Bonnie & Clyde
- Die Story der Barrow Gang -
Dann verließ auch Raymond Hamilton - unter dem Vorwand seinen Vater besuchen zu wollen - die Barrow-Gang.
Die ewige Flucht, seine Führungsrolle in der Gang, und die negativen Zukunftsaussichten gingen an dem, nach außen hin, tough wirkenden Clyde Barrow nicht spurlos vorbei. Er wirkte jetzt oft gereizt und äußerst aggressiv.

In dieser Stimmung betrat er am Dienstag, den 11.Oktober 1932 gegen 18.25 Uhr
Howard Hall
ein kleines Lebensmittelgeschäft in Sherman/Texas. Die beiden anwesenden Verkäufer Howard Hill und Homer Glaze bereiteten sich gerade auf den Feierabend vor, als Glaze den Unbekannten bemerkte. Der Fremde wollte 6 Eier und ein wenig Fleisch für das Abendessen einkaufen.
Glaze packte die Lebensmittel ein und Barrow bezahlte mit einem Eindollarschein. Als der Verkäufer die Registrierkasse öffnete, stieß ihn der Mann mit einer Waffe an und forderte Glaze auf, von der Kasse wegzutreten. Clyde Barrow packte den Inhalt der Kasse, etwa 50 Dollar, ein. Der andere Verkäufer, der im hinteren Teil des Ladens beschäftigt war, hatte diese bedrohliche Situation mitbekommen. Mit den Worten: "Junger Mann, das können sie nicht machen!" näherte sich der 57-jährige Howard Hall dem Gangster.
Clyde Barrow packte die Waffe am Lauf und schlug den überraschten Verkäufer mit dem massiven Pistolengriff auf den Kopf. Halls Brille flog quer durch den Laden. Mit weiteren Schlägen und Tritten dirigierte Barrow die beiden Verkäufer zum Seiteneingang. Als Hall als Abwehrreaktion einen Arm hochriss, schoss ihm Barrow 2-mal in die Brust.
Der Getroffene stürzte durch die Tür des Seiteneingangs. Barrow kletterte über ihn hinweg und schoss ein weiteres Mal auf den Schwerverletzten. Anschließend drehte sich der Gangster zu dem entsetzten Homer Glaze um und wollte auch auf ihn schießen. Doch in diesen Moment hatte die Waffe eine Ladehemmung.

Der Gangster lief mit qualmender Pistole aus dem Laden heraus zu einem um die Ecke wartenden schwarzen Sedan.
Grundstück, auf dem der Lebensmittelladen stand (1997)
Dies beobachtete Mrs Butler, die gerade ebenfalls einige Lebensmittel in dem Laden einkaufen wollte.
Auch zwei spielende Jungen, die später Clyde Barrow als Täter identifizieren, wurden Zeugen von dessen Flucht. Im Sedan saßen angeblich zwei weitere Männer, doch es konnte nie geklärt werden, wer die Insassen waren, noch wo sich Bonnie Parker zu der Zeit aufhielt.
Eine Stunde nach dem Überfall erlag Howard Hall seinen schweren Verletzungen.

Clyde flüchtete mit Bonnie Parker in den Bundesstaat Missouri. In der Nähe der Stadt Carthage entdeckten sie eine im Hinterland liegende verlassene Hütte, die ihnen für längere Zeit als Rückzugsort diente. Barrow, inzwischen 23 Jahre alt, hatte keine Lust mehr, kleine Läden und Tankstellen mit hohem Risiko bei geringer Beute zu überfallen. Ab sofort sollten nur noch die "Fleischtöpfe der Nation", die Banken, die Objekte seiner Begierde sein.
Am 29.November 1932 betrat Bonnie Parker, unter den Vorwand ein Konto eröffnen zu wollen, die Oswego Bank. Sie gab Clyde später eine genaue Beschreibung der Schalterräume der Bank. Am folgenden Tag hielt Bonnie vor der Bank an, Barrow stieg aus und betrat diese. Am Bankschalter zog er seine Waffe und forderte den Kassierer auf, ihm alles Geld auszuhändigen. Ein im Schalterraum anwesender Wachmann wurde auf den Gangster aufmerksam und feuerte, ohne Clyde allerdings zu treffen, sofort einen Schuss in dessen Richtung ab. Schnell griff Clyde in die Kasse und verließ in geduckter Haltung die Bank.
In ihrer Hütte angekommen, stellte sich heraus, dass die Beute nur magere 80 Dollar betrug. Nun war Barrows Geduld am Ende. Ohne jegliche Vorbereitung stürmte er am nächsten Tag in die nächstbeste Bank. Doch zu seiner Enttäuschung fand er nur einen verlassenen, vollgestaubten Raum vor. Diese Bank hatte vor Monaten ihren Betrieb eingestellt.

