ganz Deutschland
ausbreiten. Als erstes sollte die Rotlichtszene in Heilbronn übernommen werden. Hierzu reisten aus Hamburg der Zuhälter Reinhard "Ringo" Klemm, der
Schläger Uwe Bolm und aus Karlsruhe Helmut Dilger an. Trotz der Androhung von Waffengewalt, konnten die Leute des "Häuptlings von Heilbronn", Hans Söhner, die
Eindringlinge erfolgreich abwehren. Nun sollte der "Hunde Helmut" Dilger dafür sorgen, dass man Hans Söhner ausschaltete. Dilger beauftragte natürlich Werner
Pinzner mit diesem Hit. Doch "Mucki" reiste daraufhin nach Heilbronn, zeigte Söhner seinen geladenen Revolver und sagte ihm, dass die Patronen für ihn bestimmt
seien. Aber Pinzner mochte Dilger nicht. Hans Söhner dagegen war für Werner Pinzner ein "Grader" (aufrichtig). Außerdem hatte der "Häuptling" ihm in der Vergangenheit, bei dessen
Aufenthalten in Heilbronn, mehrmals bei sich übernachten lassen. So fuhr Werner Pinzner wieder nach Hamburg, ohne den Auftrag durchgeführt zu haben.
Pinzner
ahnte daraufhin, dass seine Tage als Auftragskiller auf dem Kiez gezählt waren, und ihm auch schon die Polizei im Nacken saß. Ende Oktober 1985 wurde "Siggi" Träger
von der SoKo vernommen. Die Polizei hatte bei der Hausdurchsuchung unter Trägers Kopfkissen die Tatwaffe von dem Dammer/Kühne-Hit gefunden. Anfang des folgendes Jahres reichte
es Werner Pinzner, Er drohte dem "Paten" Reinhard Klemm, dass, falls er (Pinzner) festgenommen würde, er alle mit ins Verderben mitnahm. Von dem "Wiener Peter"
Nusser forderte er die längst überfälligen Anteile an dem Bordell "Hammer Deich" ein, " sonst würde er zur Schmiere (Polizei) gehen und alles auf den Tisch legen "
[sic!]. Doch auch Peter Nusser befand sich schon, zu der Zeit, auf dem absteigenden Ast. Jungluden drängten ihn zusehends aus dem Geschäft. Die Liquidierung Werner
Pinzners war nun beschlossene Sache. Er war für die GMBH zum gefährlichen Mitwisser geworden und durch seine Kokainsucht unberechenbar.
Helmut Dilger sollte den "Mucki" beseitigen, um dann dessen Erbe anzutreten. Anfang März 1986 hatte sich Dilger einen großen Fleischwolf besorgt. Er wollte
Pinzner erschlagen, die Leiche in einer Badewanne ausbluten lassen, sie im Fleischwolf zerhackseln und dann seinen Kampfhunden, die vorher drei Tage lang kein Futter bekamen, zum Fraß
vorwerfen. Doch die SoKo 855 kam Helmut Dilger, unbewusst und zu Pinzners Glück, zuvor. Zunächst wurde Gerd Gabriel am 10.April festgenommen und plauderte bei der Vernehmung,
wie einen alte Klatschtante, lustig drauflos. Dann wollten die Ermittler Armin Hockauf festnehmen, doch der hatte von seiner bevorstehenden Festnahme erfahren und war
untergetaucht. Nach ausgiebiger Observation war es jetzt an der Zeit, Werner Pinzner zu verhaften.
|