Staatsanwalt Wolfgang Bistry war zu diesen
Zeitpunkt mit seiner Geduld am Ende. Außer den fünf Mordaufträgen hatte Werner Pinzner der SoKo keine weitere Einzelheiten erzählt und blockte weitere Fragen ab.
Am 29.Juli 1986 sollte die letzte Vernehmung Pinzners stattfinden. Morgens gegen 8 Uhr besuchte Ingrid Oehm Pinzner ein
letztes Mal in der Untersuchungshaft und brachte ihm Beruhigungstabletten, damit "Mucki" gegenüber den Kripobeamten nicht zu aufgedreht erschien.
Dann holte sie Jutta Pinzner ab und die beiden Frauen fuhren zum Polizeipräsidium. Pinzners Frau trug wieder den geladenen Revolver unter dem Rock und hatte
zusätzlich 12 Patronen in einem Wollstrumpf in ihrer Umhängetasche. Im Polizeipräsidium kam es dann zu einer unerwarteten Panne.
Nur
Bistry war in den Räumen der SoKo anwesend und begrüßte die beiden Frauen. Die Kriminalbeamten Timo Schultz und Max Van Osting, der stellvertretender
 TatwaffeChef der SoKo, waren noch unterwegs und holten Werner Pinzner aus dem Gefängnis ab.
Jutta Pinzner wurde dieses Mal nicht durchsucht. Erst als die beiden Beamten mit Pinzner eintrafen, schaute man kurz in die Umhängetaschen der Frauen. Gegen
10.15 Uhr musste Frau Pinzner auf die Toilette. Dort steckte sie die geladene Waffe in ihre Umhängetasche. Im Vernehmungszimmer Raum 418 befanden sich neben
Werner Pinzner, dessen Frau, seine Anwältin, den beiden Polizisten und dem Staatsanwalt noch die Protokollführerin Gitta Berger.
Als
der Staatsanwalt der Protokollführerin die üblichen Rechtsbelehrungen diktiert hatte, forderte er Werner Pinzner mit den Worten:" Nun, dann schießen sie mal
los." auf, mit weiteren Einzelheiten zu seinen Hits fortzufahren. Doch Pinzner beschwerte sich zunächst über das Vorgehen der Polizei. Während Max Van Osting mit
 Tatort Polizeipräsidiumhalbierten Brötchen und Wurst- und Käseaufschnitt in den
Raum 418 zurückkehrte, hatte Werner Pinzner plötzlich einen Revolver aus seinem Hosenbund gezogen. Niemand hatte bemerkt, wie und zu welchen Zeitpunkt er die Waffe
aus der Umhängetasche genommen hatte. "Das ist ein Geiselnahme !" rief Pinzner. In diesen Moment stand Wolfgang Bistry auf und machte einen Schritt auf Werner Pinzner
zu. Der schoss sofort 3-mal auf ihm. Die erste Kugel durchschlug den Ringfinger der zur Abwehr erhobenen linken Hand und drang am rechten äußeren Augenwinkel
 W.Bistry wird abtransportiert ein und trat am Hinterkopf wieder aus. Die zweite Kugel
verfehlte Bistry. Dieses Situation nutzen die beiden Polizisten und verließen blitzartig den Raum. Werner Pinzner schoss ihnen noch hinterher ohne sie jedoch zu treffen.
Die Anwältin und Jutta Pinzner mussten dann die Schreibtische als Barrieren vor die Tür schieben. Anschließend verabschiedete sich Pinzner telefonisch von seiner Tochter
und sprach kurz im Flüsterton mit seiner Frau. Die kniete sich darauf vor ihm hin und öffnete den Mund. Als die Protokollführerin wegschauen wollte, zwang Werner Pinzner sie mit
den Worten: "Und du guckst zu !" [sic!] Augenzeugin der Tat zu werden. Pinzner schoss dann seiner Frau mit einem Schuss durch den Mund in den Kopf, setzte sich neben sie und
tötete sich ebenfalls mit einem Kopfschuss.
Der lebensgefährlich verletzte Wolfgang Bistry verstarb am 30.Juli. Pinzners Anwältin
Ingrid Oehm konnte der Polizei zunächst plausibel machen, dass sie von den Plänen Pinzners und dessen blutigen "Abgang" nicht gewusst habe. Doch als die Staatsanwaltschaft alle
Dokumente gesichtet hatte, wurde Frau Oehm am 8.August 1986 festgenommen. Später erhielt sie in 2.Instanz wegen Beihilfe zum Mord 6 Jahre und 6 Monate. 2/3 der Haftzeit verbrachte sie
in psychiatrischen Kliniken oder als Freigängerin. Der Rest wurde als Bewährung ausgesetzt. Auch ihre Anwaltszulassung wurde ihr nur auf Zeit entzogen. Der Kiez
verabschiedete sich von Pinzner mit einem großen Autocorso. Seine Komplizen wurden zumeist zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, sind heute aber wieder auf freien Fuss.
Auch in der Landespolitik hatte der Fall Pinzner Auswirkungen: Die Justizsenatorin Eva Leithäuser und der Innensenator Rolf Lange mussten, mehr oder weniger freiwillig,
zurücktreten. Die Machtkämpfe auf dem Kiez waren allerdings nach Pinzners spektakulären Tod nicht beendet. Bis Ende der 80er Jahre musste der eine oder andere Lude noch
gewaltsam sein Leben lassen.
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