Als gegen Abend ein Gefangenenwärter das Essen unter die Zellentür schieben wollte, hielt ihm Clyde Barrow die Pistole an den
Kopf und befahl dem geschockten Mann, die vergitterte Tür zu öffnen. Clyde, William Turner und der Mithäftling Emory Abernathy sperrten den Wärter
ein und konnten unbehelligt das Gefängnis verlassen. Barrow und Turner trennten sich von Abernathy und machten sich auf den Weg nach Illinois.
Clyde meldete sich nicht, wie verabredet, bei Bonnie in Dallas, sondern blieb in seinem Versteck. Der Grund war simple: Seine Freundin und die Barrow-Familie wurden von
der Polizei rund um die Uhr überwacht. Barrow und Turner wechselten auf ihrer Flucht ständig die Autos, die sie mit verschiedenen Kennzeichen ausstatteten. Sie überfielen Tankstellen,
kleinere Läden und an den Landstraßen gelegene Verkaufsstände der Bauern. Nur ein einziges Mal schraubten die beiden Verbrecher nach einem geglückten Überfall nicht sofort die Nummernschilder an ihrem
Fluchtwagen ab und genau das wurde ihnen zum Verhängnis. In Middleton/Ohio überfielen sie am 18.März 1930 ein Depot der Eisenbahn und erbeuteten 57,97 Dollar. Ein Zeuge schrieb ihr
Autokennzeichen auf und verständigte die Polizei. Die beiden Verbrecher wurden, noch in der Stadt, nach einer kurzen Verfolgungsjagd festgenommen.
Barrow
und Turner wurden an den Bundesstaat Texas ausgeliefert. Clyde kam am 21.April 1930 als Häftling mit der Nummer 63527 für 14 Jahre Zwangsarbeit auf die gefürchtete
Eastham Prison Farm II Camp 1 in Huntsville. Clyde Barrows Eltern William Turner
traf es noch härter, er musste eine 24-jährige Haftstrafe antreten. In Huntsville traf Clyde Barrow die ganze Härte des amerikanischen Gesetzes. Er musste von Sonnenaufgang bis
Sonnenuntergang bei glühender Hitze auf den Feldern Baumwolle pflücken. Bei kleinsten Verfehlungen wurden die Häftlinge sofort mit Schlägen bestraft. Ein weiteres
 Zeitungsartikel über den Knastmord Problem für den "Knastneuling" Barrow stellten die ständigen Attacken
der homosexuellen Mithäftlinge dar. Nur an den so genannten "Posttagen" sah er in dieser Tristesse einen Lichtblick. Clyde Barrow hatte Bonnie als seine Frau angegeben, da es nur direkten Familienangehörigen
erlaubt war, den Häftlingen Briefe zu schicken. Am 29.Oktober 1931 tötete der 22-Jährige im Streit den Mithäftling Ed Crowder mit 15 Messerstichen. Barrow wurde offiziell
niemals der Tat beschuldigt oder angeklagt. Clyde hatte bereits einen Plan entwickelt, wie er dieser Hölle entkommen konnte. Er war bereit, jeden Preis dafür zu zahlen.
Barrow überredete einen Mithäftling, ihm bei der Feldarbeit mit einem Axthieb den Fuß zu verletzen. Bei diesem fingierten "Arbeitsunfall" verlor er schließlich 2 Zehen des linken Fußes.
Diese Verletzung und die dauerhaften Bemühungen seiner Mutter Cummie, um eine vorzeitige Entlassung, trugen schließlich Früchte. Am 2.Februar 1932 unterschrieb der texanische Govaneur
Sterling seine Begnadigung. Clyde Barrow verließ eine Woche später auf Krücken, aber glücklich, die Knastfarm als freier Mann.
Zunächst genoss Barrow die
wiedererlangte Freiheit und nahm, allerdings recht halbherzig, eine Arbeit in Massachusetts an. Doch bereits nach zwei Wochen kehrte er zu seiner Liebe Bonnie Parker zurück.
Die Verbitterung und der Hass auf die Mächtigen und Reichen des Landes war während der schweren Zeit auf der Gefängnisfarm noch gestiegen. Die Konsequenz war die Wiederaufnahme seiner
 Ralph Smith Fults (Polizeifoto)kriminellen Karriere. Clyde Barrow entwendete ein Automobil und und flüchtete
mit Bonnie in die texanische Kleinstadt Kaufman. Dort traf er sich mit dem 21-jährigen, mehrfach vorbestraften Ralph Smith Fults und dessen nur 1.60 Meter großen Freund Raymond Elzie Hamilton.
Barrow hatte Fults während seines Gefängnisaufenthalts Raymond E.Hamilton kennen gelernt. Die Barrow-Gang
war gegründet und brach, ohne lange zu zögern, in das Eisenwarengeschäft der Stadt ein. Bonnie Parker sollte draußen "Schmiere stehen" (Ausschau halten,
ob sich jemand dem Geschäft nähert. Anmerk. des Autors). Als der coole Anführer Clyde mit seinen beiden nervösen Komplizen mit gezogener Waffe durch die Hintertür in den Laden einbrach,
erlebte Bonnie das erste Mal diesen prickelnden Adrenalinstoss. Doch schon ertönte die Alarmglocke. Ein Wachmann, der sich im Geschäft aufhielt, hatte die Einbrecher überrascht. Barrow samt
Komplizen flüchtete Hals über Kopf durch die Vordertür und sprang in den Fluchtwagen. Dann schrie Clyde seiner zur Salzsäule erstarrten Freundin zu, sie solle ihr Hinterteil endlich in
den Wagen schwingen. Als das gescheiterte Quartett die Stadt verlassen hatte, befahl Clyde Barrow der verdutzten Bonnie, sofort den Wagen zu verlassen, sich für eine Nacht ein Zimmer zu nehmen und dann
mit dem Bus nach Dallas zu fahren. Ohne Widerworte stieg sie aus und war doch sehr beleidigt, dass Clyde sie offenbar nicht als ein vollwertiges Bandenmitglied betrachtete.
Auch Barrow, Fults und Hamilton trennten sich, umso eventuellen Verfolgern die Suche zu erschweren. Ralph Smith Fults kehrte nie wieder in die Barrow-Gang zurück.
Ihm war bewusst geworden, dass ein Leben im Schatten von Clyde Barrow zwangsläufig mit einer Kugel oder auf dem elektrischen Stuhl enden würde. Bonnie Parker wurde am folgenden Tag von dem örtlichen
Sheriff in Kaufman verhaftet. Clyde fuhr nach Dallas und überfiel dort alleine die Sims Oil Company. Wenige Tage später traf er sich wieder mit Raymond Hamilton und Frank Albert Clause, einen
Freund aus alten Zeiten, mit dem er Ende der 20er Jahre zahlreiche Einbrüche und Überfälle begangen hatte. Weiterhin litt die Barrow-Gang an akutem Geldmangel. Dann fiel Clyde ein, dass er bei
mehreren Stopps an einer Tankstelle mit angeschlossener Pfandleihe, im 100 Kilometer entfernt liegenden Hillsboro/Texas, einen Safe bemerkt hatte. Das Trio brach in den späten Abendstunden
des 30.April 1932 in einem gestohlenen Buick in Richtung Hillsboro auf und erreichte die Tankstelle kurz vor Mitternacht.
|