Der inzwischen stark kokainsüchtige Pinzner hatte innerlich resigniert; ihm war alles egal. Am 15.April 1986
 Werner Pinzners Festnahmeschlugen die Beamten des MEK
Hamburg und des SEK Eutin zu. Sie arangierten einen Einparkunfall, in dem ein ziviler Polizeiwagen Werner Pinzners parkenden BMW anfuhr. Daraufhin
klingelte ein als normaler Streifenpolizist getarnter MEK-Beamter an Pinzners Haustür. Der kam, mit nur einem Handtuch um die Hüfte bekleidet,
aus der Dusche an die Tür und wollte zunächst nicht mit zu seinem Wagen gehen. Der Beamte sah in diesen Moment seine Chance und schlug Werner Pinzner
mit einem Kinnhaken kurzzeitig k.o.! Dann wurde Pinzner - leicht benommen - zu den Räumen der Soko 855 ins Polizeipräsidium gefahren.
Dort durfte Mucki seine Frau Jutta anrufen. Die
Anwältin Die wiederum informierte Pinzners langjährige Anwältin, Ingrid Oehm, (Name geändert, da er aus Gründen der Resozialisierung nicht
genannt werden darf!) über dessen Verhaftung. Außerdem sollte Frau Oehm bei der Hausdurchsuchung von Pinzners Wohnung anwesend sein. Der
bestbewachtestes Häftling Hamburgs wurde zunächst an immer wechselnden Orten vernommen. Denn die Polizei befürchtete, zu recht, Racheakte oder
Befreiungsversuche von Seiten des Kiezes. "Mucki" war sich seiner Lage bewusst und versuchte bei dem vernehmenden Staatsanwalt Wolfgang Bistry
einige Vergünstigungen zu erwirken. Als Gegenleistung wollte er alle Einzelheiten seiner Hits preisgeben. Seine Anwältin witterte von Anfang an
ihre Chance, mit den Fall Pinzner deutschlandweit bekannt zu werden und dadurch an das große Geld zu kommen. Sie widmete sich nur noch ausschließlich ihren Klienten.
So besuchte Frau Oehm Werner Pinzner in der Zeit von Mitte April bis zum 29.Juli 1986 74-mal in der U-Haft.
Auch sonst
war Pinzner Anwältin erstaunlich
aktiv: Sie versuchte auf dem Kiez "Schweigegeld" einzutreiben und brachte Pinzner mit der Anwaltspost Kokain und Heroin ins Gefängnis mit. Nebenbei
beförderte sie Kassiber (geheime schriftliche Mitteilungen) in und aus der Untersuchungshaft, damit Werner Pinzner sich mit seiner Frau Jutta, bezüglich
des geplanten "großen Abgang", absprechen konnte. Nebenbei verhandelte sie im Name von Pinzner mit der STERN-Illustrierten über einen Exklusivvertrag und
trat in der NDR Talkshow auf. Auch Jutta Pinzner versuchte auf dem Kiez und bei Hans Söhner Geld für die Verteidigung zu beschaffen. Denn Pinzner Anwältin
war wohl seine - kostenlose - Pflichtverteidigerin, soll aber unter der Hand 50 000 DM für ihre "Dienste" verlangt haben.
Die eingeschmuggelten Drogen
versteckte "Mucki" in einem Hohlraum der Schaumstoffmatratze in seiner Zelle. Bereits Ende April hatte Pinzner angedeutet, dass er 13 Auftragsmorde begangen
habe, doch er wollte noch nicht mit allen Einzelheiten rausrücken. Ab Mitte Juni 1986 durfte Jutta Pinzner bei den Vernehmungen ihres Mannes, dank einer
 Polizeifotogroßzügig ausgelegten Ausnahmeregelung, anwesend sein. Der
todessüchtige Pinzner wollte bis zum seinem "Exitus triumphales" mittels der Medien groß rauskommen und dachte sogar über eine Verfilmung seiner Killerkarriere
- mit den Schauspieler Götz George in der Hauptrolle - nach. Gleichzeitig war er aber auch auf seine Anwältin wütend, da sie ohne seine Erlaubnis Dokumente an die Presse verkaufte
und den Fotografen Tipps gab, wann sie Werner Pinzner beim Hofgang im Gefängnis ablichten konnten. Bei den Vernehmung gestand Pinzner zunächst auch die Morde
an Waldemar Dammer und Ralf Kühne. Erst einige Wochen später stellte sich heraus, dass "Siggi" Träger derjenige gewesen war, der abgedrückt hatte. Träger wurde zu
2-mal lebenslänglich verurteilt. Anfang Juli besorgte Ingrid Oehm den von Pinzner geforderte Revolver, eine Smith & Wesson Kaliber .38 spezial mit 5 Schuss Munition.
Inzwischen war Pinzners Frau Jutta, die äußerst willensschwach und von ihm abhängig war, zu dem Entschluss gekommen, dass sie mit ihrem "Mucki" sterben wollte.
Für seinen großen Abgang hatte sich Werner Pinzner den 18.Juli 1986 ausgesucht. Einen Tag vorher, zeigte seine Anwältin Jutta, wie sie den Revolver
 Das Revolver Versteck zwischen ihren Beinen in die Räume der Fachdirektion 65 (SoKo 855)
einschmuggeln konnte, ohne dass es auffiel. An dem entscheidenden Tag konnte Jutta Pinzner im Beisein der Anwältin tatsächlich - trotz einer oberflächlichen
Körper- und Taschenkontrolle - den geladenen Revolver ohne Probleme in den Raum 418 der SoKo transportieren. Einen Metalldetektor hatten die Ermittler
der SoKo schon mehrfach beantragt, doch immer noch stand keiner zu Verfügung. Auf der Toilette steckte sie dann die Waffe in ihre
Umhängetasche. Doch wegen einer, an diesem Tag geänderten Sitzordnung aller Anwesender, konnte Werner Pinzner nicht in die Umhängetasche seiner Frau greifen, da er zu
weit entfernt saß.
Gegen Mittag wurde in der U-Haft, von einem Haftrichter, ein von Pinzner geschriebener Brief an seinem Bruder abgefangen. Darin
stand, dass Werner Pinzner mit Jutta an diesem Tag nach Sri Lanka (= Selbstmord begehen) fliegen würde. Die Beamten der SoKo und der Staatsanwalt Bistry waren sofort
alarmiert. Doch sowohl Pinzner selbst, als auch seine Anwältin ("... das sei der größte Schwachsinn aller Zeiten ..." [sic!]) bestritten vehement alle Selbstmordabsichten Pinzners.
Nach der missglückten Aktion war Ingrid Oehm mit den Nerven am Ende, und machte Jutta Pinzner schwere Vorwürfe wegen des Scheiterns der Aktion. Sie drängte nun auf eine
schnelle Durchführung des großen Abgangs.
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