Der frustrierte Clyde schlug Bonnie vor,
W.D. Jones
die nahende Weihnachtszeit bei den Eltern zu verbringen. Zu Hause fiel ihm ein Nachbarsjunge auf, der nur zu gerne der inzwischen berühmt-berüchtigten Barrow-Gang angehören wollte. Da Clyde Mitglieder für seine Bande suchte, kam ihn William Daniel Jones, von allen nur W.D. (sprich:"Dabbelju-Die") genannt, gerade recht. Clyde war für W.D. ein Idol. Der Junge himmelte ihn geradezu an. Das schmeichelte Barrow und sein angeknackstes Ego wurde wieder ein wenig aufgebaut. Der erst 16-Jährige, der aber wesentlich älter wirkte, war auch in sonstiger Hinsicht eine Bereicherung für die Barrow-Gang. Er hatte einen kräftigen Körperbau, war mutig und konnte geschickt mit einem Automobil umgehen.
Am Abend des 25.Dezember 1932 erreichte das Trio das texanische Städtchen Temple. Clyde entdeckte vor einem Haus einen neuen Ford V8, den der autovernarrte Gangster sofort stehlen wollte. Mit dieser Aufgabe sollte W.D. seine Feuertaufe in der Barrow-Gang bestehen.
Der Junge sprang aus dem Wagen und lief zum Ford, in dem tatsächlich der Schlüssel in der Zündung steckte. Doch W.D. war zu nervös, um den Wagen
Haus von D.Johnson (1997) - Der Ford parkte am Bordstein (Pfeil)
zu starten. Eine Reihe von Fehlzündungen hallten durch die Straße der ruhigen Wohngegend. Während ein verärgerter Clyde aus dem ersten Fluchtwagen zu W.D. rief, er solle mehrmals das Gaspedal durchtreten, schauten die ersten Nachbarn verschlafen aus den Fenstern ihrer Häuser.
Auch Doyle Johnson, der Besitzer des Ford V8, guckte aus dem Wohnzimmerfenster und erblickte zwei Männer, die an seinem Wagen hantierten. Der 27-jährige Verkäufer rannte auf die Straße, griff Clyde Barrow an den Schlips und versuchte ihn aus dem Automobil zu ziehen. Johnson rief seiner Frau zu, sie solle die Polizei informieren. Clyde Barrow ermahnte den Autobesitzer, er solle verschwinden oder er (Clyde) würde ihn töten.
Doch Doyle dachte nicht daran, seinen Traumwagen einfach so aufzugeben. Während W.D. neben Barrow sitzend, regungslos und wimmernd dem Kampf zusah, zog Clyde mit einer Hand seine Waffe hervor und feuerte Doyle Johnson in den Nacken. Dieser sackte leblos zu Boden.
Schließlich konnte Barrow den Ford starten und flüchtete stadtauswärts. Bonnie folgte in dem zweiten Fluchtwagen.

Doyle Johnson verstarb am zweiten Weihnachtstag und hinterließ seine junge Frau mit einem kleinen Sohn.
Die Barrow-Gang kehrte wieder nach Dallas zurück, um ihren Angehörigen etwas Geld zu bringen. Außerdem teilten sie den entsetzten Familien mit, dass man sich in Zukunft nur noch - nach vorheriger Absprache - an geheimen Orten treffen könne.

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